• 13.09.2011, 18:15:31
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Konkurrenz belebt das Geschäft - von Günter Fritz

Die Westbahn wird eine Benchmark für die ÖBB sein - gut so

Wien (OTS) - Wenn am 11. Dezember die Westbahn ihren Betrieb auf
der Strecke Wien-Salzburg aufnehmen wird, wird es erstmals echte
private Konkurrenz für die ÖBB geben. Die Bahngesellschaft, an der
Bautycoon Hans Peter Haselsteiner gemeinsam mit Ex-ÖBB-Vorstand
Stefan Wehinger 52 Prozent hält und bei der die französische
Staatsbahn SNCF mit 26 Prozent als strategischer Partner mit dabei
ist, hat sich viel vorgenommen: 14 Mal täglich will sie die lukrative
Rennstrecke, nach der sie sich benannt hat, zu Kampfpreisen und mit
Qualität bedienen. In den Zügen sollen Erste-Klasse-Standards geboten
werden, die Preise sollen sich jedoch am Tarif der zweiten Klasse bei
der ÖBB orientieren. Selbstredend, dass auch durchgehendes
Telefonieren und W-Lan möglich sein sollen, so die Westbahn-Macher.
Jetzt legen sie noch einen Gang zu und holen sich das
Traditionsunternehmen Blaguss für ihr Joint Venture Westbus an Bord.
Ziel ist es auch hier mit modernstem Material zu günstigen Preisen zu
reüssieren und so Schritt für Schritt ein Verkehrsnetz aufzubauen.

Haselsteiner, der in seinem Baukonzern eine eigene Güterbahn, die in
verschiedenen Ländern aktiv ist, und ein Bedarfsflugunternehmen
betreibt, weiß, was er tut. Bei ihm regiert zwar der Rechenstift, er
ist aber auch ein politischer Mensch mit Veränderungswillen. Somit
ist davon auszugehen, dass es nicht bei vollmundigen Ankündigungen
bleibt, sondern die Westbahn einen professionellen Start hinlegen
wird. Auch mit der Absicht zu zeigen, was und wie schnell ein
Privatunternehmer zu leisten vermag. Sein Vergleich, dass ein
normaler Beschaffungsvorgang des Bundes ebenso lang dauere wie bei
der Westbahn die Gesamtabwicklung des Projekts von Planung, über
Finanzierung, Beschaffung macht klar, was Haselsteiner von
verkrusteten staatlichen Strukturen hält - nämlich wenig bis gar
nichts. Er ist freilich erfahren genug, nicht unerwähnt zu lassen,
was die Eisenbahngewerkschaft für Bahnmitarbeiter und das Land
geleistet hat, obwohl heute manche der Errungenschaften bei der Bahn
nicht mehr zeitgemäß und als Privilegien kontraproduktiv sind. Auch
ÖBB-Chef Christian Kern ist klar, dass sein Verkehrskonzern weiter
reformiert werden muss. Klar ist auch, dass es ein privater Winzling
wie die Westbahn in vielem leichter hat als der Moloch ÖBB. Als
Stachel in dessen Fleisch wird er aber wertvolle Dienste leisten und
den ÖBB-Chef veranlassen, seine Benchmarks neu zu definieren. Egal
wie das Match ausgeht, die Kunden werden davon auf jeden Fall
profitieren.

Rückfragehinweis:
Wirtschaftsblatt Verlag AG
Tel.: Tel.: 01/60117 / 300
mailto:[email protected]

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