• 10.08.2011, 09:01:00
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Geschäftsklima in Mittelosteuropa verschlechtert sich

Direktinvestoren schrauben Erwartungen an die künftige Performance ihrer MOE-Beteiligungen zurück / Konjunkturaussichten für die Region trüben sich ein

Wien (OTS) - In der im Juli 2011 durchgeführten Erhebung zum
Thomson Reuters & OeKB Geschäftsklima-Index Mittelosteuropa wird
erstmals seit April 2009 eine Verschlechterung des Geschäftsklimas in
der Region festgestellt. Eine Abschwächung der Aufwärtsdynamik beim
entsprechenden Indikator wurde allerdings schon in der vorhergehenden
Erhebung vom April 2011 beobachtet. Zudem haben sich nach
Einschätzung der befragten Direktinvestoren die Konjunkturaussichten
für die Mehrzahl der beobachteten Länder Mittelosteuropas eingetrübt.

Mit dem derzeitigen Geschäftsgang ihrer Betriebe in
Mittelosteuropa zeigen sich die rund 400 MOE-Headquarters, die von
Österreich aus ihre 1.400 Unternehmensbeteiligungen in der Region
steuern, insgesamt zufrieden, auch wenn der entsprechende Indikator
um 1 Prozentpunkt zurückgeht: Für 43 % der Niederlassungen vor Ort
wird die momentane Situation als positiv eingestuft, während für nur
14 % der Betriebe eine schlechte Performance gemeldet wird. Deutlich
pessimistischer als im April bewerten die Direktinvestoren hingegen
die Geschäftsaussichten ihrer MOE-Niederlassungen für die kommenden
sechs Monate: Der Indikator der Geschäftserwartungen sinkt im Juli um
8 Prozentpunkte auf einen aktuellen Wert von +31. Schon in der
April-Erhebung hatte der Indikator leicht nachgegeben. Insgesamt
trübt sich das Geschäftsklima in der Region, welches sich aus der
Aktuellen Geschäftslage und den Geschäftserwartungen zusammensetzt,
ein: Der entsprechende Indikator fällt um 5 Prozentpunkte auf +30 und
liegt damit derzeit nur knapp über seinem langfristigen
Durchschnittswert (2007-2011) von +29.

Zur Grafik auf www.oekb.at:
http://www.ots.at/redirect/Infografik1

Konjunkturindikator abermals gesunken

Vorsichtiger als noch vor drei Monaten sind die Direktinvestoren
im Juli 2011 auch hinsichtlich der makroökonomischen Perspektiven für
Mittelosteuropa: Nachdem schon im April ein leichter Rückgang des
Konjunktur-Indikators um 2 Prozentpunkte beobachtet wurde, beträgt
das Minus in der aktuellen Erhebung 4 Prozentpunkte. Dies deutet auf
eine Abschwächung der Wachstumsdynamik in der Region in den kommenden
zwölf Monaten hin. Entsprechend der vorsichtigeren Einschätzung des
volkswirtschaftlichen Umfelds in Mittelosteuropa und den gesunkenen
Geschäftserwartungen signalisieren die Direktinvestoren eine
geringere Bereitschaft, neue Märkte zu erobern. Waren im April 2011
noch 54 Markteintrittsprojekte - d.h. Gründungen neuer Beteiligungen
in Ländern, in denen noch keine Niederlassung besteht - geplant,
sinkt die Zahl im Juli auf 39. Davon entfällt mit derzeit 9 geplanten
Neu-Investitionsprojekten fast ein Viertel auf Serbien Montenegro
(Serbien, Montenegro und Kosovo werden aus statistischen Gründen zu
einer Region zusammengefasst). Der Indikator der
Erweiterungsinvestitionen, der die Bereitschaft der
Erhebungsteilnehmer, bereits bestehende Niederlassungen aus- bzw.
abzubauen, misst, kann indes sein Niveau vom April halten. Dies zeigt
insgesamt, dass die Direktinvestoren weiterhin stark in der Region
Mittelosteuropa verankert bleiben wollen, sich aber beim Eintritt in
neue Märkte im Vergleich zum April etwas vorsichtiger verhalten.

