Wenn Einmischung zur Verpflichtung wird (von Michaela Geistler-Quendler)

Ausgabe 26. Aug. 2011

Klagenfurt (OTS) - Über Jahrzehnte hinweg soll ein Vater seine Töchter misshandelt, sexuell missbraucht und zu einem Leben in einer kleinen Stube gezwungen haben - und niemand will Ungewöhnliches auch nur geahnt haben. Zugleich erinnern sich Nachbarn, die zwei Frauen so gut wie nie zu Gesicht bekommen zu haben. Der Mann habe seine Töchter abgeschottet, lautet eine noch um einiges deutlichere Formulierung. Warum?, wäre die logische Frage. Dass sich diese und andere niemand gestellt hat, noch dazu in einer 2400-Seelen-Gemeinde, scheint kaum nachvollziehbar. Aber Fragen aufzuwerfen, heißt den ruhigen Fluss des Alltags zu stören. Ihnen nachzugehen, bedeutet Konfrontation. Als Ausrede dient meist, dass man sich in Privates nicht einmischen will. Und das immer nur dann, wenn eigentlich Einmischung eine Verpflichtung wäre.

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