- 12.09.2011, 12:53:28
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Anästhesie: Kompetenz am Notfallort
Einladung zum Pressegespräch am 15. 9. 2011, um 10:00 Uhr im Tagungszentrum Schönbrunn, Saal 5 "Franz Joseph".
Wien (OTS) - "Erfolgreiches Handeln in der Notfallmedizin ist kein
Zufall. Es ist das Ergebnis schneller Entscheidungen und
koordinierten Vorgehens", sagt Primar Dr. Helmut Trimmel, Vorstand
der Abteilung für Anästhesie, Notfall- und Allgemeine Intensivmedizin
am Landesklinikum Wiener Neustadt und der Sektion Notfallmedizin der
ÖGARI.
Im Zentrum des Kongressprogramms der Österreichischen Gesellschaft
für Anästhesiologie, Reanimation und Intensivmedizin (ÖGARI) stehen
unterschiedliche Themen der Notfallversorgung akut erkrankter oder
verletzter Personen. Die notfallmedizinische Versorgung ist die 4.
Säule der Anästhesie neben der anästhesiologischen,
intensivmedizinischen und schmerztherapeutischen.
"Anästhesisten sind die letzten Generalisten in der Medizin - sie
müssen über breites medizinisches Wissen im Akutbereich verfügen", so
Primar Trimmel, der gemeinsam mit KollegInnen für die ÖGARI ein
Ausbildungskonzept für Notärzte entwickelt hat, welches neben der
theoretischen erstmals auch eine fundierte klinische Ausbildung zum
Inhalt hat.
Der heurige Kongress der ÖGARI bietet einen Schwerpunkt zu
aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen aus den Bereichen der
prähospitalen Erstversorgung, Implementierung neuer Leitlinien zur
Qualitätssicherung in der Notfallversorgung und der innerklinische
Notfallversorgung an Normal- und Intensivstationen. Schließlich sind
rund 50 Prozent der Notärzte in Österreich AnästhesistInnen, rund
zwei Drittel aller Notarztstützpunkte werden von AnästhesistInnen
geleitet. Von jährlich etwa 150 000 Notarzteinsätzen sind 5 - 7 %
unmittelbar lebensrettend, da die Patienten vital bedroht sind. "Die
Diskussion über Sinn und Unsinn ärztlich besetzter Notdienste ist
absurd, denn eine prähospital optimale Notfallversorgung spart im
weiteren Verlauf Kosten ein (etwa durch kürzere Intensivbehandlung
und Krankenhausaufenthaltsdauer, bessere Rehabilitations-chancen).
Qualität ist generell ein ausgezeichneter Ansatz zur
Kostendämpfung", sagt Trimmel. Wichtig ist jetzt, dass die Ausbildung
in der Notfallmedizin intensiviert und die Notarztstandorte
grundsätzlich in eine Partnerschaft mit Krankenhäusern eingebunden
werden.
"Ein Mensch in Not und ein Mensch als Helfer" - dieser Ausspruch
von Victor von Weizsäcker verdeutlicht sehr stark auch die
Ausgangslage von Notfallmedizinern, die vor Ort Entscheidungen
treffen müssen, ohne dass sie die Vorgeschichte des Patienten kennen.
Ein Notarzt kann nur das behandeln, was er erkennen kann. "Klar ist,
dass in Österreich die AnästhesistInnen eine zentrale Verantwortung
für die Entwicklung der Notfallmedizin - und damit für die Ausbildung
der Notärzte tragen", so ÖGARI- Präsidentin Kozek-Langenecker.
Ausbildungsreform für die Notarztausbildung in Sicht!
"Die im Ärztegesetz geregelte Notarztausbildung (zuletzt 1998
novelliert) ist nicht mehr zeitgemäß, sie muss neu geregelt werden,
um an die Erfordernisse der aktuellen Gesundheitsversorgung angepasst
zu werden", sagt Primar Trimmel. Die ÖGARI hat dabei in
interdisziplinärer Absprache mit den beteiligten Fachdisziplinen -
wie der Österreichischen Gesellschaft für Notfall- und
Katastrophenmedizin ein dreistufiges Ausbildungskonzept entwickelt.
