- 21.06.2011, 14:28:18
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Blecha und Moitzi: Aktien für sichere Pensionen völlig ungeeignet - private Pensionsvorsorge ist reine Abzocke!
Generationen-Dialog über Ausbildung, Arbeitswelt, Einkommen, Pensionen, Finanzierung der Sozialsysteme
Wien (OTS/SK) - "Wir brauchen eine bessere Ausbildung. Wir
brauchen eine Reform der Arbeitswelt, damit wir länger und gesünder
arbeiten können und flachere Gehaltsverläufe, damit Jüngere mehr Geld
für die Existenzgründung zur Verfügung haben. Wir brauchen
wertgesicherte Pensionen, für die heutigen Pensionisten und auch für
die Pensionisten von morgen und übermorgen! - so lässt sich der
Generationen-Dialog, der gestern Abend im Grazer Kulturcafé
stattfand, zusammenfassen. ****
Pensionistenverbands-Präsident Karl Blecha geißelte die private
Pensionsvorsorge als "reine Abzocke". "Aktienspekulation ist für
Pensionsvorsorge ungeeignet! Wenn die Jungen das Geld, das ihnen die
Versicherungen und Banken für private Pensionsvorsorge abgeknöpft
haben, auf ein Sparbuch gelegt hätten, hätten sie mehr Geld", so
Blecha, der die Streichung der staatlichen Prämie forderte: "Das ist
Geld, das nicht bei den Jungen landet, sondern bei den Banken und
Versicherungen für Verwaltung, Werbung und Agitation gegen die
gesetzliche Pensionsversicherung aufgewendet wird. Ohne
Prämienstreichung bekommen wir die Privatversicherer nie an den
Verhandlungstisch, um ordentliche Bedingungen der privaten Vorsorge
zu erreichen." Blecha plädierte für die Stärkung der starken
staatlichen Umlage-finanzierten Pensionssäule. "Dieses Pensionssystem
hat sich als einziges in der Krise bewährt. Die Pensionen sind auch
in Zukunft sicher, wenn es Wachstum und Beschäftigung gibt und die
Menschen länger arbeiten KÖNNEN. Daher brauchen wir eine Reform der
Arbeitswelt, denn heute gelten Arbeitnehmer über 50 als zu alt und zu
teuer und werden von den Unternehmen reihenweise in die Pension
geschickt oder werden krank", prangerte Blecha an.
SJ-Chef Wolfgang Moitzi nahm den Ball auf und verlangte "flachere
Gehaltskurven". "Gerade als junger Mensch während der
Existenzgründung verdient man zu wenig. Und auch die älteren
Dienstnehmer leiden darunter, dass sie als 'zu teuer' gelten", so
Moitzi. "Nachdem in nächster Zeit vor allem im Öffentlichen Dienst
ein deutlicher Generationswechsel vor der Tür steht, bietet sich
jetzt eine diesbezügliche Reform an, denn irgendwann muss sie ja
angegangen werden!", so Moitzi. Der SJ-Chef ging auch auf das
Pensionssystem ein: "Viele Junge zweifeln daran, ob sie einmal eine
Pension bekommen werden. Und sie verdrängen das jetzt noch. Deshalb
darf das staatliche Pensionssystem nicht krankgejammert werden,
sondern muss auch bei den Jungen als attraktives und sicheres System
gelten", so der Juso-Vorsitzende. Moitzi forderte, dass die
schlechtesten 10 Jahre der künftighin lebenslangen Durchrechnung bei
der Pensionsberechnung herausgenommen werden. "Das sind die Zeiten
der Berufspraktika, der Ferialjobs, der Ausbildung, der
Kindererziehung. Diese senken das Pensionsniveau deutlich. Aber wir
Junge brauchen Pensionen, von denen wir leben können", so Moitzi.
