- 09.09.2011, 19:16:47
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Der Tanz ums goldene Kalb
Aufsicht will Kapitalzuschlag für heimische Großbanken. Jeder gegen jeden als Motto bei Finanzinstituten. Von Reinhard Göweil - Wiener Zeitung, Ausgabe vom 10. September 2011
Wien (OTS) - Österreichs Banken verwalten mehr als neun Millionen
Girokonten und 24,5 Millionen Sparbücher. Angesichts der Zahl kann es
keinem Bürger egal sein, wie es den Banken geht und was sich dort
abspielt. Am Freitag haben die heimischen Bankaktien einen schwarzen
Tag erlebt. Erste Bank und Raiffeisen verloren in Tagesfrist zehn
Prozent, das sind zusammen circa 1,5 Milliarden Euro.
Daher kann es keinem Bankkunden egal sein, wie gut seine jeweilige
Bank mit Eigenkapital ausgestattet ist. Umgekehrt prüft jede Bank
auch die Bonität jedes Kreditnehmers. Wer sein Geld zur Bank trägt,
sollte daher Interesse daran haben, wie es um die Bonität seines
Geldinstitutes bestellt ist.
Das haben die Banken mittlerweile selbst begriffen, und
dementsprechend harsch geht es hinter den Kulissen zu. Denn es geht
dabei um Milliarden - sowie um Politik und Einfluss. Denn die
heimischen Banken benötigen dringend mehr Eigenkapital, und aus
diesem Grund gibt es auch ein großes Tauziehen um dieses Kapital. Die
Bestimmungen kommen international daher, die Finanzkrise hat die
Kapitalvorschriften deutlich verschärft. Bis 2019 sollen alle Banken
mindestens sieben Prozent Eigenkapital halten. Besonders wichtige
Banken sogar mehr.
Keiner spielt mit offenen Karten
Da Erste, Raiffeisen und Bank Austria in Osteuropa wesentliche
Marktanteile halten, sollten sie sogar deutlich darüber liegen.
Inoffiziell ist zu hören, dass die Nationalbank und die
Finanzmarktaufsicht einen Kapitalaufschlag von mindestens 1,5 Prozent
fordern. Ebenso inoffiziell wird dies von den betroffenen Banken
abgelehnt. Niemand spielt derzeit mit offenen Karten, die neuen
Bestimmungen sollen aber noch im Herbst öffentlich werden. Dazu
gehört auch, dass die internationalen Vorschriften in Österreich ein
Jahr früher in Kraft treten - also 2018.
Damit ist der Kampf um die Milliarden eröffnet, umso mehr, als Erste
Bank und Raiffeisen ja staatliche Hilfe in der Bilanz haben. Die
Erste Bank will nun - ihr Chef Andreas Treichl hat dies angekündigt -
die Staatshilfe vorzeitig rückzahlen. Das Sparkassen-Leitinstitut
allerdings unterschätzt die neuen Kapitalvorschriften. Die kompletten
Kapitalhilfen herausgerechnet, hält die Erste-Gruppe derzeit bei 7,2
Prozent Eigenkapital. (Der Durchschnitt in der Industrie liegt bei
etwa 30 Prozent.) Mit dem Osteuropa-Zuschlag käme die Erste auf
mindestens 8,5 Prozent. In der jetzigen Börse-Phase wären natürlich
Kapitalerhöhungen verrückt, weil die Kurse so niedrig sind.
Bei der Erste Bank stehen die Nationalbank und die
Finanzmarktaufsicht auf der Bremse. Die Aufsicht ist nicht überzeugt,
ob eine vorzeitige Rückzahlung des Staatskapitals eine gute Idee ist.
Sie will genaue Informationen über die Auswirkungen der Rückzahlung,
deren Antwort steht aus. Ohne diese Antwort werden allerdings
Finanzministerium und Bundeskanzleramt - mit dem Einvernehmen darüber
hergestellt werden muss - der vorzeitigen Rückzahlung nicht
zustimmen.
Etwas pragmatischer geht es der mit 30 Prozent marktführende
Raiffeisensektor an. Dort ist man gleich an zwei Fronten beschäftigt.
Zum einen will die Volksbanken AG ihren 5,3-prozentigen Anteil an der
RZB an Raiffeisen rückkaufen. Die Volksbanken benötigen das Kapital
dringend, um ihre Staatshilfe zu bedienen. "Wir sind nicht dazu da,
um die Volksbanken zu retten", sagte Ludwig Scharinger, Chef der
Raiffeisen Landesbank Oberösterreich und Vize-Aufsichtsratschef der
RZB. "Mir ist diese Ansicht nicht neu, ich kenne sie", lässt der
Aufsichtsratspräsident Christian Konrad der Wiener Zeitung
ausrichten. Immerhin hatte er vor wenigen Tagen angekündigt, den
ÖVAG-Anteil an Raiffeisen (Wert: circa 500 Millionen Euro) "im Land"
halten zu wollen. Das muss also nicht zwangsläufig Raiffeisen sein.
Denkbar ist auch, dass die Volksbanken ihre stillen Reserven
offenlegen und damit ihr Spitzeninstitut vor eine Verstaatlichung
retten. Dann würde der Raiffeisenanteil bei den Volksbanken bleiben.
Bank Austria derzeit außen vor
Bei dem Ganzen derzeit außen vor: die Bank Austria, die im Eigentum
der italienischen Großbank Unicredit steht. Auch sie müsste den
Osteuropa-Kapitalaufschlag der Nationalbank darstellen. Auch sie ist,
ebenso inoffiziell, strikt dagegen. Am Ende des Tages wird aber - so
Notenbanker - wohl nichts anderes übrig bleiben. "Es gibt natürlich
in Österreich Diskussionen darüber, und Banker jeglicher Couleur
versuchen es zu verhindern. Aber das ist keine österreichische
Entscheidung."
Rückfragehinweis:
Wiener Zeitung
Sekretariat
Tel.: +43 1 206 99-474
mailto:[email protected]
www.wienerzeitung.at
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