WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Good Luck, Mister President - von Hans-Jörg Bruckberger

Schulden hin oder her - Arbeitslose könnten Obama den Job kosten

Wien (OTS) - Danke, Obama", "Billionen-Deal geschafft", "Zahlungsunfähigkeit der USA abgewendet", "Happy End im Schuldenstreit". Die medialen Reaktionen waren eindeutig und auch die Börsen reagierten nach dem Wochenende positiv auf den Kompromiss zwischen US-Präsident Barack Obama und dem Kongress. Nun kann man darüber diskutieren, wie erfreulich eine angehobene Schuldengrenze an sich sein kann. Und auch die Tatsache, dass den USA nun ein hartes Sparpaket bevorsteht, ist ein zweischneidiges Schwert: Dringend notwendig zwar, keine Frage. Aber für den Einzelnen und die gesamte Volkswirtschaft auch nicht gerade ein Stimmungsmacher. Noch dazu, wo die Ökonomie ohnehin schon in den Seilen hängt und zu zwei Drittel vom Konsum abhängig ist.

Dabei steht Obama die größte Herausforderung noch bevor: die Präsidentschaftswahl 2012. Die wirtschaftliche Befindlichkeit des Landes ist immer der Knackpunkt. Denken die Wähler, dass die Zeiten zwar hart sind, aber der Präsident, der ein Chaos übernommen hat, einen guten Job macht? Oder finden sie, dass Obama gescheitert ist, weil die Wirtschaft nicht in die Gänge kommt?

Darüber wird die konjunkturelle Entwicklung in den nächsten Monaten entscheiden. Von zentraler Bedeutung ist die Arbeitslosenrate, die mit über neun Prozent viel zu hoch ist. Seit dem Zweiten Weltkrieg wurde nur ein Präsident trotz einer hohen Arbeitslosenrate wiedergewählt: Ronald Reagan 1984. Damals lag die Arbeitslosenquote bei 7,2 Prozent und war im Fallen begriffen. Jimmy Carter und George Bush senior wurden mit Werten über sieben abgewählt. Und in den 40 Jahren vor Reagans Erdrutschsieg lag die Latte gar nur bei knapp über fünf Prozent - war die Arbeitslosenrate höher, konnte ein Amtsinhaber nicht auf Wiederwahl hoffen.

So gesehen schaut es für Obama schlecht aus. Womöglich ist aber auch die Toleranz der Wähler größer als je zuvor. Jedenfalls muss Obama bis zur Wahl Fortschritte erzielen. Die Wirtschaft muss wieder deutlich wachsen, die Arbeitslosenquote zumindest Richtung acht Prozent sinken. Nur dann hat er eine Chance. Das macht wenigstens Hoffnung für die Börsen: Im Jahr vor der Wahl, dem dritten einer Präsidentschaft, hat der Dow Jones seit 1896 meist stark performt und im Schnitt zwölf Prozent zugelegt. So gesehen sind in den restlichen fünf Monaten 2011 noch satte sieben Prozent drin. Freilich stehen normalerweise Steuererleichterungen als Wahlzuckerl auf dem Programm. Und keine Sparpakete.

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