WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Cordoba hat in der Wirtschaft keinen Platz - von Esther Mitterstieler

Konjunkturzahlen bieten keinen Grund für Jubel

Wien (OTS) - Es ist wieder einmal erstaunlich, wie schön man sich die Welt reden kann. Quer durch Europa zieht sich eine tiefe Spur der Wachstumsschwäche, aber Österreich hat sich gut behauptet. Österreich wächst und Deutschland steckt fest? Da wurde in Onlineforen einiges in altgewohnter Cordoba-Manier etwas verwegen interpretiert. Nur blöd, dass sich das eingebremste deutsche Wachstum bald auch in Österreich zeigen wird. Weil wir uns nämlich unser schönes Wachstum ohne Deutschland abschminken können. Unser Wachstum fahren wir schließlich im traditionellen Windschatten der deutschen Wirtschaft ein. Also: kein Grund zum Jubeln. Österreich ist im zweiten Quartal um ein Prozent gewachsen, im ersten Quartal waren es 0,8 Prozent. Im Jahresabstand hat sich das Wachstum aber von 4,2 Prozent auf 3,7 Prozent abgeschwächt. In Deutschland ist das BIP-Wachstum von 1,3 Prozent im ersten auf 0,1 Prozent im zweiten Quartal geschrumpft. Auch sonst schaut es bescheiden aus. In Bulgarien gab es ein Plus von 0,1 Prozent, in Spanien, Großbritannien, Tschechien, Litauen und Rumänien waren es gerade einmal 0,2 Prozent, und Frankreich stagniert. Insgesamt erwarten Ökonomen im zweiten Halbjahr noch bescheidenere Aussichten.

Was für Österreich positiv ist: Die Institute halten an den Prognosen von drei Prozent Wachstum im Gesamtjahr fest, bauen dabei aber vor allem auf die Ergebnisse aus dem ersten Halbjahr. Kein Wunder, dass sich auch Topmanager zurückhaltend geben. Noch ist die Auftragslage gut, so der Grundtenor. Aber die Unsicherheit auf den Märkten drückt die Stimmung gewaltig. Gleichzeitig sinken die Investitionen und die Exporte. Was das für die exportgetriebene österreichische Wirtschaft bedeutet, braucht wohl nicht erst beschrieben werden. Aber irgendwie scheint die Hoffnung so trügerisch, dass wir uns vielleicht doch von der großen weiten Welt abkoppeln können. Jetzt ist gefragt, den Knäuel aufzulösen, in dem wir uns befinden. Der IWF mahnt zu Recht:
Wir sollen uns nicht zu Tode sparen. Malen Sie sich einmal aus, was passiert, wenn wir alle nur noch sparen, dann müssen nicht nur Griechenland, Irland oder Italien Insolvenz anmelden, dann sind Deutschland und Österreich an der Reihe. Dann hätten wir die aus der Not entstandene Schicksalsgemeinschaft.

Aber Geldpolitik allein kann die Schuldenkrise nicht lösen. Die Haushalte müssen also konsolidieren. Mit einem klug aufgesetzten Mix von Eurobonds könnte dieser Weg gelingen. Verschenkt werden darf dabei aber gar nichts.

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