WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Der Kollateralschaden ist gewaltig - von Wolfgang Unterhuber

Danke an alle Hocheggers, Ex-Telekoms und KHGs

Wien (OTS) - Es ist mittlerweile elf Jahre her, da hatte ein gewisser Wolfgang Schüssel die Vision, das Land zu verändern. Weg mit dem "kakanischen" Mief, mehr Mut zu Liberalismus und Eigenverantwortung. Das Volk sollte von den Segnungen einer freien Marktwirtschaft profitieren, wie etwa von einem prosperierenden Börse- und
Finanzmarkt. Stichwort Telekom - eine Volksaktie sollte daraus werden. Selbst der damalige sozialdemokratische Oppositionsführer sprach (sehr zum Ärger seiner Genossen an der Basis) von einer "solidarischen Hochleistungsgesellschaft".

Heute liegt die Ära Schüssel in Trümmern. Nicht etwa, weil eine linke Konterrevolution stattgefunden hätte, sondern weil sich in jenen Jahren ein Netzwerk aus Politikern, PR-Beratern und Managern im staatsnahen Dunstkreis schamlos bereicherte.

Seit dem Bawag-Skandal weiß man, dass gegen die kriminelle Energie einer verschworenen Clique kaum anzukommen ist. Und dass die dunklen Machenschaften oft erst dann sichtbar werden, wenn ökonomische Ebbe eintritt.

Skandale gab es in diesem Land immer. Schon Anfang der 80er-Jahre sprach der damalige Bundespräsident Rudolf Kirchschläger von "sauren Wiesen". Es kam dann noch schlimmer, bis mit dem Lucona-Skandal der Höhepunkt erreicht schien. Doch immerhin war der zeitliche Abstand zwischen den einzelnen Skandalen noch überschaubar.

Doch jetzt kommen Justiz und Öffentlichkeit nicht mehr zum Durchatmen. Das liegt daran, dass einige Herren in der schwarz-blau-orangen Regierungszeit nicht nur vorhatten, die eigenen Anleger und/oder Bankkunden auszunehmen, sondern gleich die ganze Republik. Gewissensbisse hatten diese Herren nicht. Das Ansehen ihres Unternehmens, ihrer Branche oder gar der Republik war (und ist) ihnen völlig egal. Hauptsache die Frisur und die Solariumbräune stimmen.

Dabei ist der Kollateralschaden gewaltig. Im Ausland ist Österreich einmal mehr die Strizzi-Republik. Und im Inland gewinnt genau jene wirtschafts- und unternehmerfeindliche Grundhaltung wieder die Oberhand, die ein Wolfgang Schüssel zu überwinden trachtete. Die alle da oben sind korrupte Gauner - das ist die Stimmung im Lande. Und sie wird es für sehr lange Zeit bleiben. Danke dafür, all ihr lieben Hocheggers, Ex-Telekoms und KHGs.

PS: Für alle genannten Personen (auch in Form von Abkürzungen) gilt die Unschuldsvermutung.

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