• 21.06.2011, 12:35:56
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Bildung mit Zukunft - Bildungskampagne der SP Oberösterreich

Bessere Schule für alle 6- bis 15-Jährigen!

Linz (OTS) - Das Jahr 2011 steht für die SPÖ Oberösterreich im
Zeichen der "Bildung mit Zukunft". Es geht um gerechte
Bildungschancen für alle. "Unser vorrangiges Ziel ist eine bessere
Schule für alle 6- bis 15-Jährigen. Eine Schule ohne Stress, ohne
Hausübungen und ohne Nachhilfe. Eine Schule, in der unsere Kinder die
Freude am Lernen ausleben können, mit bestens ausgebildeten
LehrerInnen, für die wir ebenfalls die besten Rahmenbedingungen
schaffen müssen, die sie für ihre Arbeit brauchen! Wir wollen eine
neue Lern- und Lehrkultur, bei der das Stärken von Fähigkeiten,
Begabungen, Talenten und Interessen steht. Es geht um gleiche
Bildungschancen für alle!", fasst SPÖ-Landesvorsitzender LH-Stv.
Josef Ackerl in einer Pressekonferenz mit der Vorsitzenden der
SPÖ-Landesbildungsorganisation und Vizepräsidentin des
Oö.Landesschulrats, Dr.in Brigitte Leidlmayer, die Schwerpunkte der
jetzt von der SPÖ Oberösterreich gestarteten landesweiten Kampagne
"Bildung mit Zukunft" zusammen.

Die Hauptforderungen:

\x{2588} Erste Weichenstellung über den Bildungsweg erst mit 14 nach
eingehender Beratung. Eine derart weitreichende Entscheidung mit 10
ist zu früh.

\x{2588} Jede zweite Schule sollte ganztägig geführt werden, wobei sich
Unterricht, Lern- und Freizeit mehrmals am Tag abwechseln. Damit die
Eltern die echte Entscheidungsfreiheit haben.

\x{2588} Gleiches Bildungsangebot in jedem Bezirk. Damit es keine regionalen
Benachteiligungen gibt.

\x{2588} Bestens ausgebildete und motivierte LehrerInnen, für die beste
Rahmenbedingungen geschaffen werden müssen.

\x{2588} Freundliches und kindgerechtes Lernumfeld, damit Lernen Freude
macht.

Ackerl: "Uns geht es darum, unseren Kindern universelle Bildung zu
vermitteln, die ihnen alle Chancen im Leben eröffnet. Bildung ist
eine der wichtigsten Grundlagen unseres Zusammenlebens. Ein gutes
Bildungssystem, insbesondere eine gute Schule, ist ein wesentlicher
Aspekt unserer Auffassung von einer gerechten Gesellschaft".

Plädoyer für die Ganztagsschule

" Eltern müssen verstärkt Druck machen, dass ihre Kinder zu ihrem
Recht kommen. LehrerInnen als AnwältInnen der SchülerInnen müssen
exakt formulieren, was sie für eine derartige Schule brauchen.
LehrerInnen und SchülerInnen brauchen die notwendigen Ressourcen und
die entsprechenden Räume für einen zukunftsweisenden Unterricht. Wir
brauchen noch mehr PädagogInnen, die Leuchttürme der Ganztagsschulen
im Land errichten, an denen sich andere orientieren können, wir
brauchen engagierte Eltern und PädagogInnen, die es vormachen, wie es
geht. Dann entsteht die Sehnsucht nach anderen Orten des Lernens,
dann kann Angst genommen und der notwendige Elan aufgebaut werden,
damit Schulen und PädagogInnen, die es anders machen wollen, das auch
tatsächlich tun können. Ich setze mich dafür ein", so die Vorsitzende
der SPÖ-Landesbildungsorganisation, Dr.in Brigitte Leidlmayer.

Kinder benötigen Aufgaben, an denen sie wachsen können, Vorbilder, an
denen sie sich orientieren können und Gemeinschaften, in denen sie
sich aufgehoben fühlen. Die oberösterreichische Sozialdemokratie
fordert innovative Schulen, die sich die Vielfalt als Stärke nutzbar
machen, die sich nach den Bedürfnissen der Kinder und Jugendlichen
statt nach ihren Schwächen orientieren und Ungerechtigkeiten aufgrund
der Herkunft beseitigen. Die Schulwahlsorgen der Eltern müssen bis
ans Ende der Schulpflicht hinausgeschoben werden, da sich das
Begabungsprofil der Heranwachsenden viel deutlicher zu diesem
Zeitpunkt abzeichnet als am Ende der Grundschule.