Primär soll dadurch einerseits die notfallmedizinische
Grundausbildung für alle Ärzte verbessert werden, andererseits eine
fundierte Ausbildung für Ärzte im organisierten Notarztdienst
(Notarztwagen, Hubschrauber) oder an innerklinischen
Notfallaufnahmen, orientiert am Europäischen Curriculum erreicht
werden. Es ist ausdrücklich nicht Ziel, ein zusätzliches Fach in der
Ärzteausbildung einzuführen. Allgemeinmedizinern, aber auch Ärzten
aus den sog. Akutfächern (neben der Anästhesiologie auch der Inneren
Medizin, der Unfallchirurgie, der Chirurgie usw.) soll durch
ausreichende klinische Erfahrung in akut- und notfallmedizinischen
Bereichen die notwendige Qualifikation vermittelt werden. Primar
Trimmel verweist auch auf den Fall des deutschen Schauspielers, der
sich als Notarzt bei den österreichischen Rettungsdiensten ausgegeben
und bei 60 Einsätzen dabei war, "hier hat die notwendige
Qualitätskontrolle offenbar völlig versagt", so Trimmel.
Weil die derzeitigen gesetzlichen Voraussetzungen zur Ausübung des
Berufes Notärztin oder Notarzt absolut unzureichend sind und es
gegenwärtig theoretisch möglich wäre, dass Notärzte in ihrem ersten
Dienst das erste Mal in ihrem Leben einen Patienten intubieren, hat
die österreichische Ärztekammer die Vorschläge der ÖGARI aufgegriffen
und eine Reform des § 40 eingeleitet, berichtet Prim. Dr. Günther
Frank, selbst Anästhesist und Vertreter des Notfallreferats der
Österreichischen Ärztekammer: "In Zukunft müssen Notärzte mindestens
zwei Jahre Arbeit im Krankenhaus und einen Tätigkeitskatalog
nachweisen, der alle gängigen notärztlichen Maßnahmen umfasst. Drei
Monate davon müssen im Fachbereich Anästhesiologie im Operationssaal
absolviert werden. Weiters gibt es ein verpflichtendes Training am
Simulator, einen Fortbildungslehrgang von 80 Unterrichtseinheiten mit
abschließender Prüfung sowie zur Abrundung 50 Einsätze im
organisierten Notarztdienst, unter direkter Supervision und Anleitung
eines erfahrenen Notarztes". Prim. Dr. Frank betont, dass sich die
Ärztekammer klar zu einem qualitativ hochwertigen präklinischen
Notarztsystem bekennt und sich vehement um eine Zustimmung des
Ministeriums, der Länder und der KH-Träger zum vorliegenden
Gesetzesvorschlag bemühen wird.
Einsatz der Patientenverfügung in der Notfallmedizin
Fortschritte in der Medizin führen auch dazu, dass sich Menschen
Sorgen machen, in einer Zeit schwerer Krankheit ärztlichen
Entscheidungen ausgeliefert zu sein. Patientenselbstbestimmung ist
heute ein wichtiges Thema: "hier stehen ethische Fragestellungen im
Vordergrund, z.B. auch in der Palliativ- und Intensivmedizin, wenn es
darum geht, Standards für Therapielimitationen zu diskutieren",
stellt ÖGARI-Präsidentin Prim. Univ. Doz. Dr. Sibylle
Kozek-Langenecker fest. Im Rahmen des Kongresses werden
diesbezügliche Fragen erörtert. Die Ethikplattform Intensivmedizin
erarbeitet unter Anderem einen Fragenkatalog, der Intensivmedizinern
helfen soll, ethisch richtige Entscheidungen im Grenzbereich zwischen
Leben und Tod zu treffen. "Ich würde mir mehr Patientenverfügungen
wünschen, man weiß als Arzt meist nichts darüber, was der einzelne
aufgeklärte Patient im Rahmen einer schweren lebensbedrohlichen
Erkrankung für sich selbst entscheiden würde" sagt Prim. Univ. Prof.
Dr. Walter Hasibeder, Leiter der Sektion Intensivmedizin der ÖGARI.
Denn: Intensivtherapie kann niemals Leidens- bzw.
