• 17.08.2011, 18:15:31
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Investitionen zahlen sich fast immer aus - von Esther Mitterstieler

Ohne Steuerharmonisierung kein einheitliches Europa

Wien (OTS) - Gleich vorweg: Investitionen zahlen sich aus, wenn
sie in die richtige Richtung gehen. Wohin die Reise gehen soll,
darüber lässt sich trefflich diskutieren. Dass eine Schuldenbremse
europaweit festgeschrieben werden soll, ist eine gute Investition in
unsere Zukunft. Notenbank-Gouverneur Ewald Nowotny legt im Interview
mit dem WirtschaftsBlatt auf Seite 2 noch ein Schäuferl drauf und
fordert, alle staatliche Budgets müssten künftig vorab EU-weit
abgesegnet werden. Das ist keine schlechte Idee, wenn Brüssel sich in
zeitlich realistischem Rahmen bewegt.

Eine europaweite Wirtschaftsregierung kann sicher nicht der Deus ex
machina sein, den viele Politiker damit herbeisehnen. Das Schiff
Europa durch die Stromschnellen der Krise zu steuern, ist nur
möglich, wenn Europa agiler und einheitlicher agiert. Jedes Mitglied
an Bord hat seine Aufgaben zu erledigen. Es gibt einige Mitglieder
der Crew, die aufgrund ihrer Stärke vorangehen sollten. Einen Schritt
in diese Richtung haben Deutschland und Frankreich mit ihrem
Ansinnen, schon 2013 ihre Körperschaftssteuern anzugleichen, gemacht
Weil Geld im Wirtschaftskreislauf das Wichtigste ist, muss man den
Staaten klar machen, dass solche Harmonisierungen langfristig weniger
kosten als an nationalen Einzelwegen festzuhalten ist. Davon sind
auch der Chefökonom der IV und der Chef des Wifo überzeugt, die bei
Gott nicht immer einer Meinung sind (siehe Seite 3).

Bingo: Auch Österreich könnte von einer strafferen und einheitlichen
Führung Europas profitieren. In zehn Jahren wird es die einheitliche
Körperschaftssteuer ohnehin geben. Es macht doch keinen Sinn, sich am
Binnenmarkt durch unterschiedliche Steuersätze unsinnige Konkurrenz
zu machen. Eine Finanztransaktionssteuer könnte es ebenso geben, die
allerdings über Europas Grenzen hinaus wirken müsste. Und auch das
Rätselraten darüber, wie viel welche Bank in welchem Land an
Bankensteuer löhnen muss, hätte sich qua Harmonisierung gelöst.
Unsinnige Steuern wie eine Normverbrauchsabgabe (NoVA) in Österreich
würden zugunsten der Bürger fallen und Dienstabschlüsse anerkannt,
die den Zuzug von Facharbeitern erleichtern würde. Nicht zuletzt
sollte das Pensionsantrittsalter EU-weit gleich geregelt werden. Dazu
passt auch eine einheitliche Zuwanderungspolitik ohne dreimal Green
Card oder Rot-weiß-rot Card oder sonst was zücken zu müssen. Das
Leben in Europa als Traum? Träume sind da, um sie irgendwann zu
leben. In sie zu investieren, zahlt sich langfristig aus.

Rückfragehinweis:
Wirtschaftsblatt Verlag AG
Tel.: Tel.: 01/60117 / 300
mailto:[email protected]

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