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"Kleine Zeitung" Kommentar: "Die Schwäche der Regierenden" (Von Stefan Winkler)
Ausgabe vom 24.6.2011
Graz (OTS) - Man kann es gar nicht oft genug sagen. Die größte
Schwäche Europas in der Krise ist das Versagen seiner politischen
Eliten.
Ihr Zögern und Taktieren, ihre Ratlosigkeit und ihr Unvermögen, zu
Hause glaubhaft zu erklären, warum sie mit immer neuen
Milliardenkrediten Griechenland offenbar um jeden Preis vor dem
Bankrott retten wollen, nährt nicht nur das Misstrauen der Märkte. Es
untergräbt vor allem das Vertrauen ihrer Bürger, auf dem die
Europäische Union aufbaut.
Um Missverständnissen vorzubeugen: Dass um Geld gestritten wird, ist
die natürlichste Sache der Welt, vor allem dann, wenn es sich um
aberwitzige Summen handelt, die sich dem Vorstellungsvermögen
Normalsterblicher entziehen.
Was in diesen Tagen Europa aber mehr denn je fehlt, ist ein Kutscher,
der mit Umsicht, diplomatischem Geschick und der nötigen Härte die in
alle Windrichtungen zerrenden Kräfte zügelt und dem führerlos über
Stock und Stein holpernden Gefährt eine grundsätzliche Orientierung
gibt.
Seit Beginn der europäischen Einigung war der Platz am Kutschbock den
zwei bedeutendsten Ländern der Union, Deutschland und Frankreich,
vorbehalten. Aber gerade deren Führungsfiguren haben sich in der
Krise als Problem erwiesen. Die eine mit ihrem Zaudern, der andere
mit seiner Unberechenbarkeit. Angela Merkel und Nicolas Sarkozy haben
großen Anteil am Hü und Hott, das die Märkte so sehr irritiert.
Zu seinen besten Zeiten hätte der Luxemburger Jean-Claude Juncker in
die Bresche springen können. Aber der Vorsitzende der Euro-Länder
wirkt verbittert und resigniert. Eine europäische Karriere haben ihm
die Großen versagt. In der Krise unterliefen ihm nun schlimme
Kommunikationsfehler.
Wenig zu erwarten ist auch von den Spitzen der europäischen
Institutionen, Ratspräsident Herman Van Rompuy und Kommissionschef
José Manuel Barroso. Während der Belgier mit der Diskretion eines
Hinterzimmer-Mandarins zwischen den Mitgliedsstaaten zu vermitteln
versucht und am Ende doch nur das tut, was Deutschland und Frankreich
von ihm wünschen, war der Portugiese in der Krise von Beginn an
abgemeldet. Ein anderer würde sich nicht so leicht kaltstellen
lassen. Aber jetzt rächt es sich, dass die Regierungschefs seinerzeit
bei Barrosos Bestellung ein Geschöpf wollten und keinen Schöpfer.
Europa hat die Regierenden, die es verdient, wäre man da versucht zu
sagen. Aber die Zeiten sind nicht normal, und das macht das Vakuum an
der Spitze der Europäischen Union so gefährlich.****
Rückfragehinweis:
Kleine Zeitung, Redaktionssekretariat, Tel.: 0316/875-4032, 4033, 4035, 4047, mailto:[email protected], http://www.kleinezeitung.at
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