• 29.06.2011, 12:08:33
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  • OTS0159 OTW0159

Stellungnahme der Universitären Plattform für Lehrer/innen/bildung (UPL)

Empfehlungen der "Vorbereitungsgruppe PädagogInnenbildung NEU" vom 28. Juni 2011

Wien (OTS) - Am 28. Juni 2011 hat die von Unterrichts- und
Wissenschaftsministerium beauftragte "Vorbereitungsgruppe" ein Papier
mit Empfehlungen zur Neugestaltung der Lehrer/innen/bildung in
Österreich vorgelegt. Die Universitäre Plattform für
Lehrer/innen/bildung (UPL), in der sämtliche Universitäten
Österreichs, an denen Lehrer/innen ausgebildet werden, vertreten
sind, nimmt dazu wie folgt Stellung:

Das Papier enthält wichtige Ansatzpunkte für eine
Weiterentwicklung der Lehrer/innen/bildung in Österreich. Die UPL
begrüßt vor allem

- den Ansatz einer Defragmentierung der österreichischen
Lehrer/innen/bildungsarchitektur (einheitliche Studiendauer und
einheitliches Studienniveau für alle Lehrämter),

- die angestrebten Verbesserungen in der Ausbildung der
Pflichtschullehrkräfte (Verlängerung der Ausbildung von drei auf fünf
Jahre und damit Anpassung an internationale Standards, Einführung
einer Berufseinführungsphase, Stärkung der fachlichen und
fachdidaktischen Säule bei Hauptschullehrkräften),

- die angestrebte erhöhte Durchlässigkeit zwischen den Lehrämtern,

- das Bekenntnis zu einer auf universitärem Niveau angesiedelten
Lehrer/innen/bildung und zu klaren Impulsen für eine diesbezügliche
Weiterentwicklung der Pädagogischen Hochschulen,
die Stärkung der Agenden der Lehrer/innen/bildung an den
Universitäten.

Diskussionsbedarf besteht vor allem in der Frage der fachlichen
und fachdidaktischen Ausbildung der Lehrkräfte, für die empirisch
belegt ist, dass sie auf die Lernfortschritte der Schüler/innen
großen Einfluss hat, sowie hinsichtlich der Absicherung des
universitären Niveaus der Lehrer/innen/bildung.

Abzulehnen ist

- ein vermeintlich "freier" Wettbewerb um die Trägerschaft in der
Lehrer/innen/bildung, wenn die Universitäten weiterhin
unterfinanziert bleiben. Stattdessen muss ein gemeinsames Budget
beider Ministerien für die Reform zur Verfügung gestellt werden.

- die Reduktion der fachlichen und fachdidaktischen Ausbildung der
Oberstufenlehrkräfte, die das Ausbildungsniveau in den mittleren und
höheren Schulen und in der Folge auch die Studierfähigkeit der
Schüler/innen gefährdet,

- die Vorgabe, mindestens 25 % des Ausbildungspersonals müssten eine
mehr als fünfjährige pädagogische-praktische Ausbildung, aber
ebenfalls nur 25 % ein Doktorat haben. Derartige Personalstrukturen
sind einer akademischen Einrichtung unangemessen.

- eine Trägerschaft durch Institutionen ohne einen Mindestanteil an
habilitiertem Lehrpersonal,

- ein "Master-Studium", das seinem Wesen nach kein akademisches
Studium, sondern eine ausgebaute Form des derzeitigen
Unterrichtspraktikums ist und keinen Anschluss an Doktoratsstudien
auf hohem Niveau ermöglicht,

- jeder Versuch der inhaltlichen Begrenzung der Forschungsaktivitäten
an lehrer/innen/bildenden Einrichtungen,

- die Zersplitterung der Ausbildung auf mehrere Institutionen, weil
dies die Integration der "Säulen" der Lehrer/innen/bildung
(Fachwissenschaft, Fachdidaktik, Pädagogik, schulpraktische Studien)
gefährden würde. Lehrer/innen/bildende Einrichtungen müssen die
gesamte curriculare Bandbreite anbieten können, ohne Teilbereiche aus
anderen Institutionen "importieren" zu müssen.

Weiterer Diskussion bedarf

- das zu große Volumen und die vage inhaltliche Ausgestaltung des
derzeit unsystematisch und stichwortartig umrissenen "gemeinsamen
pädagogischen Kerns",

- der im europäischen Vergleich immer noch eher gering angesetzte
fachliche und fachdidaktische Ausbildungsanteil bei den
Pflichtschullehrkräften,

- das Verfahren der Eingangsauslese, das in den "pädagogischen Kern"
des Bachelorstudiums integriert werden soll, womit keine Verfahren
der Studierfähigkeitsprüfung in Frage kämen, die vor Studienbeginn zu
greifen haben (Absicherung der grundsätzlichen fachlichen Eignung,
Notendurchschnitt der Reifeprüfung, Studienfähigkeitstests),

- die Funktion und Dauer von Praxisphasen während des
Bachelorstudiums, zu denen das Papier derzeit keine Aussagen trifft,

- die Durchlässigkeit der Lehramtsstudien nicht nur zu anderen
Lehramtsstudien, sondern auch zu Nicht-Lehramtsstudien im
fachwissenschaftlichen, aber auch im
allgemein-erziehungswissenschaftlichen Bereich,

- der gesamte Komplex der Berufspädagogik, der Wirtschaftspädagogik
und der Kunst- und Musikuniversitäten. Für diese Bereiche müssen
Lösungen geschaffen werden, die den dort gegebenen Besonderheiten
Rechnung tragen und vorhandene best-practice-Ansätze nicht zerstören.

Die Universitäre Plattform für Lehrer/innen/bildung bietet dem
einzurichtenden Entwicklungsrat ausdrücklich die Bereitschaft zur
Zusammenarbeit und die Bereitstellung ihrer Expertise an.

Rückfragehinweis:

a.o. Univ.-Prof. Dr. phil. Mag. art. Ruth Mateus-Berr
   Senatsvorsitzende der Universität für angewandte Kunst Wien
   Institut für Kunstwissenschaften, Kunstpädagogik und Kunstvermittlung
   Abteilung DAE Design, Architektur Environment
   Oskar Kokoschkaplatz 2, 1010 Wien
   [email protected], Tel: +43-1-71133-2731
   www.dieangewandte.at 
   
   Univ.-Prof. Mag. Dr. Ilse Schrittesser 
   Universität Innsbruck 
   Fakultät für Bildungswissenschaften 
   Institut für LehrerInnenbildung und Schulforschung 
   Innrain 52 , A-6020 Innsbruck 
   [email protected] 
   Tel.: +43 512 - 507 - 4661 
   
   Presse:
   Universität für angewandte Kunst Wien
   Leitung: Presse und Kommunikation 
   Mag. Anja Seipenbusch-Hufschmied
   T: +43-1-711 33 DW 2160, [email protected]
   www.dieangewandte.at

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