AK-Umfrage: Starker Kostendruck bei Sommer-Nachhilfe für Schüler

Familien geben fast 37 Mio Euro fürs Lernen im Sommer aus - die Lösung ist Förderung in der Ganztagsschule statt Sitzenbleiben, sagt AK Präsident Tumpel

Wien (OTS) - Spätestens ab der letzten Juli-Woche hat die private Nachhilfeindustrie wieder Hochsaison. Laut Umfrage für die Arbeiterkammer geben die Familien in Österreich nur im Sommer insgesamt fast 37 Millionen Euro aus, weil ihr Kind im Herbst zum Nachzipf antreten muss oder weil die Tochter, der Sohn zum Beispiel auf Sprachferien das Erlernte aus dem letzten Schuljahr vertiefen soll. Betroffen ist eine von acht Familien mit Schulkindern (12 Prozent). "Der Sommer soll zur Erholung da sein, nicht zur Nachhilfe", sagt AK Präsident Herbert Tumpel. "Deshalb muss die Schule mehr Verantwortung für den Lernerfolg übernehmen." Konkret verlangt die AK Förderung statt Sitzenbleiben in der Schule - und der Ausbau der ganztägigen Schulen muss jetzt wirklich zügig vorangehen.

"Wenn Sie an die letzten Sommerferien denken - wie viel Euro haben Sie da für Nachhilfe ausgegeben?", fragte das Institut für empirische Sozialforschung Ifes im März/April 2011 in österreichweit 2.760 Haushalten mit Schulkind(ern). Ergebnis war die Horrorzahl von insgesamt 36,6 Millionen Euro fürs Nachlernen und Vertiefen des Schulstoffs, während die Kinder eigentlich entspannt Ferien machen sollten. Ein Jahr davor gaben die Eltern "erst" 35 Millionen Euro für Sommer-Nachhilfe aus. "Allein dieser Anstieg der Gesamtausgaben zeigt, dass der Lerndruck der alten Schule auf die Familien zumindest nicht geringer wird", sagt Tumpel.

Im Schnitt gibt eine Familie, die für Nachhilfe im Sommer zahlt, 407 Euro aus (im Jahr davor: 369 Euro). Am günstigsten kommt die Eltern die Sommernachhilfe noch in der Unterstufe der Gymnasien mit 328 Euro je betroffener Familie. Am meisten zahlt eine Familie mit Kindern in der Oberstufe eines Gymnasiums: 592 Euro. Selbst für Volksschulkinder werden schon 350 Euro je betroffener Familie gezahlt.

"Das Urlaubsbudget der Eltern darf nicht länger durch Nachhilfeausgaben geschmälert werden", sagt Tumpel. Laut Ifes Umfrage wünscht sich die Mehrheit der von Nachhilfe betroffenen Eltern mehr Förderunterricht, schulische Nachmittagsbetreuung oder gleich Ganztagsschulen, in denen Unterreicht, Üben und Freizeit über den ganzen Tag verteilt sind. Tumpel unterstützt sie: "Wir brauchen eine neue Schule mit einer gemeinsamen Mittelstufe, Ganztagsbetreuung, mehr Förderung und mehr Durchlässigkeit."

"Allein individuelle Förderung durch die Schule statt Sitzenbleiben würde im Sommer viel Nachhilfedruck von den Eltern nehmen", argumentiert Tumpel. Helfen würde auch der zügige Ausbau der ganztägigen Schulen, in der die LehrerInnen automatisch mehr Verantwortung für den Lernerfolg der Kinder haben. Schließlich sollte auch der rasche Ausbau der Neuen Mittelschule mit je zwei LehrerInnen in den Hauptfächern helfen.

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