• 27.07.2011, 17:15:42
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Wiener Zeitung: Leitartikel von Walter Hämmerle: "Bolschewismus von rechts"

Ausgabe vom 28. Juli 2011

Wien (OTS) - Die Gesellschaft bedürfe einer Gegenbewegung zur
"Diktatur des Ökonomismus", zum "Zynismus der Finanzmärkte und ihrer
Ratingagenturen": Also pries Gabi Burgstaller zur Eröffnung die
Salzburger Festspiele, diese Institution der Hochkultur par
excellence.

Es ist ein schmaler Grat, auf dem die Salzburger Landeshauptfrau da
balanciert. Festivals wie jenes in Salzburg kosten Geld, viel Geld
sogar. Und wenn's der Wirtschaft gut geht, geht's in der Regel auch
der als elitär verschrienen Hochkultur gut - um ein geflügeltes Wort
des Wirtschaftskammer-Präsidenten abzuwandeln. Auch Gewinner am
Roulettetisch der Finanzmärkte sind schließlich schon als Gönner
aufgetreten. Die Steuerzahler können und sollen nicht die ganzen
Kosten der Hochkultur stemmen. Einen wesentlichen Anteil allerdings
sehr wohl.

"Bolschewismus von rechts" nannte kürzlich die liberale - und
zunehmend bürgerliche - "Zeit" die Forderung, dass sich auch Oper
frei am Markt finanzieren können müsse. In den Niederlanden wird
gerade der Praxistest gemacht: Um ein Viertel soll der staatliche
Kulturetat gekürzt werden. Andere europäische Staaten ziehen unter
dem Druck der Schuldenkrise mit Sicherheit nach. Immerhin: Österreich
hält sein Ausgabenniveau, die Steiermark, die es mit dem Sparen ernst
meint, fährt auch im Kulturbereich ordentlich hinein.

Der politische Dünkel, der hier dahintersteckt, sei stellvertretend
mit den Worten des holländischen Rechtspopulisten Geert Wilders
beschrieben: Dieser meint sinngemäß, dass Hochkultur doch nur etwas
für die reichen Intellektuellen sei, weshalb sie auch bitteschön von
diesen zu bezahlen sei. Diese Logik haben die Rechten nicht
gepachtet, man kennt sie - etwa mit Blick auf Salzburg, Bayreuth oder
Wiener Staatsoper - auch von links.

Dabei sollte die Politik mit ihrem (vor allem auch finanziellen)
Bekenntnis zur Hochkultur nicht nur vor gewogenem Publikum wuchern.
Literatur, Theater, Oper, Malerei gelingt es in ihren besten
Momenten, dem Einzelnen wie einer ganzen Gesellschaft einen
wahrhaften Spiegel vor Augen zu halten. Möglich, dass es nur wenigen
vergönnt ist, sich selbst darin wiederzuerkennen. Diese dafür als
"Elite" zu diskreditieren, grenzt an Niedertracht. Entscheidend ist,
dass jeder Bürger die Chance erhält, sein Leben durch Kultur zu
bereichern. Was er daraus macht, ist dann seine Sache.

Alle Beiträge dieser Rubrik unter: www.wienerzeitung.at/leitartikel

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