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"Kleine Zeitung" Kommentar: "Die ferngesteuerte Orgel" (Von Hubert Patterer)
Ausgabe vom 31.07.2011
Graz (OTS) - Gestern war Samstagabend, das war einmal was. Das
Fernsehprogramm war in der Regel so, dass die Zusammenführung der
Generationen glückte. Heute gelingt das nur noch selten. Das hat mit
den Generationen und den Fliehkräften zu tun, aber auch mit dem
öffentlich-rechtlichen Elend, das die Fliehkräfte befördert. Gestern
Abend liefen auf ORF 1 zwei amerikanische Abspielserien namens Mein
cooler Onkel Charlie: Der Furzmeister und Mein cooler Onkel Charlie:
Brustfrust. Dann folgten zwei US-Serien namens How I Met Your Mother:
Von Tänzern und Tauben und, wenig später, How I Met Your Mother: Die
Kürbis-Schlampe. ORF 2, der Kanal für ästhetische Erziehung, sendete
ein Medley mit Auftritten heimischer Gilden.
Das Beispiel ist ein Sinnbild für die närrische Not, in der sich der
ORF an der Schwelle zur Ära Wrabetz II befindet. So assimiliert man
sich im Schau-Kampf mit den Privaten zu Tode, so verunmöglicht man
-Ö1 und FM4 sind kleine, feine Leuchttürme - Unterscheidbarkeit und
Profil, und: So untergräbt man die Existenzberechtigung als
Bezahl-Medium.
Wrabetz ist ein hochanständiger, fähiger Kaufmann, der das bedrohte
Unternehmen operativ aus den roten Zahlen geführt hat, aber seine
Hypothek ist und bleibt der Umstand, dass er über keine
publizistische Identität verfügt, über keinen inneren Auftrag, der
mit dem äußeren, dem öffentlich-rechtlichen, schöpferisch in
Beziehung treten könnte.
Es ist gut, dass ein kleines Land, in das der gleichsprachige Nachbar
massiv mit Trash und Qualität hineinstrahlt, eine eigenständige
mediale Klammer besitzt, einen emotionalen, geistigen
Identitätsanker, der der Segmentierung der Gesellschaft
entgegenwirkt. Wenn schon Staatsorgel, dann eine, die den Diskurs des
Landes über sich und seine Möglichkeiten orchestriert. Der ORF muss
eine Idee von sich haben, er muss ein Haltungs- und Charaktermedium
sein, das den Leuten erklärt, warum das Land den ORF als Atoll im
digitalen Ozean braucht. Das gelingt weder dem politisch designierten
neuen, alten Generaldirektor noch seinem Programm und schon gar nicht
der Politik.
Weil sie keine Ansprüche an sich stellt, stellt sie auch keine an die
Führung des ORF und deren Wahl, sondern inszeniert diese als Farce.
Weil sie keine zukunftsgerichtete Idee vom Staat hat, hat sie auch
keine vom staatlichen Medium und seiner Bedeutung bei der Herstellung
von Öffentlichkeit. Die einzige Idee, die die Politik vom ORF hat,
ist eine machtpolitische. Alexander Wrabetz muss sich fragen, was es
heißt, Auserwählter dieser Art von Politik zu sein. Schmerzfrei ist
die Introspektion nicht möglich.****
Rückfragehinweis:
Kleine Zeitung, Redaktionssekretariat, Tel.: 0316/875-4032, 4033, 4035, 4047, mailto:[email protected], http://www.kleinezeitung.at
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