- 08.08.2011, 09:58:45
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Der Punkt, auf dem wir stehen, brennt lichterloh - von Hans Weitmayr
Nach dem Verlust des AAA für die USA wird der Druckauf Europa unerträglich
Wien (OTS) - An dieser Stelle wollen wir hier und heute die gute
Absicht unterstellen. Wir wollen unterstellen, dass all die Warnungen
gehört und verstanden wurden. Auch die, die ebenfalls hier, an dieser
Stelle erfolgten: Die Rufe, dass die Krise von 2008 nicht
ausgestanden sei, dass man sich wappnen müsse. Dass die nächste Welle
schlimmer sein und angesichts fiskal erschöpfter Staaten noch
brutaler über uns hereinbrechen würde als vor drei Jahren, damals,
als die größte Rezession der Nachkriegszeit über die Welt schwappte.
Wir wollen also davon ausgehen, dass die verantwortlichen Personen
diese Warnungen ernst genommen und nicht ignoriert haben. Dass sie
sich nicht satt zurückgelehnt, die Finger über den Bäuchen
verschränkt und gegenseitig freundlich gratulierend zugezwinkert
haben.
Wir wollen annehmen, dass ihnen die Dringlichkeit der Situation
bewusst war und dass sie sich einfach verkalkuliert hatten. Dass sie
dachten, sie hätten mehr Zeit, um die Nachwehen der Finanzkrise zu
verdauen, die Konjunkturpakete wirken zu lassen, Defizite abzubauen,
und - im konkreten Fall - Europa wieder auf Kurs zu bringen. Wir
wollen unterstellen dass nicht politische Feigheit es war, die zu
einem Diskussionsverbot über ein Herausschälen Griechenlands aus der
Euro-Zone geführte hat. Wir wollen also - trotz gegenteiliger
Beweislage - darauf hoffen, dass in der europäischen Politik ein Rest
von Kompetenz, ein Rest von Vernunft herrscht. Und dass dieser in dem
winzigen Zeitfenster zum Tragen kommt, das uns bleibt, bevor der
Europäische Rettungsfonds unter der finalen Jagd - nicht Attacke -
der Märkte auf Itailien implodiert.
Denn nachdem die USA ihr AAA verloren haben, wird der Druck der
Märkte auf alles was riskant erscheint, unerträglich werden. Renditen
auf spanische und italienische Anleihen werden die
Refinanzierungskosten dieser Länder auf untragbare Höhen
katapultieren. Bis dahin muss man sich endlich entscheiden, was man
will: Einen europäischen Staat mit gemeinsamer Wirtschafts- und
Finanzpolitik, für den als erster Schritt massiv Euro-Anleihen auf
den Markt geworfen werden. Oder ein Weg, der die Peripherie aus der
Eurozone herausschneidet und die jeweiligen abgewerteten Währungen in
einen Warteraum zurückschickt. Lösung eins wäre ein Schritt vorwärts.
Lösung zwei einer zurück. Der Autor dieser Zeilen versteigt sich
nicht dazu, behaupten zu können, welcher Schritt der richtige ist.
Tatsache ist aber, dass man sich bewegen muss. Vor oder zurück.
Jetzt. Denn der Punkt, auf dem wir gerade alle stehen, brennt
lichterloh.
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