"KURIER"-Kommentar von Karin Leitner: "Doppelmoral"

Dass die ÖVP Nein zu Abtreibungen in allen Ländern sagt, ist unverständlich.

Wien (OTS) - Mut zum Kind" - diese Parole hatte schon Wolfgang Schüssel als ÖVP-Chef ausgegeben. Jetzt wird sie wieder bemüht. Im Zusammenhang mit einer vom Gesundheitsminister ausgelösten Debatte. Alois Stöger möchte, dass Abtreibungen fortan auch in öffentlichen Spitälern in Tirol, Vorarlberg und dem Burgenland möglich sind; derzeit müssen ja Frauen aus diesen Regionen in andere Bundesländer fahren.
Mit uns nicht, rufen führende Männer in der ÖVP. Ein falsches Signal sei das, die Familie müsse aufgewertet werden. Und: Abtreibung sei keine staatliche Aufgabe. Sollten es die schwarzen Herren vergessen haben: Seit 1975 sind Schwangerschaftsabbrüche straffrei ("Fristenlösung"). Aus gutem Grund: Keine Frau sollte sich mehr genötigt sehen, zu einer Engelmacherin zu gehen. Leichtfertig entscheidet sich auch heute keine Schwangere für einen solchen, auch seelisch belastenden Eingriff.
Beim Jugendschutz drängt ÖVP-Familienminister Mitterlehner darauf, die unterschiedlichen Bundesländer-Regeln zu vereinheitlichen. Tiroler Jugendliche sollen nicht anders behandelt werden als jene aus Wien. Warum muss dann eine Tirolerin für eine legale Abtreibung nach Salzburg fahren? Das klingt nach Doppelmoral. Mut zur Abtreibung wird ja niemandem gemacht.

Rückfragen & Kontakt:

KURIER, Innenpolitik
Tel.: (01) 52 100/2649
innenpolitik@kurier.at
www.kurier.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PKU0001