PVÖ-Präsident Karl Blecha unterstützt dieses Forderung: "Früher
galten 'die besten 15 Jahre'. Im Sinne der Generationen-Solidarität
sollen in Zukunft die schlechtesten 10 Beitragsjahre unberücksichtigt
bleiben."
Junge und Ältere sprachen sich gegen die Darstellung der
Generationenpolitik aus: "Da werden aus politischen oder
wirtschaftlichen Interessen Junge gegen Ältere ausgespielt und
auseinanderdividiert. Die Privatversicherer und Banken machen das
öffentliche Pensionssystem madig weil sie sich ein lukratives
Geschäft für ihre Vorsorgeprodukte erwarten. Selbsternannte
Pensionsexperten sind mediengeil und die Medien geiern nach
Schlagzeilen im Stile von 'Krieg der Generationen', so Blecha und
Moitzi unisono. "Dem wollen wir mit unserer Veranstaltungsreihe
'Dialog der Generationen' entgegentreten, aufklären, diskutieren und
argumentieren", so die Jugend- und Seniorenvertreter.
Blecha mahnte europäisches Denken in den Reformbestrebungen ein. "Wo
ist die Lissabon Strategie? Wo ist die europäische
Arbeitsmarkt-Politik? In Europa reden wir heute von Staatsdefiziten
und vergessen darauf, für Arbeit, Beschäftigung, Wachstum und soziale
Gerechtigkeit zu sorgen", kritisierte Blecha. "Die Rechnung der Krise
haben die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer und die Pensionisten
bezahlen müssen, obwohl sie sie nicht verschuldet haben. Banken und
Versicherungen machen aber schon wieder Rekordgewinne und deren
Manager streifen ungeniert absurde Bonusgelder ein. Das lassen sich
die Menschen nicht mehr gefallen", so Blecha kämpferisch. Blecha
kündigte auch in Österreich einen heißen Herbst an: "Wir stehen vor
großen Entscheidungen - wie geht es mit Bildung und Ausbildung
weiter? Wie mit dem Gesundheits-, Spitals und Pflegewesen? Wie
entwickelt sich die Teuerung, unter der Junge und Ältere stöhnen? Wie
können Betriebe in die Pflicht genommen werden, um
Zwangspensionierungen abzustellen und gesundes, längeres Arbeiten
ermöglichen? Wie schaut die Pensionsanpassung für 2012 aus? In welche
Richtung geht unser Steuersystem? Wir haben hier als
Pensionistenverband klare Vorstellungen, die wir überall deponiert
haben!", so Blecha abschließend.
SJ-Vorsitzender Moitzi setzt sich für eine gesetzliche Absicherung
bei den Berufspraktika ein: "Das, was sich heute bei den Praktika
abspielt, ist moderne Sklaverei! Wir brauchen hier sichere und
astreine Verhältnisse. Deshalb fordere ich ein
Berufspraktika-Gesetz!"
Blecha und Moitzi waren sich einig, "dass die Sozialsysteme
langfristig finanziell abgesichert werden müssen. "Das geht in einer
globalisierten Wirtschaft aber nicht mehr über den Faktor Arbeit",
sind sich Blecha und Moitzi einig und folgern: "Die gesamte
Wertschöpfung muss hier einbezogen werden!" Besonders ins Visier
genommen wurden die Spekulanten: "Ihnen muss international das
Handwerk gelegt werden. Sie treiben Energie- und Nahrungsmittelpreise
in die Höhe, erzeugen Hunger, Armut und Teuerung; streifen absurde
Gewinne ein und zahlen keinen Cent in die Sozialtöpfe! Das muss sich
radikal ändern, ein Weg dazu ist die internationale
Transaktionssteuer", so Blecha und Moitzi abschließend. (Schluss)
up/mp
Rückfragehinweis: Andy Wohlmuth, Pensionistenverband Österreichs,
Tel. 01/313 72 DW 30, Email: [email protected]
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Tel.: 01/53427-275
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