- 12.07.2011, 19:30:23
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"Kleine Zeitung" Kommentar: "Mit Zögern und Zaudern geht der Euro baden" (Von Rainer Strunz)
Ausgabe vom 13.7.2011
Graz (OTS) - Vor gut einem Jahr war die Welt noch halbwegs in
Ordnung. Griechenland musste zwar den Offenbarungseid leisten und
eingestehen, jahrelang mit getürkten Zahlen operiert zu haben, mit
einem dicken Rettungsschirm hoffte man in Brüssel aber, die Lage
nicht nur in Griechenland, sondern auch in Irland und Portugal rasch
in den Griff zu bekommen.
Hintergrund der ganzen Aktion: Psychologie ist auch an den
Finanzmärkten alles, und wenn sich die Lage beruhigt, wird man schon
weitersehen. Deutlicher formuliert: Statt Nägel mit Köpfen zu machen,
wurde herumgewurstelt und versucht, selbst Nacht- und
Nebel-Rettungsaktionen der Finanzminister wie ein eher zufälliges
Zusammentreffen aussehen zu lassen.
Die Rechnung ist leider nicht aufgegangen. Europas Krisenmanager in
Brüssel und in den Hauptstädten der großen Euro-Länder müssen sich
seit dem Wochenende mit einem Problem herumschlagen, das zwar
bekannt, aus dem Bewusstsein aber weit in den Hinterkopf verdrängt
worden war. Italien, das drittgrößte Land der Euro-Zone, kann ebenso
wie Griechenland seine Schulden nur noch mit Mühe bedienen.
Die Folge: Die Italien-Angst drückt Euro und Börsen in den Keller,
Spekulanten bekommen wieder Oberwasser, die Kreditaufnahme wird für
Rom jetzt wirklich teuer - und was macht die EU?, fragt sich wohl
nicht nur der besorgte Herr Strache.
In Brüssel, muss man leider antworten, simulieren die Finanzminister
nach wie vor Aktivität. Es wird weiter über Griechenland beraten, die
neuen Finanzhilfen wurden nicht beschlossen, sollen aber bald stehen,
Experten diskutieren das französische und das deutsche Bankenmodell
zum Schuldennachlass, und am Wochenende, sickerte gestern durch, sei
möglicherweise ein weiteres Sondertreffen möglich.
Die Fluglinien mag das freuen, der Euro-Skeptiker - und wohl nicht
nur der - fragt sich indes, ob es nicht langsam an der Zeit wäre,
Aktionen zu setzen. Debatten über einen Schuldenschnitt für die
Krisenländer oder eine Finanztransaktionssteuer gegen die Spekulation
helfen nichts. Solange in Brüssel professionelle Beschwichtiger das
große Wort führen, bleibt die EU unglaubwürdig und kann nur Aktionen
setzen, die nach ein, zwei Tagen bereits verpufft sind.
Ein Krisenmanagement, das aus Zögern und Zaudern besteht, hat ebenso
wenig Sinn wie ein Rettungsschirm, der die Probleme lediglich in die
Zukunft verschiebt. Die uns mit Italien und eventuell auch mit
Spanien schneller als gedacht erreicht.****
Rückfragehinweis:
Kleine Zeitung, Redaktionssekretariat, Tel.: 0316/875-4032, 4033, 4035, 4047, mailto:[email protected], http://www.kleinezeitung.at
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