Zuversicht für Kroatien steigt im Licht des geplanten EU-Beitritts
Vergleicht man die Entwicklungen auf Länderebene, sticht in der
aktuellen Erhebung Kroatien sehr positiv hervor. Im Kontext des
erfolgreichen Abschlusses der EU-Beitrittsverhandlungen im Juni 2011
bewerten die Direktinvestoren die Konjunkturaussichten für Kroatien
erheblich positiver als im April. So steigt der Konjunktur-Indikator
im Juli 2011 um 22 Prozentpunkte, während für die meisten anderen
analysierten mittelosteuropäischen Länder der Konjunktur-Indikator
sinkt. Auch das Geschäftsklima im Land hat sich deutlich aufgehellt:
Der entsprechende Indikator steigt um 7 Prozentpunkte auf einen
aktuellen Wert von +23. Dieser Aufwärtsentwicklung liegen sowohl die
gestiegene Zufriedenheit der Direktinvestoren mit der derzeitigen
Performance der Niederlassungen vor Ort, als auch die deutlich
verbesserten Geschäftsaussichten zu Grunde. Trotz der großen Zuwächse
liegen allerdings die genannten Indikatorwerte für Kroatien teilweise
immer noch unterhalb der Vergleichswerte für die Gesamtregion MOE und
sind vor dem Hintergrund einer niedrigen Ausgangsbasis zu bewerten.

Eintrübung des Geschäftsklimas in Polen und Slowenien
Die stärkste Abkühlung des Geschäftsklimas wird im Juli 2011 für
Polen und Slowenien festgestellt: Die entsprechenden Indikatoren
sinken für beide Länder um jeweils 10 Prozentpunkte. Während
allerdings das Geschäftsklima in Polen mit einem Indikator-Wert von
+48 weiterhin vergleichsweise günstig beurteilt wird (und über dem
langfristigen Durchschnittswert von +41 liegt), wird die Situation in
Slowenien von den Direktinvestoren kritischer eingeschätzt: So
erreicht der Geschäftsklima-Indikator nach dem zweiten Rückgang in
Folge lediglich einen Wert von +19, liegt damit deutlich unter dem
MOE-Durchschnitt und ist damit auch niedriger als der langfristige
Durchschnitt für das Land selbst (+33). Dabei wirken sich aus Sicht
der Direktinvestoren - neben der verschlechterten Aktuellen
Geschäftslage der Betriebe vor Ort - vor allem die gesunkenen
Geschäftserwartungen negativ auf das Geschäftsklima in Slowenien aus.
Auch in Bezug auf die Konjunkturaussichten für das Land zeigen sich
die Erhebungsteilnehmer merklich vorsichtiger als noch im April: Der
entsprechende Indikator für Slowenien sinkt um 13 Prozentpunkte und
weist mit +12 den derzeit niedrigsten Wert für alle beobachteten
Länder auf.

Sachgütererzeugung fällt zurück

In einer branchenweisen Betrachtung fällt auf, dass die
Direktinvestoren im Juli vor allem für die verarbeitende Industrie
ihre Geschäftserwartungen deutlich zurück nehmen. Auch die Aktuelle
Geschäftslage wird etwas schlechter beurteilt (der Indikator sinkt um
5 Prozentpunkte), so dass es zu einer deutlichen Abkühlung des
Geschäftsklimas kommt: Der entsprechende Indikator fällt um 11
Prozentpunkte gegenüber April, als der Sektor im Branchenvergleich
noch das beste Geschäftsklima aufwies. Die Erhebungsteilnehmer
bewerten allerdings nicht nur die betriebswirtschaftliche Performance
ihrer Industriebeteiligungen in Mittelosteuropa vorsichtiger, sie
sind auch bei der Beurteilung der makroökonomischen Perspektive für
die Region zurückhaltender. Dementsprechend ist auch die
Investitionsbereitschaft der Direktinvestoren aus der
Sachgütererzeugung gesunken, sowohl was den Eintritt in neue Märkte,
als auch was Investitionen in bestehende Beteiligungen
(Erweiterungsinvestitionen) betrifft.

