- 22.08.2011, 10:08:00
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Sonst zahlt sich Verbrechen aus - von Wolfgang Unterhuber
All die Skandale sind eine Schande für Österreich
Wien (OTS) - Was passiert, wenn Sie beim Ladendiebstahl erwischt
werden? Experten können die Antwort auf diese Frage sicher in ihrem
ganzen Facettenreichtum analysieren. Aber eines steht fest: Der Täter
hat ein Problem. Und ist er auch noch renitent, arrogant oder
streitet die Tat gar ab, dann hat er einen Termin. Beim
Bezirksgericht. Nicht irgendwann, sondern binnen Wochen. Damit hier
kein Missverständnis entsteht: Diese Zeilen sollen keine Aufforderung
zu einer strafbaren Handlung sein.
Aber es stellt sich doch die Frage, was geschieht, wenn jemand im
Vergleich dazu ein wenig den Börsekurs seines Unternehmens
manipuliert? Oder wenn man seine Anleger mit dubiosen
Firmenkonstruktionen und Börseprospekten an der Nase herumführt? Oder
wenn jemand mit super-weißer Weste herumstrahlt und gleichzeitig ein
paar Stiftungskonstruktionen zwischen Liechtenstein und Aruba
errichtet?
In Österreich passiert zunächst einmal gar nichts. Bis ein paar böse
Journalisten die ganzen Unschuldsvermutungen zu Papier bringen. Dann
müssen wohl oder übel auch die Justizbehörden zu ermitteln beginnen.
Die Ermittlungen ziehen sich nicht selten über Jahre. Weil die Fälle
komplex sind, weil die Justizapparate unterbesetzt sind und weil die
ganzen Unschuldigen sich im Unterschied zu Ladendieben hervorragende
Anwälte leisten können, die das weite Feld der juristischen
Dehnbarkeit professionell bespielen. Die Causa Libro erstreckte sich
etwa über ein ganzes Jahrzehnt. Und auch ein paar andere prominente
Fälle haben guten Chancen, die derzeitige Justizministerin zu
überdauern. Erinnern Sie sich zum Beispiel noch an Karl Petrikovics -
den Tausendsassa rund um die alte Immofinanz? Im Herbst soll eine
Anklage kommen. Heißt es. Spannend wird auch werden, wie es mit
Karl-Heinz Grasser weitergeht und wie die Entwicklung rund um die
Telekomaffäre verlaufen wird.
Die Mühlen der Justiz mahlen langsam, besagt ein altes Sprichwort.
Das darf aber keine Entschuldigung dafür sein, dass sie hierzulande
besonders langsam mahlen. Den politisch Verantwortlichen ist ja
hoffentlich nicht entgangen, dass wirtschaftliche Skandale und
Affären in diesem Land zu einer Art Dauerzustand geworden sind.
Entsprechend gilt es organisatorisch, personell und budgetär darauf
zu reagieren.
All die Skandale sind eine Schande für Österreich und schädigen
unseren internationalen Ruf. Die Verantwortlichen müssen dafür zur
Rechenschaft gezogen werden. Sonst zahlt sich Verbrechen aus.
Rückfragehinweis:
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