Internationaler Kongress: Elite der Glykobiologie-Forschung trifft sich in Wien

Weitreichende Bedeutung für Medizin und Biotechnologie

Wien (OTS) - Vom 21. bis 26. August 2011 findet im Hauptgebäude
der Universität Wien das "21st International Symposium on Glycoconjugates" statt.

Veranstalter sind die Universität für Bodenkultur (BOKU) Wien, die Universität Wien und das Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung. Es werden mehr als 550 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus aller Welt erwartet.

"Ein Schwerpunkt des Symposiums liegt in der Erforschung von Krankheitsursachen und Fehlleistungen von Zellen und Geweben und damit in der Entwicklung präventiver und therapeutische Ansätze", fasst Kongress- Präsidentin Univ.-Prof. Dr. Erika Staudacher vom Department für Chemie (BOKU) zusammen. Glykokonjugate sind auch für biotechnologische Nutzungen von höchstem Interesse, zum Beispiel für die Produktion von Therapeutika für die Humanmedizin, die vom menschlichen "Original" möglichst ununterscheidbar sind.

Ein Großteil aller biologisch aktiven Proteine und viele Lipide sind mit genau definierten Zuckermolekülen verbunden. Diese Glykoproteine und Glykolipide erfüllen vielfältige Funktionen in allen Lebewesen von Bakterien bis zum Menschen sowie in Pflanzen. Eine zentrale Rolle spielen Erkennungs- und Signalübertragungsmechanismen.

Glykoproteine und Glykolipide dienen unter anderem als Rezeptoren für Hormone und andere Stoffe, die ganze Kaskaden von Stoffwechselreaktionen auslösen. Sie erfüllen wichtige Aufgaben innerhalb des Immunsystems, das anhand von Zuckermolekülen auf Zellen zwischen "Selbst" und "Fremd" oder "Gesund" und "Krank" unterscheidet. Dass bösartige Tumore sich ausbreiten können, hat unter anderem damit zu tun, dass diese Erkennungsphänomene und damit die Abwehr nicht richtig funktionieren.

Zahlreiche Krankheitserreger haben Glykoproteine als Andockstellen auserkoren. Die Erforschung dieser Moleküle trägt wesentlich dazu bei, die Infektionsmechanismen aufzuklären und liefert damit Ansatzpunkte für Gegenmaßnahmen. Manche Bakterien und Würmer tarnen sich, indem sie menschliche Glykosylierungsmuster imitieren und entgehen auf diese Weise den Abwehrmechanismen des Immunsystems. Glykoproteine und Glykolipide werden auch mit neurodegenerativen Erkrankungen in Verbindung gebracht, das sind Erkrankungen des Nervensystems, die häufig mit Symptomen wie Demenz und Bewegungsstörungen einhergehen.

Glykoproteine und Glykolipide an Zelloberflächen sind grundsätzlich an Erkennungsreaktionen beteiligt, die für Wachstum und Entwicklung von Lebewesen wichtig sind. So wird zum Beispiel der Zusammenhalt von Geweben, die "richtige" Entwicklung von Organen und die Zielorientierung von lebenswichtigen Substanzen wie Hormonen durch den Zuckeranteil von Glyko-Molekülen mitbestimmt.

Bei der Eröffnung des Symposiums am 21. August, 15 h, wird Prof. Harry Schachter für seine Verdienste um den Aufbau der glykobiologischen Forschung an der BOKU mit dem Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst I. Klasse ausgezeichnet. Prof. Schachter wurde in Wien geboren, 1938 zur Auswanderung gezwungen und lehrt heute an der Universität Toronto in Kanada.

Kongressprogramm/Anmeldung/Abstracts: http://www.glyco21.org

Rückfragen & Kontakt:

Ao. Univ.-Prof. Dr. Erika Staudacher
Univ.-Prof. Dr. Leopold März
Universität für Bodenkultur, Department für Chemie
Muthgasse 18, 1190 Wien
Telefon: +43 1 47654-6063 bzw. 6051
Mail: erika.staudacher@boku.ac.at bzw. leopold.maerz@boku.ac.at

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