• 28.06.2011, 18:15:31
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: China und die Rache der Geschichte - von Wolfgang Unterhuber

Die Währungsunion wird nicht auseinanderfallen. Sagen die Chinesen

Wien (OTS) - In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts nahm die
negative Handelsbilanz der europäischen Großmächte mit China
dramatische Ausmaße an. Den begehrten Importwaren Tee und Seide
hatten die Europäer nichts entgegenzusetzen. Der Devisenabfluss
führte zu Silberverknappung samt krisenhaften Zuständen. Erst die
Briten lösten das Problem: Sie wurden Drogenhändler. Aus Indien
exportierten sie auf illegalen Wegen Tonnen von Opium ins Reich der
Mitte. Als sich China wehrte, kam es zu den sogenannten Opiumkriegen.
An deren Ende war China gleichsam eine europäische Kolonie. Das
führte in Folge zum Untergang der Monarchie. Aus der anschließenden
Epoche der Bürgerkriege ging die Kommunistische Partei China (KPCh)
bekanntlich als Siegerin hervor.

Kommenden Freitag feiert die KPCh ihr 90-jähriges Bestehen. Passend
dazu hat sich Ministerpräsident Wen Jiabao dieser Tage einen
Triumphzug gegönnt - durch Europa. Der Regierungschef der
zweitstärksten Wirtschaftsmacht der Welt wurde auf all seinen
Stationen gefeiert - aus gutem Grund. In London versprach er, dass
sein Land europäischen Krisenländern mit Krediten helfen und in
europäische Staatsanleihen investieren werde. Kein Grund zur Sorge,
assistierten die Manager der China Investment Corporation. Der
Staatsfonds, der rund 300 Milliarden Euro verwaltet, stehe Gewehr bei
Fuß. Die Währungsunion werde nicht auseinanderfallen, so die
Chinesen. Dass ihren Worten Taten folgen, haben sie bewiesen. Bei
seinem Besuch in Ungarn hat Wen Jiabao sozusagen nebenbei ein paar
Milliarden Euro fallen lassen. Ungarns Regierungschef Viktor Orban
sprach dabei von einer Finanzhilfe von "historischer" Größe. Und in
Deutschland begrüßte Wirtschaftsminister Philipp Rösler ausdrücklich
die Möglichkeit von Übernahmen deutscher Unternehmen durch die
Chinesen.

So ist das also in Europa. Wenn man die eigene Peripherie vermutlich
nicht mehr halten kann und man nach der Theorie des Historikers Paul
Kennedy damit als politische und ökonomische Macht seinen Niedergang
einleitet - dann greift man nach jedem Rettungsanker. Im Unterschied
zu den Europäern haben die turbokapitalistischen Kommunisten in
Peking aus der Geschichte gelernt. Auch sie führen einen Opiumkrieg.
Ihr Opium heißt Geld. China ist bereits der größte Gläubiger der USA.
In ungefähr zehn Jahren wird China die USA als führende
Wirtschaftsmacht abgelöst haben, sagen Experten. Dann ist die KPCh
100 Jahre alt. Der rote Teppich liegt bereit. In Washington, London,
Berlin...

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