- 28.06.2011, 19:43:41
- /
- OTS0359 OTW0359
"Kleine Zeitung" Kommentar: "Spindelegger hat Modul Bildung doch bestanden" (Von Eva Weissenberger)
Ausgabe vom 29.06.2011
Graz (OTS) - Würde die Bundesregierung, die Oberstufe der
heimischen Politik, nach dem Modulsystem arbeiten, stünde im Zeugnis
des Vizekanzlers: Michael Spindelegger hat das Modul Bildungspolitik
doch noch bestanden.
Die Bundesregierung beschloss gestern die Oberstufenreform. In
Zukunft wiederholen Schüler nicht mehr ganze Klassen, nicht einmal
den ganzen Jahresstoff eines Faches, sondern lernen nur mehr das
Modul nach, in dem sie nicht genügt haben. Dafür nützt ein Einser in
Geometrie im Wintersemester nichts, wenn man Algebra im
Sommersemester nicht kapiert. Begabte ziehen Module vor, um in
einzelnen Fächern früher zu maturieren und schon Univorlesungen zu
belegen, während sich die Klassenkameraden noch mit dem Stoff der 7.
Klasse plagen.
Genau das haben Sie in dieser Zeitung schon vor zwei Wochen gelesen?
Stimmt, sehr aufmerksam - nur Spindelegger wollte das nicht
verstehen. Dabei trennt bei diesem Thema nicht einmal ein
ideologischer Graben die Lager: Alle wollen schlechte Schüler
fördern, gute fordern und Noten nicht verschenken. Eine Revolution
ist das Modulsystem nicht, dafür hätte man den Klassenverband nach
amerikanischem Vorbild auflösen und ein echtes Kurssystem einführen
müssen.
Also gab es ein bisschen Getue und, damit Spindelegger sein Gesicht
wahren kann, wurde eine Nuance verändert: Mit drei Fünfern steigt man
nicht mehr automatisch auf, sondern nur, wenn die Lehrerkonferenz
zustimmt, und das nur ein Mal. Was in der Praxis keinen Unterschied
bewirken wird, denn, dass ein Schüler sechs Module oder mehr noch
aufholen könnte, wäre auch nach dem ursprünglichen Plan die Ausnahme
von der Ausnahme geblieben. Das zeigen die einschlägigen
Schulversuche: In der neuen Oberstufe geben fast genauso viele
Schüler auf wie bisher, aber diejenigen, die bleiben, kommen
schneller ans Ziel.
Eh alles paletti? Spindelegger wollte den Anwalt der Leistungsstarken
spielen und hat dabei eine der wenigen Leistungen, welche die
Koalition in diesem Schuljahr vorweisen kann, schlechtgeredet. Er hat
den Eindruck vermittelt, Partei- sei ihm wichtiger als
Bildungspolitik. Aber gut, um im Bild zu bleiben, er ist ja der
Vorzugsschüler aus der 6. Klasse, der erst zu Ostern in die 7.
versetzt wurde.
Warum ihn Werner Faymann bei der Wählerverwirrung unterstützt hat,
bleibt des Kanzlers Geheimnis. Bang blickt man dem Modul Bundesheer
im Wintersemester entgegen. Das haben dieses Semester beide
geschwänzt.****
Rückfragehinweis:
Kleine Zeitung, Redaktionssekretariat, Tel.: 0316/875-4032, 4033, 4035, 4047, mailto:[email protected], http://www.kleinezeitung.at
OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | PKZ






