WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Konkurrenz belebt das Geschäft - von Günter Fritz

Die Westbahn wird eine Benchmark für die ÖBB sein - gut so

Wien (OTS) - Wenn am 11. Dezember die Westbahn ihren Betrieb auf
der Strecke Wien-Salzburg aufnehmen wird, wird es erstmals echte private Konkurrenz für die ÖBB geben. Die Bahngesellschaft, an der Bautycoon Hans Peter Haselsteiner gemeinsam mit Ex-ÖBB-Vorstand Stefan Wehinger 52 Prozent hält und bei der die französische Staatsbahn SNCF mit 26 Prozent als strategischer Partner mit dabei ist, hat sich viel vorgenommen: 14 Mal täglich will sie die lukrative Rennstrecke, nach der sie sich benannt hat, zu Kampfpreisen und mit Qualität bedienen. In den Zügen sollen Erste-Klasse-Standards geboten werden, die Preise sollen sich jedoch am Tarif der zweiten Klasse bei der ÖBB orientieren. Selbstredend, dass auch durchgehendes Telefonieren und W-Lan möglich sein sollen, so die Westbahn-Macher. Jetzt legen sie noch einen Gang zu und holen sich das Traditionsunternehmen Blaguss für ihr Joint Venture Westbus an Bord. Ziel ist es auch hier mit modernstem Material zu günstigen Preisen zu reüssieren und so Schritt für Schritt ein Verkehrsnetz aufzubauen.

Haselsteiner, der in seinem Baukonzern eine eigene Güterbahn, die in verschiedenen Ländern aktiv ist, und ein Bedarfsflugunternehmen betreibt, weiß, was er tut. Bei ihm regiert zwar der Rechenstift, er ist aber auch ein politischer Mensch mit Veränderungswillen. Somit ist davon auszugehen, dass es nicht bei vollmundigen Ankündigungen bleibt, sondern die Westbahn einen professionellen Start hinlegen wird. Auch mit der Absicht zu zeigen, was und wie schnell ein Privatunternehmer zu leisten vermag. Sein Vergleich, dass ein normaler Beschaffungsvorgang des Bundes ebenso lang dauere wie bei der Westbahn die Gesamtabwicklung des Projekts von Planung, über Finanzierung, Beschaffung macht klar, was Haselsteiner von verkrusteten staatlichen Strukturen hält - nämlich wenig bis gar nichts. Er ist freilich erfahren genug, nicht unerwähnt zu lassen, was die Eisenbahngewerkschaft für Bahnmitarbeiter und das Land geleistet hat, obwohl heute manche der Errungenschaften bei der Bahn nicht mehr zeitgemäß und als Privilegien kontraproduktiv sind. Auch ÖBB-Chef Christian Kern ist klar, dass sein Verkehrskonzern weiter reformiert werden muss. Klar ist auch, dass es ein privater Winzling wie die Westbahn in vielem leichter hat als der Moloch ÖBB. Als Stachel in dessen Fleisch wird er aber wertvolle Dienste leisten und den ÖBB-Chef veranlassen, seine Benchmarks neu zu definieren. Egal wie das Match ausgeht, die Kunden werden davon auf jeden Fall profitieren.

Rückfragen & Kontakt:

Wirtschaftsblatt Verlag AG
Tel.: Tel.: 01/60117 / 300
redaktion@wirtschaftsblatt.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PWB0001