• 27.07.2011, 18:15:31
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Banken offenbaren Doppelmoral - von Christian Kreuzer

Austro-Banken sollen sich an Griechenland-Hilfe beteiligen

Wien (OTS) - Österreichs Banken zögern noch, ob sie sich an der
freiwilligen Rettungsaktion für Griechenland beteiligen wollen. Diese
Haltung ist bedenklich, offenbart sie doch eine gewisse Doppelmoral.
Vor zwei Jahren, als die Finanzkrise am Höhepunkt war und viele von
einem Kollaps in Osteuropa ausgingen (der sich Gott sei Dank nicht
bewahrheitet hat), appellierten die Banker noch an die europäische
Solidarität. Es wurde versucht, Allianzen zu schmieden, um den
osteuropäischen Volkswirtschaften unter die Arme zu greifen. Dies ist
weitgehend geglückt, Zentral- und Osteuropa gehört wieder zu den am
stärksten wachsenden Regionen der Welt. Jetzt, wo die Solidarität mit
Griechenland gefragt ist, zählt der europäische Gedanke offenbar
wenig.

Dies ist umso unverständlicher, weil die heimischen Banken im
südlichen Schuldenland vergleichsweise gering engagiert sind. Gewiss,
wenn sie an der Tauschaktion mitziehen, müssten sie ihre griechischen
Staatspapiere zum Teil abschreiben, was auch das Halbjahresergebnis,
spätestens aber den Gesamtjahresgewinn belastet. Aber eine
Wertberichtigung von 21 Prozent ist für die Institute locker zu
verdauen. Das Absurde daran: Auch wenn sie sich nicht an der Hilfe
beteiligen, müssen die Banken laut der Meinung einiger
Wirtschaftsprüfer ihre Investments abschreiben. Was hindert sie unter
diesen Umständen daran, an der Rettungsaktion mitzumachen? Ein
Imageschaden ist bereits jetzt durch die zögerliche Haltung
eingetreten. Dieser kann nur mehr begrenzt werden, wenn sie rasch zu
dem Entschluss kommen, an der Aktion teilzunehmen. Wie zu hören ist,
macht auch die Bankenaufsicht Druck in diese Richtung.

Ein Sonderfall unter den österreichischen Banken ist die KA Finanz,
die Bad Bank der Kommunalkredit. Sie sitzt zwar entgegen
anderslautender Meldungen nicht auf einer Milliarde Euro griechischer
Bonds, sondern hat "nur" 822 Millionen Euro im Portfolio. Eine
Wertberichtigung um rund ein Fünftel hätte für die staatliche
Abwicklungsbank jedoch massive Konsequenzen: Das Ergebnis würde sich
um knapp 173 Millionen Euro vermindern. Auch wenn die
Verantwortlichen im Finanzministerium betonen, dass in diesem Fall
die Bad Bank kein zusätzliches Kapital benötigt, nagen die
Belastungen am Eigenkapital. Und allzu üppig mit Kapital ist die KA
Finanz nicht gerade ausgestattet. Im Worst Case-Szenario müssen also
die Steuerzahler nochmals mit weiterem Geld einspringen. Im
Banken-Hilfspaket sind jedenfalls noch Milliarden enthalten.

Rückfragehinweis:
Wirtschaftsblatt Verlag AG
Tel.: Tel.: 01/60117 / 300
mailto:[email protected]

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