AK-Erfolg: Erstmals Schmerzensgeld für seelische Qualen nach Mobbing-Attacken

Die Arbeiterkammer Kärnten erkämpfte für Mobbing-Opfer ein richtungsweisendes Urteil.

Klagenfurt (OTS) - Ein richtungsweisendes Urteil für Mobbing-Opfer erkämpfte die Arbeiterkammer Kärnten. Erstmals wurde einer Arbeitnehmerin, die durch Schikanen ihres Chefs gravierende seelische und körperliche Beschwerden erlitten hatte, in zwei Instanzen ein Schmerzensgeld in der Höhe von mehreren tausend Euro zugesprochen.

Schlafstörungen, Magen- Darmbeschwerden, Schweißausbrüche und Angstzustände waren das Resultat von massiven Mobbingattacken, denen eine 51-jährige Angestellte in einem Klagenfurter Familienunternehmen monatelang ausgesetzt war.

Obwohl sich die Buchhalterin im Betrieb außergewöhnlich engagiert, Überstunden leistet und sogar in der Freizeit unbezahlt arbeitet, wird sie von ihrem Chef ständig schikaniert, herabgewürdigt und unter Druck gesetzt. Schließlich kommt es zur Kündigung. Aber damit endet der Psycho-Terror des Arbeitgebers nicht. Die Frau erhält von ihm weiter fast täglich Drohungen - per Telefon, Fax und E-Mail. Sie hält den Druck nicht mehr aus und sucht Hilfe bei der Arbeiterkammer Kärnten.

Der AK gelingt es, in diesem Fall ein richtungsweisendes Urteil zu erkämpfen: In zwei Instanzen spricht das Gericht der Arbeitnehmerin erstmals Schmerzensgeld wegen erlittener seelischer Qualen durch Mobbing am Arbeitsplatz zu. Die Höhe des Schmerzensgeldes beträgt 5.900 Euro. Ob diese Höhe angemessen ist, entscheidet jetzt der Oberste Gerichtshof (OGH).

"Im vorliegenden Fall ist bei der Arbeitnehmerin aufgrund von Mobbing durch den Chef eine psychische Erkrankung aufgetreten, die sich auch in körperlichen Beschwerden äußerte", erklärt AK-Rechtsexpertin Michaela Eigner. "Ihre Erkrankung war eindeutig den Quälereien ihres ehemaligen Arbeitgebers zuzuschreiben. Das bestätigte ein von der AK in Auftrag gegebenes ärztliches Gutachten", betont Eigner.

Die AK Kärnten reichte daraufhin Klage beim Arbeits- und Sozialgericht ein und forderte Schmerzensgeld vom Arbeitgeber, weil aus Sicht der AK-Rechtsexperten derart schwerwiegende Angriffe auf die Psyche unter den Begriff Körperverletzung fallen.

Die AK setzte sich mit dieser Rechtsmeinung sowohl am Landesgericht Klagenfurt als auch beim Oberlandesgericht Graz durch. Beide Instanzen sprachen der gemobbten Frau ein Schmerzensgeld in der Höhe von 5.900 Euro wegen seelischer Qualen zu. "Für das Gericht bestand kein Zweifel, dass das Verhalten des Arbeitgebers geradezu ein Lehrbeispiel für Mobbing ist", sagt die AK-Juristin. Der Arbeitgeber habe auf völlig unangebrachte Weise Druck auf die Dienstnehmerin ausgeübt und sie somit gesundheitlich und beruflich geschädigt.

Der Fall liegt nun beim Obersten Gerichtshof. "Der OGH hat sich mit den Grundsätzen der Schmerzensgeldbemessung im Falle einer psychischen Erkrankung als Folge von Mobbing bislang noch nicht auseinandergesetzt. Die Entscheidung des OGH wird daher für künftige Prozesse in Mobbingfällen richtungsweisend sein", bewertet Eigner die enorme Relevanz des derzeit noch ausständigen Urteils.

Die AK rät Arbeitnehmern, die sich gemobbt fühlen, immer ein so genanntes Mobbing-Tagebuch zu führen. Darin sollte stehen, wer wann was gesagt hat, wie es einem als Betroffenen dabei ergangen ist und welche Kollegen die Vorkommnisse bezeugen können.****

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