• 20.07.2011, 18:15:31
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: ÖBB bleiben auch im Sommer ein Sanierungsfall - von Günter Fritz

Viel Spaß, wenn Sie auf der Westbahn telefonieren wollen...

Wien (OTS) - Infrastrukturministerin Doris Bures findet im
Gespräch mit dem WirtschaftsBlatt klare Worte zur Sanierung der mit
derzeit fast mit 20 Milliarden Euro verschuldeten ÖBB: Die Bemühungen
des Bahnmanagements seien zwar ambitioniert, um das Ziel - nämlich im
Jahr 2013 operativ schwarze Zahlen zu schreiben - zu erfüllen, müssen
noch härtere Maßnahmen erfolgen. Handlungsbedarf gebe es in allen
Bereichen: Ausgaben- sowie einnahmenseitig und natürlich bei den
Personalkosten. So soll es künftig bei Pensionierungen im Großen und
Ganzen keine Nachbesetzungen geben. Für ÖBB-Chef Kern und sein Team
dürfte diese Vorgabe wohl eher die Quadratur des Kreises bedeuten.
Auf der einen Seite gibt es zu viele Mitarbeiter - beispielsweise im
Verschub -, auf der anderen zu wenig Spezialisten - zum Beispiel
Lokführer. Der viel strapazierte interne Arbeitsmarkt kommt nur
schleppend in Bewegung, was auch mit besitzstandswahrenden Motiven
der Gewerkschaft zu tun hat. Dazu kommt noch, dass zwei Drittel der
rund 42.000 Eisenbahner Beamte sind. Mittelfristig soll der
Mitarbeiterstand der Bundesbahnen auf unter 40.000 sinken, und das
wird auch nötig sein. Immerhin macht das Personal 43 Prozent der
Gesamtkosten aus.

Auch die Vorgabe "unrentable Verkehre zu überdenken" hat es in sich:
Das zeigte bereits der Aufstand der Holzindustrie, als die schwer
defizitäre Rail Cargo Austria - neben dem Personal Kerns größtes
Problem - die Tarife empfindlich anhob. Ebensolches Potenzial gibt es
in den Ländern, wo zahlreiche unrentable Nebenstrecken betrieben
werden. Ein reiches Betätigungsfeld für Lokalpolitiker, die sich um
die Aufrechterhaltung des öffentlichen Verkehrs und ihre Stimmen
sorgen.

Dabei darf auch die angestrebte Steigerung der Servicequalität vom
ÖBB-Management nicht aus den Augen verloren werden: Hier gibt es noch
mehr Probleme, die vielleicht nicht finanziell schwerwiegend, für die
leidgeprüften Fahrgäste aber umso unangenehmer sind. Überfüllte Züge,
aus denen die Fahrgäste von der Polizei hinausgeworfen werden oder
unauffindbare Schienenersatzverkehre mögen vielleicht die Spitze
sein, aber auch sonst werden seit Jahren Verbesserungen versprochen,
die nicht kommen: Viel Spaß zum Beispiel, wenn Sie auf der Westbahn
mit dem Handy telefonieren wollen.

Die Sanierung der ÖBB ist eine Titanenaufgabe, ob sie gelingt ist,
ist weiter offen. Aus Sicht der Steuerzahler muss sie es - sonst
bekommt die Politik die Rechnung präsentiert. Deshalb schwitzen auch
die einen im Sommer in der Sonne und die anderen dabei, die ÖBB aus
den roten Zahlen zu bewegen.

Rückfragehinweis:
Wirtschaftsblatt Verlag AG
Tel.: Tel.: 01/60117 / 300
mailto:[email protected]

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