Rektor der Angewandten Gerald Bast zum Zustrom von 10.000 deutschen StudienanfängerInnen:

Entweder Zulassung zum Studium nur für Personen mit einem Studienplatz in ihrem Heimatland oder EU-Strukturfördermittel für österreichische Universitäten

Wien (OTS) - "Dass jetzt im Herbst zusätzlich zu den fast 7.000 deutschen StudienanfängerInnen (= 18 % aller StudienanfängerInnen) weitere 10.000 StudienanfängerInnen aus Deutschland an die österreichischen Universitäten kommen werden, hat nichts mit Internationalisierung zu tun, sondern mit Kapazitätsengpässen und der Flucht vor dem "numerus clausus" an deutschen Universitäten", sagt Gerald Bast, Vizepräsident der Universitätenkonferenz. Die Empfehlung eines deutschen Experten, die 10.000 zusätzlichen StudienanfängerInnen aus Deutschland doch als Chance zu sehen, hält Bast angesichts der allseits bekannten Unterfinanzierung des österreichischen Universitätssystems für zynisch. Bast sieht hingegen die österreichischen Universitäten in einem grundsätzlichen, von den EU Prinzipien verursachten und daher nur auf der europäischen Politikebene lösbaren Problem verfangen.

Wenn die EU die Agrarförderungen kürzen will, dann wird von den österreichischen Politikern sofort in Brüssel interveniert und lobbyiert, um einen Schaden für die österreichische Landwirtschaft zu verhindern. Wenn die EU die österreichischen Universitäten zwingt, Personen als Studierende aufzunehmen, die in Deutschland gar nicht studieren dürfen, und so das in weiten Teilen heillos überlastete und unterfinanzierte österreichische Hochschulsystem völlig überfordert, dann ist das für unsere Politiker offenbar kein Grund, ernsthaft und nachdrücklich mit der EU zu verhandeln, um Schaden für die österreichische Hochschullandschaft abzuwenden. Für das Medizinstudium wurde vor einiger Zeit eine notdürftige Übergangslösung vereinbart: Zulassungsverfahren und 75 % der Studienplätze sind für ÖsterreicherInnen reserviert. Ohne diese Quotenregelung würden die österreichischen Steuerzahler heute schon mehrheitlich deutschen Numerus-Clausus-Flüchtlingen das Medizinstudium in Österreich finanzieren. Die Mediziner-Regelung läuft 2012 aus. Und für die jährlich zusätzlichen deutschen Studienanfänger, die nach Österreich kommen wollen, gibt es auch keine Lösung. Die Regierung und das Parlament kennen die Problematik seit langem. Seit mehr als einem Jahr weisen die RektorInnen
der österreichischen Universitäten darauf hin, dass die Politik handeln muss. Geschehen ist nichts.

Gerald Bast, Vizepräsident der Universitätenkonferenz, fordert jetzt die österreichische Bundesregierung auf, endlich in den EU-Gremien aktiv zu werden und lässt mit einem neuen Vorschlag aufhorchen: Entweder Rückkehr zum Heimatstaatsprinzip, d. h. Zulassung nur für Personen, die auch in ihrem Heimatstaat einen Studienplatz haben (Ausnahmen von EU-Prinzipien - sogar von der EU-Grundrechtecharta - gibt es zuhauf!) oder EU-Strukturförderungsmittel für die vom Zuzug deutscher Studienanfänger besonders betroffenen Universitäten. Dass die österreichische Universitätslandschaft in Nachbarschaft zum zehnmal so großen und gleichsprachigen Deutschland ein massives Strukturproblem hat, ist unstrittig. Warum fordern die österreichischen PolitikerInnen also nicht für die österreichischen Universitäten ein ähnliches Modell, wie in der Landwirtschaft: Wenn eine nationale Struktur durch massive Ungleichgewichte infolge der EU-internen Freizügigkeit gefährdet ist, dann stellt die EU Strukturfördermittel zur Verfügung. Die - absurde -innerösterreichische Alternative dazu wäre nur, dass Österreich -zusätzlich zu den ohnedies erforderlichen Budgetmitteln zur Finanzierung einer international kompatiblen Studienplatzfinanzierung (!) - für die nächsten fünf Jahre
Steuermittel zur Schaffung von 10.000 Studienplätzen für deutsche StudienanfängerInnen an österreichischen Universitäten bereitstellt.

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