• 01.08.2011, 18:15:30
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Good Luck, Mister President - von Hans-Jörg Bruckberger

Schulden hin oder her - Arbeitslose könnten Obama den Job kosten

Wien (OTS) - Danke, Obama", "Billionen-Deal geschafft",
"Zahlungsunfähigkeit der USA abgewendet", "Happy End im
Schuldenstreit". Die medialen Reaktionen waren eindeutig und auch die
Börsen reagierten nach dem Wochenende positiv auf den Kompromiss
zwischen US-Präsident Barack Obama und dem Kongress. Nun kann man
darüber diskutieren, wie erfreulich eine angehobene Schuldengrenze an
sich sein kann. Und auch die Tatsache, dass den USA nun ein hartes
Sparpaket bevorsteht, ist ein zweischneidiges Schwert: Dringend
notwendig zwar, keine Frage. Aber für den Einzelnen und die gesamte
Volkswirtschaft auch nicht gerade ein Stimmungsmacher. Noch dazu, wo
die Ökonomie ohnehin schon in den Seilen hängt und zu zwei Drittel
vom Konsum abhängig ist.

Dabei steht Obama die größte Herausforderung noch bevor: die
Präsidentschaftswahl 2012. Die wirtschaftliche Befindlichkeit des
Landes ist immer der Knackpunkt. Denken die Wähler, dass die Zeiten
zwar hart sind, aber der Präsident, der ein Chaos übernommen hat,
einen guten Job macht? Oder finden sie, dass Obama gescheitert ist,
weil die Wirtschaft nicht in die Gänge kommt?

Darüber wird die konjunkturelle Entwicklung in den nächsten Monaten
entscheiden. Von zentraler Bedeutung ist die Arbeitslosenrate, die
mit über neun Prozent viel zu hoch ist. Seit dem Zweiten Weltkrieg
wurde nur ein Präsident trotz einer hohen Arbeitslosenrate
wiedergewählt: Ronald Reagan 1984. Damals lag die Arbeitslosenquote
bei 7,2 Prozent und war im Fallen begriffen. Jimmy Carter und George
Bush senior wurden mit Werten über sieben abgewählt. Und in den 40
Jahren vor Reagans Erdrutschsieg lag die Latte gar nur bei knapp über
fünf Prozent - war die Arbeitslosenrate höher, konnte ein Amtsinhaber
nicht auf Wiederwahl hoffen.

So gesehen schaut es für Obama schlecht aus. Womöglich ist aber auch
die Toleranz der Wähler größer als je zuvor. Jedenfalls muss Obama
bis zur Wahl Fortschritte erzielen. Die Wirtschaft muss wieder
deutlich wachsen, die Arbeitslosenquote zumindest Richtung acht
Prozent sinken. Nur dann hat er eine Chance. Das macht wenigstens
Hoffnung für die Börsen: Im Jahr vor der Wahl, dem dritten einer
Präsidentschaft, hat der Dow Jones seit 1896 meist stark performt und
im Schnitt zwölf Prozent zugelegt. So gesehen sind in den restlichen
fünf Monaten 2011 noch satte sieben Prozent drin. Freilich stehen
normalerweise Steuererleichterungen als Wahlzuckerl auf dem Programm.
Und keine Sparpakete.

Rückfragehinweis:
Wirtschaftsblatt Verlag AG
Tel.: Tel.: 01/60117 / 300
mailto:[email protected]

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