Forderung nach Rechtsanspruch auf medizinische Rehabilitation

Kritik an der aktuellen Gesetzeslage durch NÖ Ärztekammer - auch Kindern, Jugendlichen, Pensionisten und sonstigen nicht Erwerbstätigen muss Rehabilitation zustehen

Wien (OTS) - Erst letzte Woche hat der Österreichische Seniorenrat den Rechtsanspruch für Alterspensionsbezieher auf Rehabilitation gefordert und erhielt dafür auch prompt Unterstützung von der Niederösterreichischen Ärztekammer. Doch die Forderung der Seniorenvertreter geht für Präsident Dr. Christoph Reisner nicht weit genug: "Aus medizinischer Sicht ist es unverständlich, dass die Bewilligung einer Rehabilitation davon abhängig gemacht wird, ob der zuvor stattgefundene Unfall als Arbeitsunfall oder die vorangegangene Krankheit als Berufskrankheit eingestuft wird. Denn nur in diesen Fällen besteht in Österreich ein Rechtsanspruch auf Förderung eines Rehabilitationsaufenthalts. Sind Kinder, Jugendliche, Ältere oder sonstige nicht erwerbstätige Menschen weniger Wert, dass ihnen der Rechtsanspruch auf Rehabilitation verwehrt werden kann?" Eine Tatsache, die dem medizinischen Fortschritt klar widerspricht.

Auch im Vergleich mit unseren Nachbarn steht Österreich nicht gut da. Die Leiterin des Institutes für Physikalische Medizin & Rehabilitation am Landesklinikum Wiener Neustadt, Prim. Dr. Angelika Karner-Nechvile, blickt über die Landesgrenze: "In Deutschland beispielsweise liegt es seit 2007 nicht mehr im Ermessen der Krankenkasse, ob eine Rehabilitation bewilligt wird oder nicht. Ist die Maßnahme aus medizinischer Sicht erforderlich, so muss die Krankenkasse die Rehabilitation genehmigen." Auch in der Schweiz wird nicht aufgrund des Anlasses für die Rehabilitation entschieden. Jeder Antrag wird auf Wirksamkeit, Zweckmäßigkeit und Wirtschaftlichkeit überprüft, egal ob es sich um Kinder, Jugendliche, Berufstätige oder ältere Menschen handelt. "Immerhin geht es bei der medizinischen Rehabilitation darum, durch Unfälle oder Krankheiten verloren gegangene Fähigkeiten wiederherzustellen. Das Ziel ist es, die Patienten dabei zu unterstützen, wieder am Alltagsleben teilzunehmen und eine Pflegebedürftigkeit zu verhindern oder zumindest hinauszuschieben. Obwohl die Rehabilitation in Österreich zu den Aufgaben der Sozialversicherung zählt, besteht kein Rechtsanspruch darauf. Es handelt sich leider eine um sogenannte Kann-Leistung", ergänzt Prim. Dr. Karner-Nechvile.

Additivfach Geriatrie für Allgemeinmediziner

Im Gegensatz zur Rehabilitation gibt es für ältere Menschen allerdings auch eine positive Entwicklung. Erst kürzlich wurde das Additivfach Geriatrie geschaffen, das Allgemeinmediziner ab sofort erwerben können. Hier wurde die besondere Situation älterer Menschen in der Ärzteausbildung berücksichtigt. Präsident Dr. Reisner dazu:
"Dieser Schritt ist zu begrüßen. Immerhin sind die Hausärzte die erste Anlaufstelle für ältere Menschen. Wenn Geriatrie in die Pflegeheime abgeschoben wird, ist das der falsche Weg. Eine Versorgung im regionalen Umfeld ist mir ein besonderes Anliegen. In diesem Zusammenhang wiederhole ich meine Forderung an die Politik nach einer Medikamentenabgabe in den Ordinationen für alle Ärzte. Aber gerade die Ärzte, die sich im speziellen den älteren Menschen widmen wollen, muss dies ermöglicht werden. Nur so ist eine rasche und unbürokratische Versorgung der Bevölkerung mit Medikamenten möglich!"

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