- 04.07.2011, 10:05:21
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Ein Top-Manager zu sein reicht nicht aus - von Hans Pleininger
Familienbetriebe sind schwierig. Doch hat man sich einmal lieb, dann lang
Wien (OTS) - Familienunternehmen werden für Manager zunehmend eine
attraktive Spielwiese: Einerseits suchen wachsende Familienbetriebe
externe Blutauffrischung und Know-how für die Chefetage und sind auch
bereit, für einen Top-Mann oder eine Top-Frau Geld in die Hand zu
nehmen. Darüber hinaus stehen Familienbetriebe für Konstanz, haben
mit Hire-and-Fire-Politik wenig am Hut und denken nicht in den
berühmten Quartalsergebnissen, sondern langfristig. Und sie bieten
Sicherheit und ein Wohlfühlklima - was nach ausgestandener
Wirtschaftskrise auch in Managementkreisen wichtiger wird.
Doch nur als Top-Manager zu gelten, das reicht bei Weitem nicht aus,
um auch in einem Familienunternehmen Erfolg zu haben. Die Gefahr
lauert in eigentümergeführten Unternehmen immer und überall. Das hat
mit der Unternehmerfamilie zu tun. Damit, wie sie tickt, wie sie im
Tagesgeschäft mit- und der Geschäftsführung dreinredet und
schließlich entscheidet. Das ist kein Geheimnis. Das ist ihr
Naturell. Da kann man mitspielen oder schnell untergehen.
Familienunternehmer geben sich selbst keine Vorstandsverträge mit
Ablaufdatum, zumindest gedanklich. Das bekannte deutsche
Familienunternehmen Peek & Cloppenburg rühmt sich heute bei uns auf
Seite 2, in 110 Jahren Firmengeschichte erst den dritten Familien-CEO
zu haben. Rechnen Sie sich das einmal durch. Eine heikle Geschichte.
Glück gehabt, kann man nur sagen. Der 71-jährige Chef hat noch viel
Freude am Gestalten und der auserkorene 29-jährige Nachfolger darf
sich in Geduld üben und auf seine Chance warten. Hoffentlich geht's
gut.
Bei solchen Konstellationen wird klar: Ein externer Manager, der in
Familienunternehmen an der Spitze mitgestalten will, muss mehr
können. Er muss zur Unternehmensphilosophie passen und vor allem die
Chemie zur Eigentümerfamilie muss stimmen. Ein Externer braucht
Feeling für die Befindlichkeiten und Eigenheiten der Familie. Es ist
notwendig, Vertrauen aufzubauen. Doch dabei darf die notwendige
Distanz zur Familie nie fehlen. Eine Gratwanderung - aber
überlebenswichtig für den Manager, wenn es innerhalb des
Eigentümer-Clans zu Spannungen oder sogar zu Konflikten kommt.
Top-Manager mit Herz und Hirn sind gefragt. Und Unternehmer, die ihre
teuer eingekauften Spitzenkräfte maßgeblich und selbstständig
gestalten lassen. Passt das Klima und hat man sich gegenseitig einmal
lieb gewonnen, dann hält das Arbeitsverhältnis in Familienbetrieben
oft lang - im besten Fall bis zur Pension, wenn es nach den
Unternehmern geht.
Rückfragehinweis:
Wirtschaftsblatt Verlag AG
Tel.: Tel.: 01/60117 / 300
mailto:[email protected]
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