FALTER: Colombo: "Sie haben mich hintergangen"

Der angeblich untergetauchte Ex-Telekom-Finanzchef Stefano Colombo spricht im FALTER-Interview erstmals zur Schmiergeld-Affäre. Er weist jede Verantwortung von sich.

Wien (OTS) - "Ich fühle mich verraten", sagt Stefano Colombo, von April 2000 bis März 2007 Finanzvorstand der Telekom, in der am Mittwoch erscheinenden Ausgabe der Wiener Stadtzeitung FALTER zur Schmiergeld-Affäre. Die Staatsanwaltschaft vermutet, dass unter seiner Amtszeit mehrere Millionen Euro von der Telekom über Peter Hocheggers Agentur Valora an Politiker geflossen sein könnten. Colombo will davon nichts gewusst haben. "Die laufenden Kosten betrugen eine Milliarde Euro pro Jahr. Wie wollen Sie da eine Million finden?", sagt der gebürtige Italiener mit österreichischer Staatsbürger.

"Sie haben mich hintergangen", behauptet Colombo und bekräftigt im FALTER den Vorwurf des jetzigen Telekom-Chefs Hannes Ametsreiter, wonach es in der Telekom ein "System Schieszler" gegeben habe. "Gernot Schieszler hatte Budgethoheit. Sein Kunde war Rudolf Fischer, damals Vorstand der Telekom. Die beiden haben mit diesem System gespielt", sagt Colombo.

Laut Colombo, der sich als "komplett apolitisch" bezeichnet, soll jeder seiner Vorstandskollegen Politiker "hinter sich" gehabt haben. "Es ist doch klar, dass jemand dahinter war", sagt er im FALTER-Interview. Auf den Verdacht der Ermittler angesprochen, dass der damalige BZÖ-Infrastrukturminister Hubert Gorbach für ein Gesetz bezahlt worden sei, sagt Colombo: "Wie ich es heute sehe, hatten diese Leute keine Moral."

Gernot Schieszler, ehemaliger Vize-Finanzchef der Telekom und potentieller Kronzeuge der Staatsanwaltschaft, wirft Colombo vor, er habe die Kursmanipulation im Jahr 2004 mit eingefädelt. "Das will ich nicht kommentieren", sagt Colombo dazu im FALTER und weiter: "Meine deutsche Sprache hat ihre Grenzen. Wenn jemand auf Wienerisch redet, dann verstehe ich das einfach nicht."

Colombo hält sich laut eigenen Aussagen derzeit in Frankreich auf. Er weist den Vorwurf, untergetaucht und selbst für die Staatsanwaltschaft nicht erreichbar zu sein, von sich: "Ich bin nie untergetaucht. Das ist bloß ein Versuch, mich in ein schlechtes Licht zu rücken. Ich bin ein prädestiniertes Opfer. Ich bin der Italiener", sagt Colombo im FALTER.

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