WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Unser Wohlstand steht auf dem Spiel - von Jochen Hahn

Die Politik verkriecht sich und frönt weiter ihrer Inkompetenz

Wien (OTS) - Die Fluchtbewegung des Kapitals wird zum Megatrend, denn das System ist schwer krank und die EZB lässt sich infizieren. Und was macht die Politik? Sie verkriecht sich und frönt ihrer Inkompetenz - zumindest in Europa. Und das zum denkbar gefährlichsten Zeitpunkt. Die Führungseliten schieben jegliche Verantwortung auf die EZB und lassen Jean-Claude Trichet die Verschuldungs-Suppe alleine auslöffeln.

Das am Montag von der EZB gestartete Kaufprogramm für spanische und italienische Anleihen ist ein Gelddruckprogramm der Sonderklasse. Es ist nämlich nicht daran gedacht, dass der Euro-Rettungsfonds die "Staats-Junk-Bonds" übernimmt. Die EZB verlängert nach Belieben ihre Bilanz. Darüber freut sich die Gegenseite dieses Geschäfts hämisch:
In Banken, Versicherungen und Pensionsfonds reibt man sich in diesem Moment die Hände. Aus Problemassets wird plötzlich Cash. So einfach ist das in der Euro-Zauberwelt. Die politische Lösung - Euro-Bonds -wird von der Populismuskeule der Politik derweil erschlagen.

Allerdings ist es ein Trugschluss, wenn man daraus ableitet, dass das neue Geld inflationserhöhend wirken wird. Das Gegenteil ist nämlich der Fall. Die Fluchtbewegung aus risikoreichen Assets führt dazu, dass Cash gehortet oder in sicheren Häfen unproduktiv abgelegt wird. Der Wirtschaftskreislauf sieht davon keinen Cent. Daraus entwickelt sich kein Wachstum, keine Inflation, sondern rezessive Deflation.

Was wir in den vergangenen zwölf Monaten erlebt haben, war lediglich eine Sachinflation, die keinerlei Lohneffekte ausgelöst hat. Diese Sachinflation löst sich durch den Crash an den Aktienmärkten gerade in Luft auf. Im Sog geht's auch den Rohstoffpreisen an den Kragen:
Der Ölpreis verliert massiv.

Manager können dem wilden Absturz-Treiben wieder einmal wenig abgewinnen. Sie verstehen wie schon 2008 die Welt nicht mehr. Schließlich sind die Auftragsbücher zum Bersten gefüllt. Wir wissen, was als nächstes kommt...

Es gibt aber einen massiven Unterschied zu 2008, und der macht etwas Hoffnung. Die Unternehmen haben im Gegensatz zur Politik ihre Hausaufgaben gemacht. Sie haben sich weitgehend entschuldet und arbeiten effizienter denn je. Daher sitzen sie auf einem enormen Haufen Cash. Das gibt Luft in Krisenzeiten und macht Pleiten unwahrscheinlicher.

Der Ball liegt also bei der Politik und es bleibt als Schlusssatz nur ein Aufruf: Wacht endlich auf und arbeitet an einer großen Lösung für Europa, denn unser Wohlstand steht auf dem Spiel!

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