Sterbensverlängerung sein, der Sinn dieser Behandlung ist klar über
den Nutzen für den Patienten definiert, so Hasibeder weiter. Die
Ausbildung in Fragen der medizinischen Ethik ist noch wenig
etabliert; und auch in der Ausbildung zum Thema Patientenverfügungen
gibt es Optimierungspotential.
Simulation: Training für den Ernstfall mit Patientensimulator
Im Simulationstraining können kritische Situationen während
medizinischer Behandlungen unter kontrollierten Bedingungen geübt,
wiederholt und evaluiert werden. Durch das Bearbeiten von
unterschiedlichen Szenarien können die unterschiedlichen Prozesse
gesteuert, Therapiekonzepte trainiert und vor allem auch effektive
Kommunikation und Teamarbeit während kritischer Phasen optimal geübt
werden. "Dabei werden Szenarien mit patientengefährdendem Potenzial,
etwa aus den anonymen Incident Reporting Systemen der Kliniken
analysiert und für das Training im Simulator aufbereitet", erklärt
Primar Trimmel, der auch das NÖ Zentrum für Medizinische Simulation
und Patientensicherheit leitet. Im Rahmen des heurigen Kongresses der
ÖGARI wird es wieder mehrere Stationen geben, an denen präklinische
Notfallsituationen, Szenarien aus dem Schockraum, spezifische
klinische Fälle und auch Kinderreanimation trainiert werden können.
Sorgsamer Umgang mit Fremdblut
Basierend auf der zweiten österreichischen Benchmark-Studie
"Patient Blood Management", an der 23 Krankenhäuser teilgenommen
haben wird der Umgang mit Blut neu diskutiert. Sechs der
teilnehmenden Krankenhäuser transfundierten 20% einer definierten
Patientengruppe, andere bis zu 80%. Ziel ist es Leitlinien zu
entwickeln, welche Rahmenbedingungen für eine Optimierung des
Blutbedarfs vorerst bei Operationen ermöglichen. In der Entwicklung
dieser Leitlinien arbeitet die ÖGARI intensiv mit dem
Gesundheitsministerium zusammen. "Im Mittelpunkt stehen die
individuellen Bedürfnisse der PatientInnen und damit verknüpft ein
optimiertes Vorgehen in der Transfusionsmedizin", so Ministerialrat
Dr. Johann Kurz, der im Gesundheitsministerium für strategische
Angelegenheiten, Blut, Gewebe und Transplantationswesen zuständig
ist. Internationale Studien zeigen, dass ein Mehr an transfundierten
Blutkonserven nicht automatisch ein besseres Ergebnis für die
Patienten und Patientinnen bringt.
Breite wissenschaftliche Diskussion
Weitere Kongressthemen sind u.a. perioperative Behandlung von
Gerinnungsstörungen, Leitlinien zur Sedierung von Patienten durch
Nicht-Anästhesisten, der Einsatz der Regionalanästhesie bei
humanitären Katastrophen, die Ernährung von Intensivpatienten und die
postoperative Betreuung der Patienten. Für ÖGARI-Präsidentin Primaria
Kozek-Langenecker ist es wichtig, dass "einerseits wissenschaftliche
Forschungsergebnisse diskutiert werden und andererseits, dass die
Aus- und Weiterbildung, ausgehend vom Kongress-Schwerpunkt im Bereich
der Notfallmedizin, weiter ausgebaut und gesichert wird - im Dienste
der Patienten."
Etwa 1000 AnästhesistInnen aus ganz Europa werden am
ÖGARI-Kongress, der vom 15. - 17. September 2011 im Tagungszentrum
Schönbrunn in Wien stattfindet, teilnehmen. Barbara Stöckl moderiert
die offizielle Eröffnungsveranstaltung.
Einladung zum Pressegespräch
Datum: 15.9.2011, um 10:00 Uhr
Ort: Tagungszentrum Schönbrunn Saal 5 "Franz Joseph"
Schloß Schönbrunn, 1130 WienRückfragehinweis:
Frau Andrea Granegger-Körner: + 43/1/409 62 00 oder per E-Mail an: [email protected]
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