Unterschiedliche Entwicklung bei Finanzdienstleistungssparten

Uneins zeigt sich im Juli der Finanzsektor bei der Bewertung des
Geschäftsklimas. Während für die Banken ein - wenn auch sehr geringer
- Anstieg des Geschäftsklima-Indikators von 1 Prozentpunkt
festgestellt werden kann, sinkt der entsprechende Indikator für die
Versicherungsbranche mit 10 Prozentpunkten deutlich. Damit ist das
Geschäftsklima im Bankensektor erstmals seit Oktober 2009 wieder
besser als in der Versicherungsbranche. Auf Seiten der Versicherer
trübt vor allem die merklich schlechtere aktuelle Performance der
Niederlassungen vor Ort das Bild: Mit einem Rückgang um17
Prozentpunkte gegenüber April sinkt der Indikator der Aktuellen
Geschäftslage auf einen Wert von +26 und liegt damit weit unter
seinem langfristigen Durchschnitt von +50. Im Bankwesen bleibt die
Aktuelle Geschäftslage der MOE-Beteiligungen nach Einschätzung der
Direktinvestoren per Saldo hingegen unverändert bei einem
Indikatorwert von +36. Hinsichtlich der Geschäftserwartungen steigt
der Optimismus der Banken, der sich mit einem Zuwachs des
Indikatorwerts um 5 Prozentpunkte im April bereits abgezeichnet hat,
weiter an. Die Versicherungsbranche hingegen bewertet ihre
Geschäftsperspektiven nun etwas vorsichtiger als im April: Der
Indikatorwert der Geschäftserwartungen sinkt um 3 Prozentpunkte.

Der Thomson Reuters & OeKB Geschäftsklima-Index Mittelosteuropa
(MOE) basiert auf vierteljährlichen Primärerhebungen unter rund 400
Entscheidungsträgern von MOE-Headquarters mit Sitz in Österreich, die
zu rund 1.400 ihrer Unternehmensbeteiligungen in Mittelosteuropa
befragt werden. Erhoben werden die Einschätzungen der
Direktinvestoren zur Aktuellen Geschäftslage sowie deren Erwartungen
hinsichtlich der Geschäftsentwicklung in den
Unternehmensbeteiligungen vor Ort (Geschäftsklima), Expansions- und
Investitionsstrategien der Unternehmen in MOE, Beurteilungen der
Standortqualität Österreichs als Brückenkopf für das
Mittelosteuropa-Geschäft und schließlich Einschätzungen zur
allgemeinen Wirtschaftsentwicklung in der Region.
Der Thomson Reuters & OeKB Geschäftsklima-Index Mittelosteuropa
bietet differenzierte Analysen nach Ländern, Branchen und
Unternehmensgrößen. Als Ergebnis stehen der Wirtschaft
Frühindikatoren zur Verfügung, die praxisnahe Aussagen und Prognosen
u.a. über den Geschäftserfolg von Direktinvestoren in einzelnen
Ländern Mittelosteuropas bzw. in der Gesamtregion ermöglichen.

Rückfragehinweis:

Mag. Wolfgang Lueghammer
   Oesterreichische Kontrollbank AG (OeKB) 
   Information Services
   Tel. +43 1 531 27-2568
   [email protected]
   
   Mag. Verena Ebner
   Oesterreichische Kontrollbank AG (OeKB) 
   Information Services
   Tel. +43 1 531 27-2560
   [email protected]

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