Blecha und Moitzi: Aktien für sichere Pensionen völlig ungeeignet - private Pensionsvorsorge ist reine Abzocke!

Generationen-Dialog über Ausbildung, Arbeitswelt, Einkommen, Pensionen, Finanzierung der Sozialsysteme

Wien (OTS/SK) - "Wir brauchen eine bessere Ausbildung. Wir
brauchen eine Reform der Arbeitswelt, damit wir länger und gesünder arbeiten können und flachere Gehaltsverläufe, damit Jüngere mehr Geld für die Existenzgründung zur Verfügung haben. Wir brauchen wertgesicherte Pensionen, für die heutigen Pensionisten und auch für die Pensionisten von morgen und übermorgen! - so lässt sich der Generationen-Dialog, der gestern Abend im Grazer Kulturcafé stattfand, zusammenfassen. ****

Pensionistenverbands-Präsident Karl Blecha geißelte die private Pensionsvorsorge als "reine Abzocke". "Aktienspekulation ist für Pensionsvorsorge ungeeignet! Wenn die Jungen das Geld, das ihnen die Versicherungen und Banken für private Pensionsvorsorge abgeknöpft haben, auf ein Sparbuch gelegt hätten, hätten sie mehr Geld", so Blecha, der die Streichung der staatlichen Prämie forderte: "Das ist Geld, das nicht bei den Jungen landet, sondern bei den Banken und Versicherungen für Verwaltung, Werbung und Agitation gegen die gesetzliche Pensionsversicherung aufgewendet wird. Ohne Prämienstreichung bekommen wir die Privatversicherer nie an den Verhandlungstisch, um ordentliche Bedingungen der privaten Vorsorge zu erreichen." Blecha plädierte für die Stärkung der starken staatlichen Umlage-finanzierten Pensionssäule. "Dieses Pensionssystem hat sich als einziges in der Krise bewährt. Die Pensionen sind auch in Zukunft sicher, wenn es Wachstum und Beschäftigung gibt und die Menschen länger arbeiten KÖNNEN. Daher brauchen wir eine Reform der Arbeitswelt, denn heute gelten Arbeitnehmer über 50 als zu alt und zu teuer und werden von den Unternehmen reihenweise in die Pension geschickt oder werden krank", prangerte Blecha an.

SJ-Chef Wolfgang Moitzi nahm den Ball auf und verlangte "flachere Gehaltskurven". "Gerade als junger Mensch während der Existenzgründung verdient man zu wenig. Und auch die älteren Dienstnehmer leiden darunter, dass sie als 'zu teuer' gelten", so Moitzi. "Nachdem in nächster Zeit vor allem im Öffentlichen Dienst ein deutlicher Generationswechsel vor der Tür steht, bietet sich jetzt eine diesbezügliche Reform an, denn irgendwann muss sie ja angegangen werden!", so Moitzi. Der SJ-Chef ging auch auf das Pensionssystem ein: "Viele Junge zweifeln daran, ob sie einmal eine Pension bekommen werden. Und sie verdrängen das jetzt noch. Deshalb darf das staatliche Pensionssystem nicht krankgejammert werden, sondern muss auch bei den Jungen als attraktives und sicheres System gelten", so der Juso-Vorsitzende. Moitzi forderte, dass die schlechtesten 10 Jahre der künftighin lebenslangen Durchrechnung bei der Pensionsberechnung herausgenommen werden. "Das sind die Zeiten der Berufspraktika, der Ferialjobs, der Ausbildung, der Kindererziehung. Diese senken das Pensionsniveau deutlich. Aber wir Junge brauchen Pensionen, von denen wir leben können", so Moitzi. PVÖ-Präsident Karl Blecha unterstützt dieses Forderung: "Früher galten 'die besten 15 Jahre'. Im Sinne der Generationen-Solidarität sollen in Zukunft die schlechtesten 10 Beitragsjahre unberücksichtigt bleiben."

Junge und Ältere sprachen sich gegen die Darstellung der Generationenpolitik aus: "Da werden aus politischen oder wirtschaftlichen Interessen Junge gegen Ältere ausgespielt und auseinanderdividiert. Die Privatversicherer und Banken machen das öffentliche Pensionssystem madig weil sie sich ein lukratives Geschäft für ihre Vorsorgeprodukte erwarten. Selbsternannte Pensionsexperten sind mediengeil und die Medien geiern nach Schlagzeilen im Stile von 'Krieg der Generationen', so Blecha und Moitzi unisono. "Dem wollen wir mit unserer Veranstaltungsreihe 'Dialog der Generationen' entgegentreten, aufklären, diskutieren und argumentieren", so die Jugend- und Seniorenvertreter.

Blecha mahnte europäisches Denken in den Reformbestrebungen ein. "Wo ist die Lissabon Strategie? Wo ist die europäische Arbeitsmarkt-Politik? In Europa reden wir heute von Staatsdefiziten und vergessen darauf, für Arbeit, Beschäftigung, Wachstum und soziale Gerechtigkeit zu sorgen", kritisierte Blecha. "Die Rechnung der Krise haben die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer und die Pensionisten bezahlen müssen, obwohl sie sie nicht verschuldet haben. Banken und Versicherungen machen aber schon wieder Rekordgewinne und deren Manager streifen ungeniert absurde Bonusgelder ein. Das lassen sich die Menschen nicht mehr gefallen", so Blecha kämpferisch. Blecha kündigte auch in Österreich einen heißen Herbst an: "Wir stehen vor großen Entscheidungen - wie geht es mit Bildung und Ausbildung weiter? Wie mit dem Gesundheits-, Spitals und Pflegewesen? Wie entwickelt sich die Teuerung, unter der Junge und Ältere stöhnen? Wie können Betriebe in die Pflicht genommen werden, um Zwangspensionierungen abzustellen und gesundes, längeres Arbeiten ermöglichen? Wie schaut die Pensionsanpassung für 2012 aus? In welche Richtung geht unser Steuersystem? Wir haben hier als Pensionistenverband klare Vorstellungen, die wir überall deponiert haben!", so Blecha abschließend.

SJ-Vorsitzender Moitzi setzt sich für eine gesetzliche Absicherung bei den Berufspraktika ein: "Das, was sich heute bei den Praktika abspielt, ist moderne Sklaverei! Wir brauchen hier sichere und astreine Verhältnisse. Deshalb fordere ich ein Berufspraktika-Gesetz!"

Blecha und Moitzi waren sich einig, "dass die Sozialsysteme langfristig finanziell abgesichert werden müssen. "Das geht in einer globalisierten Wirtschaft aber nicht mehr über den Faktor Arbeit", sind sich Blecha und Moitzi einig und folgern: "Die gesamte Wertschöpfung muss hier einbezogen werden!" Besonders ins Visier genommen wurden die Spekulanten: "Ihnen muss international das Handwerk gelegt werden. Sie treiben Energie- und Nahrungsmittelpreise in die Höhe, erzeugen Hunger, Armut und Teuerung; streifen absurde Gewinne ein und zahlen keinen Cent in die Sozialtöpfe! Das muss sich radikal ändern, ein Weg dazu ist die internationale Transaktionssteuer", so Blecha und Moitzi abschließend. (Schluss) up/mp

Rückfragehinweis: Andy Wohlmuth, Pensionistenverband Österreichs, Tel. 01/313 72 DW 30, Email: andy.wohlmuth@pvoe.at

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