• 05.09.2011, 16:05:32
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"KURIER"-Kommentar von Martina Salomon: "Glanz und Elend"

Kein Politiker polarisierte wie er. Schüssel hinterlässt eine zwiespältige Bilanz.

Wien (OTS) - Wolfgang Schüssels Ausscheiden aus dem Parlament ist
ein Dienst an der ÖVP, der er zu Kanzlerschaft und Platz eins
verhalf. Doch zuletzt war Schüssel zur Belastung geworden. Der
Ausnahmepolitiker war rhetorisch brillant, hatte Visionen,
ultraschnelle Auffassungsgabe, internationales Format, und er ging
nicht vor dem Boulevard in die Knie. Doch er war auch stur
besserwisserisch, und sein Instinkt versagte völlig bei Karl-Heinz
Grasser, dem er bedingungslos vertraute. Grassers Netzwerk aus
unverschämten Emporkömmlingen riss sich Jobs und Staatsgeld unter den
Nagel nach dem Vorbild der rot-schwarzen Filzokratie (die Jörg Haider
eigentlich bekämpfen wollte), nur dilettantischer und frecher.
Der prinzipiell richtige Weg der Privatisierung wurde damit
diskreditiert. Und niemand redet mehr über positive schwarz-blaue
Projekte wie Abfertigung neu, Pensionsreform oder Kindergeld. Für die
SPÖ ist die Telekom-Affäre ein Geschenk, das dabei hilft, eine
Regierung ohne Rote unmöglich zu machen. Schüssels größter Fehler war
es, 2003 noch einmal Schwarz-Blau zu wagen, wider besseres Wissen.
Wäre er über seinen Schatten gesprungen und hätte eine schwarz-grüne
Koalition gebildet, sähe seine persönliche Bilanz und die der ÖVP
heute besser aus.

Rückfragehinweis:
KURIER, Chefredaktion
Tel.: (01) 52 100/2601

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