• 25.07.2011, 18:15:33
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Politisches Missmanagement ist das Grundübel - von Jochen Hahn

Zeitgewinn des jüngsten Rettungspakets wird kürzer sein als gedacht

Wien (OTS) - Abgestuft. Die Rating-Agentur Moody's hat die
Kreditwürdigkeit Griechenlands erneut gesenkt. Das Land wird nun mit
der Note "Ca" bewertet und damit drei Stufen schlechter als zuvor mit
"Caa1". Dafür fällt der Ausblick positiver aus, die Rater sehen
zumindest eine Chance auf Stabilisierung.

So gern sich manche Medien und fast alle Politiker auf
Rating-Agenturen auch einschießen, umso offensichtlicher wird das
eigentliche Grundübel der Euro-Schuldenkrise. Es fußt auf völligem
politischen Missmanagement. Das hat auch der jüngste Gipfel und
dessen "Lösung" für Griechenland gezeigt. Gelöst wurde nämlich rein
gar nichts, das Problem wurde einmal mehr weggeschoben und dadurch im
Endeffekt nur verschlimmert. Der Zeitgewinn durch das am Donnerstag
einig und eilig verabschiedete Griechenland-Paket dürfte jedenfalls
kürzer sein als gedacht. Dafür spricht nicht nur der neuerliche
"Senf" von Moody's, sondern auch die schon wieder steigenden
Bond-Renditen. Dabei ist allerdings nicht Griechenland, Portugal oder
Irland entscheidend. Mit Argusaugen sollte der Blick auf die
Entwicklung von italienischen und spanischen Staatsanleihen gerichtet
sein. Wenn nämlich die Renditen bei zehnjährigen Anleihen über sechs
Prozent steigen, dann wird es wirklich ungemütlich.

Wer daher an einer Zukunft Europas wirklich interessiert ist, der
sollte demnächst Farbe bekennen und sich an die Umsetzung von
Euro-Bonds machen. Diese Vergemeinschaftung aller Schulden der
Eurozone ist zwar äußerst unpopulär und wird hämisch mit der
Bezeichnung "Transfer-Union", besonders von deutschen aber auch
österreichischen Politikern, stets abgelehnt. Unterm Strich wäre das
allerdings die billigste Lösung. Denn nur sie garantiert Ruhe an den
Märkten und Luft zur nachhaltigen Sanierung von Staatshaushalten und
der Standortverbesserung an der Peripherie. Damit wäre auch das
Märchen von den bösen Spekulanten endgültig begraben.

Bis dieses Wunder geschieht, werden große Pensionsfonds und
Versicherungen weiter Staatsanleihen aus ihren Depots werfen und
damit die Bond-Renditen in die Höhe ziehen. Bis eben Italien und
Spanien ein sinnvoller, also halbwegs finanzierbarer, Weg an die
Kapitalmärkte versperrt ist. Dann wird es allerdings so richtig teuer
für die Eurozone und demnach für den allseits schützenswerten
Steuerzahler. Denn je länger man zusieht, umso höher wird der
Gemeinschaftszins von Euro-Bonds. Aber das dürfte die kleingeistige
Politik noch immer nicht überrissen haben.

Rückfragehinweis:
Wirtschaftsblatt Verlag AG
Tel.: Tel.: 01/60117 / 300
mailto:[email protected]

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