• 09.08.2011, 18:15:33
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Unser Wohlstand steht auf dem Spiel - von Jochen Hahn

Die Politik verkriecht sich und frönt weiter ihrer Inkompetenz

Wien (OTS) - Die Fluchtbewegung des Kapitals wird zum Megatrend,
denn das System ist schwer krank und die EZB lässt sich infizieren.
Und was macht die Politik? Sie verkriecht sich und frönt ihrer
Inkompetenz - zumindest in Europa. Und das zum denkbar gefährlichsten
Zeitpunkt. Die Führungseliten schieben jegliche Verantwortung auf die
EZB und lassen Jean-Claude Trichet die Verschuldungs-Suppe alleine
auslöffeln.

Das am Montag von der EZB gestartete Kaufprogramm für spanische und
italienische Anleihen ist ein Gelddruckprogramm der Sonderklasse. Es
ist nämlich nicht daran gedacht, dass der Euro-Rettungsfonds die
"Staats-Junk-Bonds" übernimmt. Die EZB verlängert nach Belieben ihre
Bilanz. Darüber freut sich die Gegenseite dieses Geschäfts hämisch:
In Banken, Versicherungen und Pensionsfonds reibt man sich in diesem
Moment die Hände. Aus Problemassets wird plötzlich Cash. So einfach
ist das in der Euro-Zauberwelt. Die politische Lösung - Euro-Bonds -
wird von der Populismuskeule der Politik derweil erschlagen.

Allerdings ist es ein Trugschluss, wenn man daraus ableitet, dass das
neue Geld inflationserhöhend wirken wird. Das Gegenteil ist nämlich
der Fall. Die Fluchtbewegung aus risikoreichen Assets führt dazu,
dass Cash gehortet oder in sicheren Häfen unproduktiv abgelegt wird.
Der Wirtschaftskreislauf sieht davon keinen Cent. Daraus entwickelt
sich kein Wachstum, keine Inflation, sondern rezessive Deflation.

Was wir in den vergangenen zwölf Monaten erlebt haben, war lediglich
eine Sachinflation, die keinerlei Lohneffekte ausgelöst hat. Diese
Sachinflation löst sich durch den Crash an den Aktienmärkten gerade
in Luft auf. Im Sog geht's auch den Rohstoffpreisen an den Kragen:
Der Ölpreis verliert massiv.

Manager können dem wilden Absturz-Treiben wieder einmal wenig
abgewinnen. Sie verstehen wie schon 2008 die Welt nicht mehr.
Schließlich sind die Auftragsbücher zum Bersten gefüllt. Wir wissen,
was als nächstes kommt...

Es gibt aber einen massiven Unterschied zu 2008, und der macht etwas
Hoffnung. Die Unternehmen haben im Gegensatz zur Politik ihre
Hausaufgaben gemacht. Sie haben sich weitgehend entschuldet und
arbeiten effizienter denn je. Daher sitzen sie auf einem enormen
Haufen Cash. Das gibt Luft in Krisenzeiten und macht Pleiten
unwahrscheinlicher.

Der Ball liegt also bei der Politik und es bleibt als Schlusssatz nur
ein Aufruf: Wacht endlich auf und arbeitet an einer großen Lösung für
Europa, denn unser Wohlstand steht auf dem Spiel!

Rückfragehinweis:
Wirtschaftsblatt Verlag AG
Tel.: Tel.: 01/60117 / 300
mailto:[email protected]

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