WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Politisches Missmanagement ist das Grundübel - von Jochen Hahn

Zeitgewinn des jüngsten Rettungspakets wird kürzer sein als gedacht

Wien (OTS) - Abgestuft. Die Rating-Agentur Moody's hat die Kreditwürdigkeit Griechenlands erneut gesenkt. Das Land wird nun mit der Note "Ca" bewertet und damit drei Stufen schlechter als zuvor mit "Caa1". Dafür fällt der Ausblick positiver aus, die Rater sehen zumindest eine Chance auf Stabilisierung.

So gern sich manche Medien und fast alle Politiker auf Rating-Agenturen auch einschießen, umso offensichtlicher wird das eigentliche Grundübel der Euro-Schuldenkrise. Es fußt auf völligem politischen Missmanagement. Das hat auch der jüngste Gipfel und dessen "Lösung" für Griechenland gezeigt. Gelöst wurde nämlich rein gar nichts, das Problem wurde einmal mehr weggeschoben und dadurch im Endeffekt nur verschlimmert. Der Zeitgewinn durch das am Donnerstag einig und eilig verabschiedete Griechenland-Paket dürfte jedenfalls kürzer sein als gedacht. Dafür spricht nicht nur der neuerliche "Senf" von Moody's, sondern auch die schon wieder steigenden Bond-Renditen. Dabei ist allerdings nicht Griechenland, Portugal oder Irland entscheidend. Mit Argusaugen sollte der Blick auf die Entwicklung von italienischen und spanischen Staatsanleihen gerichtet sein. Wenn nämlich die Renditen bei zehnjährigen Anleihen über sechs Prozent steigen, dann wird es wirklich ungemütlich.

Wer daher an einer Zukunft Europas wirklich interessiert ist, der sollte demnächst Farbe bekennen und sich an die Umsetzung von Euro-Bonds machen. Diese Vergemeinschaftung aller Schulden der Eurozone ist zwar äußerst unpopulär und wird hämisch mit der Bezeichnung "Transfer-Union", besonders von deutschen aber auch österreichischen Politikern, stets abgelehnt. Unterm Strich wäre das allerdings die billigste Lösung. Denn nur sie garantiert Ruhe an den Märkten und Luft zur nachhaltigen Sanierung von Staatshaushalten und der Standortverbesserung an der Peripherie. Damit wäre auch das Märchen von den bösen Spekulanten endgültig begraben.

Bis dieses Wunder geschieht, werden große Pensionsfonds und Versicherungen weiter Staatsanleihen aus ihren Depots werfen und damit die Bond-Renditen in die Höhe ziehen. Bis eben Italien und Spanien ein sinnvoller, also halbwegs finanzierbarer, Weg an die Kapitalmärkte versperrt ist. Dann wird es allerdings so richtig teuer für die Eurozone und demnach für den allseits schützenswerten Steuerzahler. Denn je länger man zusieht, umso höher wird der Gemeinschaftszins von Euro-Bonds. Aber das dürfte die kleingeistige Politik noch immer nicht überrissen haben.

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