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Wiener Zeitung: Leitartikel von Reinhard Göweil: "Kuriose Welt des Geldes"
Ausgabe vom 24. Juni 2011
Wien (OTS) - "Die Folgen sind nicht absehbar." Diese Antwort ist
sehr häufig zu hören auf die häufig gestellte Frage, was wohl
passieren würde, wenn Griechenland pleiteginge. Das Hauptproblem ist
dabei gar nicht so sehr Griechenland selbst, sondern die weitgehend
unbekannte weltweite Vernetzung der Finanzströme. Wenn das Land
pleitegeht, sind auch die griechischen Banken am Ende. Das wird
deutschen und französischen Banken sehr weh tun, aber sie nicht
umbringen.
Das eigentliche Problem sind aber die vielen derivativen
Finanzprodukte dazu, die quer über den Globus gehandelt werden. Wer
etwa die berüchtigten "Kreditausfallversicherungen" hält, ist
weitgehend unbekannt. Es könnte also durchaus sein, dass irgendwo auf
der Welt eine Bank umfällt, weil sie den Ausfall versichert hat. Und
das wieder droht zu einer Kettenreaktion zu werden - ein Szenario,
das der Pleite von Lehman im Oktober 2008 ähnelt. Damals mussten
weltweit viele Banken mit staatlicher Hilfe aufrechterhalten werden.
Es geht also bei der Vermeidung einer Griechenland-Pleite
kurioserweise um den Schutz jener Finanzinstitute, die das
südeuropäische Land derzeit ausweiden wie die Hyänen ein Aas.
Warum das getan wird? Die Antwort darauf ist um nichts weniger
kurios: Um das Vertrauen der Märkte in die Eurozone nicht zu
erschüttern. Genau diese Märkte (die übrigens Transparenz nicht
besonders lieben, diese Kreditausfallversicherungen werden bilateral
gehandelt, aber auf keinem Börseplatz) leben aber davon, dass
irgendwo Vertrauen erschüttert ist. Je größer die Unsicherheit, desto
höher die Gewinnmarge.
Das einzige Argument, ein solches System am Leben zu halten, ist das
Faktum, dass es kein anderes gibt. Planwirtschaft und staatlich
verordnetes Wohlstandsniveau hatten wir schon - es ist Ende der
1980er zusammengebrochen.
Wenn also Griechenland gerettet wird, dann werden die Finanzmärkte -
sprich Banken, Händler, Investmentgesellschaften - gerettet. Zum Dank
nehmen diese "Märkte" von den Griechen 20 Prozent Zinsen. Um in diese
Struktur einzugreifen, gibt es nur einen Weg: Diese Produkte gehören
schlicht und ergreifend verboten. Es gibt Lebensversicherungen
gesetzlich vorgeschriebene Obergrenzen für bestimmte Investments. Bei
Staatsanleihen gibt es keinerlei Reglements. Wie man so etwas nennt?
Stimmt - kurios...
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