Stellungnahme der Universitären Plattform für Lehrer/innen/bildung (UPL)

Empfehlungen der "Vorbereitungsgruppe PädagogInnenbildung NEU" vom 28. Juni 2011

Wien (OTS) - Am 28. Juni 2011 hat die von Unterrichts- und Wissenschaftsministerium beauftragte "Vorbereitungsgruppe" ein Papier mit Empfehlungen zur Neugestaltung der Lehrer/innen/bildung in Österreich vorgelegt. Die Universitäre Plattform für Lehrer/innen/bildung (UPL), in der sämtliche Universitäten Österreichs, an denen Lehrer/innen ausgebildet werden, vertreten sind, nimmt dazu wie folgt Stellung:

Das Papier enthält wichtige Ansatzpunkte für eine Weiterentwicklung der Lehrer/innen/bildung in Österreich. Die UPL begrüßt vor allem

- den Ansatz einer Defragmentierung der österreichischen Lehrer/innen/bildungsarchitektur (einheitliche Studiendauer und einheitliches Studienniveau für alle Lehrämter),

- die angestrebten Verbesserungen in der Ausbildung der Pflichtschullehrkräfte (Verlängerung der Ausbildung von drei auf fünf Jahre und damit Anpassung an internationale Standards, Einführung einer Berufseinführungsphase, Stärkung der fachlichen und fachdidaktischen Säule bei Hauptschullehrkräften),

- die angestrebte erhöhte Durchlässigkeit zwischen den Lehrämtern,

- das Bekenntnis zu einer auf universitärem Niveau angesiedelten Lehrer/innen/bildung und zu klaren Impulsen für eine diesbezügliche Weiterentwicklung der Pädagogischen Hochschulen,
die Stärkung der Agenden der Lehrer/innen/bildung an den Universitäten.

Diskussionsbedarf besteht vor allem in der Frage der fachlichen und fachdidaktischen Ausbildung der Lehrkräfte, für die empirisch belegt ist, dass sie auf die Lernfortschritte der Schüler/innen großen Einfluss hat, sowie hinsichtlich der Absicherung des universitären Niveaus der Lehrer/innen/bildung.

Abzulehnen ist

- ein vermeintlich "freier" Wettbewerb um die Trägerschaft in der Lehrer/innen/bildung, wenn die Universitäten weiterhin unterfinanziert bleiben. Stattdessen muss ein gemeinsames Budget beider Ministerien für die Reform zur Verfügung gestellt werden.

- die Reduktion der fachlichen und fachdidaktischen Ausbildung der Oberstufenlehrkräfte, die das Ausbildungsniveau in den mittleren und höheren Schulen und in der Folge auch die Studierfähigkeit der Schüler/innen gefährdet,

- die Vorgabe, mindestens 25 % des Ausbildungspersonals müssten eine mehr als fünfjährige pädagogische-praktische Ausbildung, aber ebenfalls nur 25 % ein Doktorat haben. Derartige Personalstrukturen sind einer akademischen Einrichtung unangemessen.

- eine Trägerschaft durch Institutionen ohne einen Mindestanteil an habilitiertem Lehrpersonal,

- ein "Master-Studium", das seinem Wesen nach kein akademisches Studium, sondern eine ausgebaute Form des derzeitigen Unterrichtspraktikums ist und keinen Anschluss an Doktoratsstudien auf hohem Niveau ermöglicht,

- jeder Versuch der inhaltlichen Begrenzung der Forschungsaktivitäten an lehrer/innen/bildenden Einrichtungen,

- die Zersplitterung der Ausbildung auf mehrere Institutionen, weil dies die Integration der "Säulen" der Lehrer/innen/bildung (Fachwissenschaft, Fachdidaktik, Pädagogik, schulpraktische Studien) gefährden würde. Lehrer/innen/bildende Einrichtungen müssen die gesamte curriculare Bandbreite anbieten können, ohne Teilbereiche aus anderen Institutionen "importieren" zu müssen.

Weiterer Diskussion bedarf

- das zu große Volumen und die vage inhaltliche Ausgestaltung des derzeit unsystematisch und stichwortartig umrissenen "gemeinsamen pädagogischen Kerns",

- der im europäischen Vergleich immer noch eher gering angesetzte fachliche und fachdidaktische Ausbildungsanteil bei den Pflichtschullehrkräften,

- das Verfahren der Eingangsauslese, das in den "pädagogischen Kern" des Bachelorstudiums integriert werden soll, womit keine Verfahren der Studierfähigkeitsprüfung in Frage kämen, die vor Studienbeginn zu greifen haben (Absicherung der grundsätzlichen fachlichen Eignung, Notendurchschnitt der Reifeprüfung, Studienfähigkeitstests),

- die Funktion und Dauer von Praxisphasen während des Bachelorstudiums, zu denen das Papier derzeit keine Aussagen trifft,

- die Durchlässigkeit der Lehramtsstudien nicht nur zu anderen Lehramtsstudien, sondern auch zu Nicht-Lehramtsstudien im fachwissenschaftlichen, aber auch im allgemein-erziehungswissenschaftlichen Bereich,

- der gesamte Komplex der Berufspädagogik, der Wirtschaftspädagogik und der Kunst- und Musikuniversitäten. Für diese Bereiche müssen Lösungen geschaffen werden, die den dort gegebenen Besonderheiten Rechnung tragen und vorhandene best-practice-Ansätze nicht zerstören.

Die Universitäre Plattform für Lehrer/innen/bildung bietet dem einzurichtenden Entwicklungsrat ausdrücklich die Bereitschaft zur Zusammenarbeit und die Bereitstellung ihrer Expertise an.

Rückfragen & Kontakt:

a.o. Univ.-Prof. Dr. phil. Mag. art. Ruth Mateus-Berr
Senatsvorsitzende der Universität für angewandte Kunst Wien
Institut für Kunstwissenschaften, Kunstpädagogik und Kunstvermittlung
Abteilung DAE Design, Architektur Environment
Oskar Kokoschkaplatz 2, 1010 Wien
ruth.mateus-berr@uni-ak.ac.at, Tel: +43-1-71133-2731
www.dieangewandte.at

Univ.-Prof. Mag. Dr. Ilse Schrittesser
Universität Innsbruck
Fakultät für Bildungswissenschaften
Institut für LehrerInnenbildung und Schulforschung
Innrain 52 , A-6020 Innsbruck
ilse.schrittesser@uibk.ac.at
Tel.: +43 512 - 507 - 4661

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