- 29.08.2011, 09:53:45
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Geld stinkt nicht, Bonifikationen manchmal schon - von Anna Offner
Der Jahresgewinn als Bonifikationsmaßstab ist irreführend
Wien (OTS) - Schon Kaiser Vespasian hat um 75 n. Chr. mit "Pecunia
non olet" den Besitz unsauberen Geldes gerechtfertigt, als er eine
Latrinensteuer einhob. Manager sollen für gute Leistungen auch gut
entlohnt werden. Aber nur dann, wenn es die richtigen Leistungen
sind. Dass "unsaubere" Geschäfte, wie das Manipulieren der
Börsenkurse bei der Telekom Austria, auch noch mit Millionenboni an
die Verursacher belohnt werden, stinkt genauso wie im Alten Rom die
Latrinen der Gerber.
In Österreich werden Manager für gute Arbeit nicht immer so entlohnt
wie international üblich. Die Gehälter heimischer Manager liegen oft
bis zu 30 Prozent unter jenen ihrer deutschen, Schweizer,
französischen oder polnischen Kollegen. Dass Telekom-Manager lange
Zähne bekommen, wenn ihre Branchenkollegen für die gleiche Arbeit den
doppelten Lohn kassieren und sich dann über den Bonus ein Körberlgeld
verdienen wollen, ist ja nicht per se zu verurteilen. Das
Bonifikationssystem der Telekom Austria hat zum Betrug aber geradezu
eingeladen, weil es rein zeitpunktbezogen an einem einzigen Indikator
orientiert war, nämlich dem Aktienkurs an fünf Februartagen 2004. So
ein System hat nie funktioniert. Auch herkömmliche, nur an
Finanzkennzahlen anknüpfende Modelle greifen nicht mehr. Dies führt
zum Kardinalfehler, den Bonus nur am Ergebnis festzumachen, das aber
stets vergangenheitsorientiert ist und nichts über die Zukunft des
Unternehmens aussagt. Firmen brauchen für ihr langfristiges Bestehen
zwar einen Gewinn, als Bonifikationsmaßstab ist er aber irreführend.
Die Eigentümer können ihn zur Gänze entnehmen oder zur Re-Investition
im Betrieb belassen. Der Schweizer Management-Guru Fredmund Malik hat
für eine nachhaltige, gegenwarts- und zukunftsorientierte Beurteilung
der Unternehmensperformance deshalb die Marktstellung,
Innovationsleistung, Produktivität, Personalqualität und Liquidität
als Maßstäbe für den Bonus definiert. Erst diese Faktoren verursachen
den Gewinn, bilden die Brücke zwischen kurzfristigen operativen und
langfristig strategischen Ergebnissen und führen so zur Legitimierung
einer Bonuszahlung.
Die ÖIAG als oberste Hüterin der Telekom hat zwar bei der OMV
dazugelernt und ein Long Term Incentive Programm fürs Management
etabliert. Aber auch das orientiert sich nur an harten Fakten.
Genutzt hat es ohnehin nichts: Ex-CEO Wolfgang Ruttenstorfer landete
deshalb wegen Insiderhandels vor Gericht. Vielleicht sollte die
ÖIAG-Spitze einmal den Weg zu Malik wagen, um für "unsaubere"
Machenschaften künftig erst gar keine Gelegenheit zu schaffen und
sich so außerordentliche Aufsichtsratssitzungen zu ersparen.
Rückfragehinweis:
Wirtschaftsblatt Verlag AG
Tel.: Tel.: 01/60117 / 300
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