- 05.07.2011, 12:47:53
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Falter: Molterer kritisiert Verhältnis zwischen Politik und Boulevard
Molterer: "Käuflichkeit ist in Wahrheit auch eine Form von Korruption"
Wien (OTS) - Der ehemalige ÖVP-Chef und nunmehrige Vizepräsident
der Europäischen Investitionsbank, Wilhelm Molterer, geht mit der
politischen Kultur in Österreich hart ins Gericht. In einem Interview
mit dem Falter kritisiert er das Verhältnis der Politik zum
Boulevard. "Was mich besonders irritiert, ist, wenn Journalisten sich
damit brüsten, dass viele Politiker 'so lieb' geworden seien, dass
sie einem nachlaufen", sagt er in Anspielung auf eine vor kurzem bei
einer Podiumsdiskussion getätigte Aussage des Krone-Journalisten
Claus Pándi. " Ich finde es ganz schlimm, dass Politiker so etwas
machen, aber genauso schlimm ist es, dass Journalisten offensichtlich
darauf stolz sind. Der verantwortungsvolle Journalist ist genauso
wichtig wie der verantwortungsvolle Politiker. Aber die Grenze muss
der Politiker setzen. Das ist nicht einfach, weil es eben verlockend
ist."
Molterer hatte - wie Werner Faymann und Alfred Gusenbauer - von
Dichand im Sommer 2008 das Angebot, einen EU-kritischen Leserbrief zu
schreiben. Er lehnte ab. "Diese Käuflichkeit ist in Wahrheit auch
eine Form von Korruption. Man wird erpressbar und verliert jeglichen
Respekt. Egal, wer es macht, irgendwann lässt die Zeitung oder der
Journalist einen wieder fallen, so schnell kann man gar nicht
schauen. Dann ist man tot, punkt, weil jemand anderer mehr geboten
hat. Wenn die Politik der Marktplatz des Preises wird, dann ist das
nicht mehr Politik. Die Medien sollten die vierte Macht im Staat
sein, wenn sie aber so agieren, dann werden sie zu einer
demokratiepolitisch nicht legitimierten politischen Kraft - und das
halte ich für höchst problematisch."
Molterer gesteht aber auch ein, selber an die Grenzen gestoßen zu
sein - etwa bei der Frage der Presseförderung für Boulevardzeitungen.
"Ehrlich gesagt muss ich zugeben, dass ich da selber an Grenzen
gestoßen bin, als ehemaliger Mediensprecher der ÖVP. Es ist eben
nicht harmlos, sich mit gewissen Medien anzulegen. Ich wäre politisch
erledigt gewesen, und die Partei auch."
Rückfragehinweis:
Falter-Politik
Barbara Tóth
Tel.: 01 53660 - 968
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