- 12.09.2011, 10:19:09
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Diese rasselnden Säbel schneiden nicht - von Hans Weitmayr
Die Exportabhängigkeit von der EU setzt Erdogan enge Grenzen
Wien (OTS) - In den vergangenen Tagen war die Türkei wieder des
Öfteren in den Schlagzeilen zu finden - doch nicht unbedingt im
bestmöglichen Zusammenhang: Mit lautem Säbelgerassel tourt Premier
Recep Tayyip Erdogan durch die Welt, präsentiert sich als Schutzherr
der Palästinenser und, weil es nahe liegt, gleich der ganzen
arabischen Welt. Kriegsschiffe könnten Hilfskonvois für die
Palästinenser begleiten und israelische Streitkräfte von einem
neuerlichen Entern derselben abhalten. Keine Rede mehr von den
traditionell guten Beziehungen zwischen Jerusalem und Ankara.
Politisch versucht der Premier offensichtlich, den frischen
arabischen Wind in der Region zu nützen. Nach den unzähligen Abfuhren
punkto eines möglichen EU-Beitritts scheint der türkische
Regierungschef keine diplomatischen Rücksichten auf Europa nehmen zu
wollen oder nehmen zu müssen. Zumindest drängt sich dem Beobachter
auf den ersten Blick dieser Eindruck auf - aber wie es mit ersten
Blicken oft der Fall ist, sind sie trügerisch. So auch hier.
Gut lässt sich das an der türkischen Lira darstellen. Diese hat in
letzter Zeit gegenüber dem Dollar deutlich an Wert verloren. Dabei
zeigt sich ein markanter Parallel-Lauf zum Euro. Tauchen aus der
Euro-Peripherie schlechte Nachrichten auf, geht die türkische Lira
auf Talfahrt. Kein Wunder: Die drei wichtigsten Handelspartner des
Landes kommen aus der Eurozone - rund 20 Prozent der Exporte werden
in Deutschland, Frankreich und Italien bestritten.
Volkswirtschaftliche Probleme im Euroraum schlagen sich in geringerer
Importkraft nieder, das trifft die von diesen Märkten abhängige
Türkei.
Somit bleibt Ankara trotz einer beeindruckenden und beneidenswerten
wirtschaftlichen Erfolgsstory weniger politischer Spielraum als das
Land die Welt und sich selbst glauben machen will.
Denn was würde passieren, wenn die Türkei nach ihrem
Israel-Abenteuer begänne, weiter ihre Muskeln spielen zu lassen und
zu Europa auf Konfrontationskurs zu gehen? Was, wenn die Union gegen
die Türkei in einem Spannungsszenario dieselbe Waffe zieht, die sie
gegen Israel in den Raum gestellt hat - also Wirtschaftssanktionen?
Das Wirtschaftswunder am Bosporus würde in Not geraten, der interne
Druck auf die Regierung sofort steigen und das Leben für den Premier
in Ankara deutlich ungemütlicher werden.
Das ist alles in allem kein schlechter Umstand. Denn natürlich kennt
Erdogan die Limits seiner Politik ganz genau - er hat durch eine
allzu offensive Politik im Mittelmeerraum mehr zu verlieren als zu
gewinnen. Mit anderen Worten: Rasselnde Säbel schneiden nicht.
Rückfragehinweis:
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