- 22.07.2011, 13:54:03
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Meier: Wer Ferkelschutzkorb abschafft, schafft Tierschutz für Ferkel ab
ARGE Fleischproduktion: Alleingang bedeutet mehr Schweinefleischimporte
Wien (OTS) - "Ich verlange da mehr Ehrlichkeit: Die Abschaffung
des Ferkelschutzkorbes bedeutet bis zu 500.000 tote Ferkel im Jahr
und heißt auch, dass wir viel mehr Schweinefleisch importieren
müssen. Gilt für Ferkel der Tierschutz plötzlich nicht mehr? Und ist
es in Zeiten von ausländischen Lebensmittel-Skandalen wirklich egal,
ob wir beim Schweinefleisch vom Ausland anhängig werden? Die
österreichischen Bäuerinnen und Bauern wollen umfassenden Tierschutz
und haben in der Diskussion über den Ferkelschutzkorb einen
Kompromiss angeboten, der die Schutzphase für die Ferkel auf ein
vertretbares Minimum beschränkt und den Konsumenten auch weiterhin
Schweinefleisch aus Österreich sichert", erklärt Theresia Meier,
Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Fleischproduktion und
Fleischvermarktung und Vizepräsidentin der LK Niederösterreich. Sie
fordert eine "Kompromisslösung im Sinne von Konsumenten und
Landwirtschaft".
Teurer und weniger Schutz für Ferkel
Haltungssysteme ohne Ferkelschutzkorb können neugeborene Tiere
weniger vor dem Erdrücken durch die Muttersau schützen. Die neuen
Aufstallungseinrichtungen für Zuchtschweine sind auch wesentlich
teurer als herkömmliche EU-weit verwendete Systeme. Sie bräuchten
auch um ein Drittel mehr Platz, was um bis zu einem Drittel höhere
Gebäudekosten verursacht. Außerdem steigt der zusätzliche
Arbeitsaufwand je Zuchtsau für den Tierhalter ebenfalls um rund 30%.
Schließlich habe die Landwirtschaft mit den Marktpartnern regionale
Marken und das Qualitätssicherungsprogramm auf- und ausgebaut. Das
werde von den Konsumenten angenommen und hoch geschätzt, doch könnten
solche Programme ohne Ferkel österreichischer Herkunft nicht
weitergeführt werden. "Aus all diesen Gründen ist ein nationaler
Alleingang nicht zielführend", stellt Meier weiter fest.
"Dieser Alleingang brächte erhebliche wirtschaftliche Nachteile
und arbeitsmäßige Erschwernisse für die Tierhalter und höhere
Verluste bei den Ferkeln. Aber auch Schlachthöfe machen deutlich,
dass sie kein Interesse an derartigen nationalen gesetzlichen
Alleingängen haben, weil die damit verbundenen höheren Kosten weder
am österreichischen noch am EU-Fleischmarkt im Wettbewerb und im
freien Warenverkehr - außer in ganz schmalen Marktsegmenten über
Nischenprogramme -untergebracht werden können", so Meier weiter.
ARGE Fleischproduktion aktiv
Meier kennt als Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft für
Fleischproduktion und Fleischvermarktung und als Tierhalterin die
Probleme aus erster Hand. Die Arbeitsgemeinschaft widmet sich
aktuellen Themenstellungen der tierischen Erzeugung, über die
Schlachtung und Fleischwarenherstellung bis hin zu Fragen der
Vermarktung. So wurde unter anderem auf Branchenebene erst im Vorjahr
die Einführung von schmerzlindernden Methoden der Ferkelkastration in
Österreich umgesetzt, um machbare Forderungen von Wissenschaft,
Wirtschaft und Verbrauchern auch zu verwirklichen.
Forschung bestätigt auch die Position der Landwirtschaft
"Die Europäische Kommission hat im Jahr 2007 den Forschungsbericht
der EFSA mit weitreichenden Untersuchungen zum Tierschutz in der
Zuchtsauenhaltung veröffentlicht. Ein Mitglied dieses internationalen
Forscherteams war auch der schwedische Univ.-Prof. Bo Algers.
Österreicher waren dabei nicht eingebunden. Algers bestätigte vor
Kurzem in Wien, dass aus der EFSA-Studie bisher keine
Schlussfolgerungen abgeleitet werden können, die bestehenden
Haltungssysteme in der EU in den nächsten Jahren zu verbieten. Wir
möchten daher noch einmal auf die objektiven Fakten verweisen und an
den Gesundheitsminister appellieren, einem Kompromiss unter Beachtung
von EU-Rahmenbedingungen zuzustimmen", so Meier.
Schweinefleischmarkt: Kennzahlen
Die Selbstversorgung Österreichs bei Schweinefleisch liegt im
Durchschnitt der letzten Jahre 2008 bis 2010 mit ca. 4,9 Mio. Tieren
im Inlandsabsatz bei rund 100%. Jährlich werden rund 700.000 Schweine
aus anderen EU-Mitgliedstaaten lebend und zusätzlich ca. 1,9 Mio. in
Form von Fleisch eingeführt. Umgekehrt werden ca. 2,6 Mio. Schweine
in veredelter Form bis hin zu qualitativ hochwertigen Wurstwaren
wieder in andere EU-Mitgliedstaaten und vor allem auch Drittstaaten
exportiert. Einfuhren und Ausfuhren halten sich also mit ca. 2,6 Mio.
Schweinen pro Jahr die Waage. Allerdings handelt es sich dabei nicht
um dasselbe Fleisch, vielmehr wird auf die nationalen
Nachfragegewohnheiten eingegangen. Während in Österreich hochwertige
magere Teilstücke wie Kotelett oder Lungenbraten überproportional
nachgefragt werden, sind umgekehrt Speck oder Schweinsfüße im
asiatischen Raum gefragte Delikatessen.
Die österreichische Fleischwirtschaft konnte seit dem EU-Beitritt
in Menge und Qualität kontinuierlich wachsen und ist eng mit dem
EU-Wirtschaftsraum verflochten. Sie ist ein wichtiger regionaler
Wirtschaftsfaktor und Arbeitgeber. Ebenso ist der Lebensmittelhandel
in Österreich eng mit den umliegenden EU-Mitgliedstaaten verknüpft,
Lebensmittelzubereitungen, Fleisch- und Wurstwaren werden aus dem
EU-Wirtschaftsraum in einem bedeutenden Ausmaß verkauft. Die
österreichischen Bauern und die Fleischwirtschaft haben über eine
Vielzahl von Qualitätsprogrammen und erfolgreichen Marken bewiesen,
dass sie auf Verbraucherwünsche reagieren. Importiertes Fleisch
bedeutet auch importiertes Risiko.
Die Biofleischproduktion liegt je nach Tierart zwischen geschätzt
1% (bei Schweinefleisch) bis 10% (bei Rindfleisch) je nach Produktion
und Nachfrage. (Schluss)
Rückfragehinweis:
Pressestelle: Dr. Josef Siffert,
Tel +43/1/53441-8521,
Fax +43/1/53441-8519,
E-Mail [email protected]
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