• 08.09.2011, 18:15:31
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Die Menschheit hat aus 9/11 nichts gelernt - von Wolfgang Unterhuber

Gewalt mit Gewalt zu bekämpfen hat noch nie funktioniert

Wien (OTS) - Der Terroranschlag vom 11. September 2001 hat in
seinem Ausmaß, vor allem aber in seinen Folgen eine historische
Dimension. Noch nie zuvor wurden so viele Menschen bei einem Anschlag
getötet. Eine Supermacht wurde mitten ins Herz getroffen. Und es war
eine Attacke gleichsam auf den Vatikan des Kapitalismus. Als
Konsequenz davon kam es zu zwei Kriegen - im Irak und in Afghanistan.
So gesehen haben die Terroristen ihr Ziel erreicht. Sie haben nicht
nur Angst und Schrecken verbreitet, sondern die Welt verändert.

Das vorrangige Ziel, die Weltwirtschaft in ihren Grundfesten zu
erschüttern, wurde hingegen verfehlt (das gelang erst den Herren in
den Chefetagen der US-Investmentbanken). Im Gegenteil: Die
Globalisierung schritt ungebremst voran; bis 2008 gab es sogar eine
Reihe von Boom-Jahren.

Erschütternd ist die Tatsache, dass die Menschheit nichts aus 9/11
gelernt hat. Zu glauben, dass man mit einer Einschränkung der
Bürgerrechte neue Terroranschläge verhindern kann, ist naiv. Das
mussten schon die Deutschen in den 70er-Jahren im Kampf gegen den
RAF-Komplex leidvoll erfahren. Genetisch verankert ist auch der
Glaube, Gewalt erfolgreich mit Gewalt bekämpfen zu können. Die
Amerikaner haben zwar den Menschenschlächter Saddam Hussein erledigt,
aber Frieden haben sie im strategisch wichtigen und ölreichen Irak
nicht geschaffen - im Gegenteil. Jeder Tag, an dem der Irak noch
steht, ist wie ein Märchen aus dem Morgenland.

In Afghanistan - da braucht man kein Experte zu sein - werden die
USA ihr zweites Vietnam erleben - mit unabsehbaren Folgen. Der Traum
von George W. Bush und seinen Gefolgsleuten, mit Krieg die
Terroristen ausräuchern zu können und in die islamische Welt
westliche Demokratie zu exportieren, ist zu einem Albtraum verkommen.

Das Hauptproblem der Region, das seit Jahrzehnten die Ursache vieler
Terrorwellen ist, bleibt hingegen ungelöst: Der Nahost-Konflikt. Wie
es aussieht, wird sich daran nichts ändern.

Mehr noch: Den islamischen Fundamentalisten erwuchs infolge von 9/11
ein neuer Gegner: die christlichen Fundamentalisten in den USA.
Spätestens 2016 werden sie den Präsidenten stellen. Was wird dann die
Antwort der evangelischen Gotteskrieger auf den "Heiligen Krieg" der
radikalen Islamisten sein?

Rückfragehinweis:
Wirtschaftsblatt Verlag AG
Tel.: Tel.: 01/60117 / 300
mailto:[email protected]

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