WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Geld stinkt nicht, Bonifikationen manchmal schon - von Anna Offner

Der Jahresgewinn als Bonifikationsmaßstab ist irreführend

Wien (OTS) - Schon Kaiser Vespasian hat um 75 n. Chr. mit "Pecunia non olet" den Besitz unsauberen Geldes gerechtfertigt, als er eine Latrinensteuer einhob. Manager sollen für gute Leistungen auch gut entlohnt werden. Aber nur dann, wenn es die richtigen Leistungen sind. Dass "unsaubere" Geschäfte, wie das Manipulieren der Börsenkurse bei der Telekom Austria, auch noch mit Millionenboni an die Verursacher belohnt werden, stinkt genauso wie im Alten Rom die Latrinen der Gerber.

In Österreich werden Manager für gute Arbeit nicht immer so entlohnt wie international üblich. Die Gehälter heimischer Manager liegen oft bis zu 30 Prozent unter jenen ihrer deutschen, Schweizer, französischen oder polnischen Kollegen. Dass Telekom-Manager lange Zähne bekommen, wenn ihre Branchenkollegen für die gleiche Arbeit den doppelten Lohn kassieren und sich dann über den Bonus ein Körberlgeld verdienen wollen, ist ja nicht per se zu verurteilen. Das Bonifikationssystem der Telekom Austria hat zum Betrug aber geradezu eingeladen, weil es rein zeitpunktbezogen an einem einzigen Indikator orientiert war, nämlich dem Aktienkurs an fünf Februartagen 2004. So ein System hat nie funktioniert. Auch herkömmliche, nur an Finanzkennzahlen anknüpfende Modelle greifen nicht mehr. Dies führt zum Kardinalfehler, den Bonus nur am Ergebnis festzumachen, das aber stets vergangenheitsorientiert ist und nichts über die Zukunft des Unternehmens aussagt. Firmen brauchen für ihr langfristiges Bestehen zwar einen Gewinn, als Bonifikationsmaßstab ist er aber irreführend. Die Eigentümer können ihn zur Gänze entnehmen oder zur Re-Investition im Betrieb belassen. Der Schweizer Management-Guru Fredmund Malik hat für eine nachhaltige, gegenwarts- und zukunftsorientierte Beurteilung der Unternehmensperformance deshalb die Marktstellung, Innovationsleistung, Produktivität, Personalqualität und Liquidität als Maßstäbe für den Bonus definiert. Erst diese Faktoren verursachen den Gewinn, bilden die Brücke zwischen kurzfristigen operativen und langfristig strategischen Ergebnissen und führen so zur Legitimierung einer Bonuszahlung.

Die ÖIAG als oberste Hüterin der Telekom hat zwar bei der OMV dazugelernt und ein Long Term Incentive Programm fürs Management etabliert. Aber auch das orientiert sich nur an harten Fakten. Genutzt hat es ohnehin nichts: Ex-CEO Wolfgang Ruttenstorfer landete deshalb wegen Insiderhandels vor Gericht. Vielleicht sollte die ÖIAG-Spitze einmal den Weg zu Malik wagen, um für "unsaubere" Machenschaften künftig erst gar keine Gelegenheit zu schaffen und sich so außerordentliche Aufsichtsratssitzungen zu ersparen.

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