- 01.08.2011, 10:09:57
- /
- OTS0055 OTW0055
WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Am wichtigsten ist das Rating in den Köpfen - von Andre Exner
Die Märkte haben kein Gedächtnis, die Staatsbürger aber schon
Wien (OTS) - Wie wär's mit einer Quizfrage? Von welchem Politiker
stammt folgendes Zitat: "Unserem Land geht es gut, wir haben stabile
Finanzen und wir sind stolz auf unser Triple A-Rating." Gut, es war
eine Fangfrage. So etwas sagt jeder Staatsmann gerne. Zwar waren das
die Worte von Bundeskanzler Werner Faymann nach der Budgetklausur in
Loipersdorf im April, doch das gleiche Statement verließ auch schon
einmal den Mund des spanischen Premiers Jose Zapatero und seines
irischen Amtskollegen Brian Cowen - vor dem Jahr 2009. Heute ist
Cowen weg, Zapatero wird nie wieder Spitzenkandidat seiner Partei
sein und das AAA-Rating von Spanien und Irland ist Geschichte. Der
keltische Tiger wurde von den Rating-Agenturen schon längst
verramscht, Spanien ist zwar noch "Investment Grade", doch just vor
dem Wochenende stellte Moody's Madrid die Rute ins Fenster. Nicht
einmal das aktuelle "Aa2", zwei Stufen hinter der Höchstnote AAA, ist
noch sicher.
Insofern ist auch die Aussage von Regierungschef,
Wirtschaftsforschern wie IHS-Chef Bernhard Felderer und jetzt der
Bundesfinanzierungsagentur-Geschäftsführerin Martha Oberndorfer,
unser Triple A sei sehr gut abgesichert, ins Reich der Fabeln zu
verweisen. Gerade die jüngste Diskussion um die ebenfalls
topgerateten Länder Frankreich und die USA beweist, dass keine
Höchstnote in Stein gemeißelt sein kann.
Im Gegenteil: Überlässt Österreich seine strukturellen Problemzonen
wie Pensionssystem und Bildungswesen weiter sich selbst oder bricht
gar eine Osteuropa-Krise Teil zwei aus, ist unser Triple A schneller
entzogen als man "Bankenrettungspaket" sagen kann.
Und noch wichtiger als das Rating durch die "Großen Drei" ist das
Rating in den Köpfen. Erinnern wir uns: Auch in Griechenland
eskalieren die Probleme, seit die breitangelegte Kapitalflucht ins
Ausland einsetzte. Denn egal, wo das Rating steht: Wenn die
Staatsbürger ihr Erspartes lieber ins Ausland transferieren, ist es
um ein Land geschehen. Die Märkte haben kein Gedächtnis, die Gunst
der internationalen Investorengemeinde kann man daher viel leichter
wiedergewinnen als das Vertrauen der eigenen Bürger. Und das
Vertrauen des Auslands ist immer erst dann weg, wenn die Hoffnung im
Land selbst längst schon verloren ist. Insoferne ist unser AAA zwar
(noch) erfreulich - aber jede Meldung, Österreicher würden Gold
horten oder ihr Vermögen in die Schweiz transferieren, sollte die
Alarmglocken am Ballhausplatz genauso schnell läuten lassen wie die
Warnungen von Moody's, Fitch und Standard&Poor's.
Rückfragehinweis:
Wirtschaftsblatt Verlag AG
Tel.: Tel.: 01/60117 / 300
mailto:[email protected]
OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | PWB






