- 27.08.2011, 20:13:45
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"Kleine Zeitung" Kommentar: "Wie ein Sketch von Loriot" (Von Thomas Götz
Ausgabe vom 28.8.2011
Graz (OTS) - Nun wird sichtbar, welchen Preis Wolfgang Schüssel
für die Kanzlerschaft gezahlt hat.
Es war viel los diese Woche. Loriot ist nicht mehr, Steve Jobs
stellte sein Amt zur Verfügung, Gaddafi tritt nur noch als
Bauchredner in Erscheinung und Hubert Gorbach . . .
Wie schön wäre es, hundert Zeilen der Dankbarkeit für den Erfinder
des "Familienbenutzers" und der "Jodelschule" zu formulieren. Eine
Eloge auf den Mann, der Computer von hässlichen Zeiträubern in
praktische, schöne Endgeräte verwandelt hat, wäre auch keine
Vergeudung. Selbst der Nato zu danken für ihren erfolgreichen
Militäreinsatz in Libyen wäre ein Ansatz gewesen. Aber dann kam
Hubert Gorbach . . .
Dabei ist der ehemalige Vizekanzler nur eine subalterne Figur in
einem viel größeren Spiel. Langsam wird sichtbar, wie Österreich in
den Jahren 2000 bis 2006 regiert wurde. Wie sich eine kleine Clique
von Taschenspielern gemeinsam mit schamlosen Politikern und Managern
staatsnaher Betriebe am öffentlichen Gut vergriffen hat. Haben soll,
wohlgemerkt, sonst ist's strafbar.
Damals sonnte sich Kanzler Wolfgang Schüssel selbstgefällig im Ruhm,
den Drachen FPÖ besiegt zu haben. Durch die Einbindung Jörg Haiders
habe er dessen Nimbus gebrochen. Das hat eine Zeit lang sogar
gestimmt. Heute kennen wir den Preis dafür: die Absenkung der
Schamgrenze auf das Niveau einer Bananenrepublik.
Nun sucht die Justiz fieberhaft nach Beweisen und Zeugen, das
Parlament wird wohl einen Untersuchungsausschuss einberufen, auch
wenn die ÖVP noch zögert (warum eigentlich?). Vielleicht wird auch
das eine oder andere Gesetz verschärft. Schützt das aber vor der
Absenkung der Standards im öffentlichen Leben und nicht nur dort?
Es würde schon genügen, wieder ein paar Grundsätzen Geltung zu
verschaffen: Nicht alles Erlaubte ist automatisch anständig;
Allgemeingut steht nicht zur freien Entnahme; Gegenleistung ohne
Leistung ist sittenwidrig.
Wolfgang Schüssels Regierung hat wichtige Reformen durchgeführt, eine
Pensionsreform wenigstens versucht, die Doppelgleisigkeit von Polizei
und Gendarmerie beendet, längst überfällige Privatisierungen
umgesetzt. All das droht nun zur Marginalie zu werden. In Erinnerung
bleibt, dass Schüssel ein Kabinett von mutmaßlichen Strauchdieben
angeführt hat. Im günstigsten Fall gesteht man ihm noch zu, davon
nichts geahnt zu haben - auch kein Kompliment für einen
Regierungschef. Es wird Zeit für Schüssel, zu reden.
Dass von all dem politisch ausgerechnet die Partei zu profitieren
scheint, aus der all die dubiosen Figuren hervorgegangen sind, ist
absurd wie ein Sketch von Loriot selig. ****
Rückfragehinweis:
Kleine Zeitung, Redaktionssekretariat, Tel.: 0316/875-4032, 4033, 4035, 4047, mailto:[email protected], http://www.kleinezeitung.at
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