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"Kleine Zeitung" Kommentar: "Die Katastrophe, ihre Vorbeugung und wir" (von Ingo Hasewend)
Ausgabe vom 30.08.2011
Graz (OTS) - Als Hurrikan "Irene" gerade über New York
hinweggezogen war, tobte dort schon der nächste Sturm. Dessen
Bewohner ebenso wie die Medien warfen Bürgermeister Michael Bloomberg
vor, er habe mit seiner Massenevakuierung Panikmache betrieben, wo
sich der Wirbelsturm doch als laues Lüftchen für die Stadt erwiesen
hätte.
Stellen wir uns den Fall andersherum vor: In New York hätte man wie
einst in New Orleans alle Warnungen vor einem Jahrhundert-Hurrikan in
den Wind geschlagen und der Wirbelsturm hätte Ähnliches angerichtet
wie 2005 "Katrina". Dann wäre wohl Barack Obama im kommenden Jahr bei
den Präsidentschaftswahlen aus dem Amt gefegt worden. Und auch
Bloombergs fester Sessel hätte mächtig gewackelt.
Während Hurrikan "Irene" entlang der Ostküste tobte, hat sich Obama
als engagierter Krisenmanager bewährt. Ganz im Gegensatz zu seinem
Vorgänger George W. Bush bei "Katrina". Noch einmal zur
Vergewisserung: Rund 65 Millionen Menschen sind von "Irene" betroffen
- das ist rund ein Fünftel der gesamten US-Bevölkerung. Die Ostküste
ist eben nicht nur New York.
Die Beispiele für übervorsichtige Prävention in unabsehbaren
Situationen mit gutem Ausgang sind endlos, ebenso die Liste für
unbedarftes Handeln, das in eine Katastrophe mündete. Ein gutes
Beispiel ist der EHEC-Keim mit dem präventiven Gurken-Schlachten in
ganz Europa. Dort wurde eine Mücke mit dem Vorschlaghammer
erschlagen. Aber was wäre gewesen, wäre die Gurke tatsächlich der
Übeltäter gewesen und die deutschen Behörden hätten nicht reagiert?
Auch das österreichische Gesundheitsministerium dürfte noch das
Grippemittel Tamiflu und etliche Atemmasken im Keller haben, womit es
die Ausbreitung der Vogelgrippe einst verhindern wollte.
Eine Mitschuld an der Panikmache tragen die Medien - auch wir als
Kleine Zeitung. Doch wie laut ist das Gezeter, wenn wir vor Seuchen
und Katastrophen nicht ausreichend informieren und warnen? Nur
"angemessen" soll es doch dann bitte schön sein, hält man Politikern
und Medien vor. Doch "angemessen" ist eben relativ, wenn das Risiko
ebenso unkalkulierbar ist wie der Verlauf einer Naturkatastrophe -
als solche gelten auch Seuchen.
Obamas proaktives Handeln hat für das ganze Land Schlimmeres
verhindert - ebenso wie Bloomberg für New York. (Den Rest hat der
Himmel besorgt.) Das sollte jetzt von den Meinungsmachern in den USA
(und bei uns) als verantwortliches Handeln anerkannt werden.****
Rückfragehinweis:
Kleine Zeitung, Redaktionssekretariat, Tel.: 0316/875-4032, 4033, 4035, 4047, mailto:[email protected], http://www.kleinezeitung.at
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