Die sehr begabten SchülerInnen erleiden in heterogenen Klassen keine
Leistungseinbußen. Das beweisen die hochentwickelten Länder, die ihre
SchülerInnen während der gesamten Pflichtschulzeit gemeinsam
unterrichten.

Mehr Chancengleichheit im österreichischen Bildungswesen!

Zahlreiche Untersuchungen bescheinigen Österreich ein hochselektives
Schulsystem. Besonders interessant in diesem Zusammenhang ist die
Studie des Educational Policy in Washington, in der 13 Staaten
hinsichtlich der Leistbarkeit und Zugänglichkeit von Hochschulstudien
verglichen wurden. Österreich ist Schlusslicht unter den 13 Staaten
aufgrund der elitären Zusammensetzung seiner Studentenschaft. In
keinem anderen Land wird Bildung so stark "vererbt" wie in
Österreich, in keinem anderen der 13 Staaten haben Kinder aus sozial
schwachen Schichten so geringe Chancen auf ein Universitätsstudium.
Ein Grund dafür ist die frühe, ungerechte Entscheidung zwischen AHS
und Hauptschule.

Kurzum: Die konservative Schule, in der die Trennung in gute und
schlechte SchülerInnen System ist, in der Schwache stigmatisiert
werden, ist rasch durch eine gemeinsame Schule bis zum Ende der
Schulpflicht zu ersetzen.

Ganztägige Schulen

Österreich ist eines der letzten Länder Europas mit der
Halbtagsschule als Grundform. Erst als Österreich mit der
Halbtagsschule im internationalen Vergleich weit ins Hintertreffen
geraten war und erst als die internationalen Vergleichsuntersuchungen
(z.B. PISA) nicht zufriedenstellende Leistungen und eine völlige
Schieflage, was die Chancengleichheit in Österreich anlangt,
aufzeigten, wurden viele Bildungsverantwortliche einschließlich der
Wirtschaft aufgerüttelt, dagegen etwas zu unternehmen. Das was
fortschrittliche PädagogInnen und die SPÖ schon seit Jahrzehnten
gefordert haben, nämlich, Ganztagsschulen, beginnt nun in Österreich
langsam zu greifen. Eine Ganztagsschule, die Unterricht, Lernen und
Freizeit über den ganzen Tag verteilt, ist pädagogisch und
lernpsychologisch der Vorrang gegenüber einer reinen
Nachmittagsbetreuung zu geben.

Der Bedarf an qualitativer schulischer Tagesbetreuung für Kinder ist
aufgrund sozioökonomischer Entwicklungen quantitativ gestiegen. Durch
die geänderten gesellschaftlichen Bedingungen (Berufstätigkeit beider
Elternteile, Zunahme der AlleinerzieherInnen, Zunahme der
Einkindfamilien..) ist auch ein Umdenken in der Schule notwendig. Die
Vereinbarkeit von Schule, Beruf und Familie wird in unserer
Gesellschaft immer mehr gefordert.

Es gibt aber auch pädagogische, lernpsychologische,
leistungsbegründete und gesellschaftspolitische Gründe, die eine
Veränderung der Halbtagsschulen in Ganztagsschulen notwendig machen:

Ganztägige Schulformen und Ganztagsbetreuungsangebote unterstützen
die ganzheitliche Entwicklung der SchülerInnen und deshalb ist deren
Ausbau konsequent voranzutreiben. SchülerInnen werden durch die
inhaltliche und organisatorische Abstimmung von Unterrichts- und
Betreuungsteil, durch den altersgemäßen Ablauf von Lern-, Ruhe-,
Spiel-, Förder- und Essenszeiten optimal gefördert und betreut, sowie
in ihrer persönlichen und leistungsbezogenen Entwicklung unterstützt.

Das pädagogische Gesamtkonzept mit Angeboten aus den Bereichen Kunst
und Kultur, Naturwissenschaften und Bewegung fördert Interessen und
Begabungen, sowie Kreativität und stärkt die Persönlichkeit. In der
Halbtagsschule gibt es zu wenig Zeit für die Förderung von Musik,
Sport, Theater, von handwerklichen und sozialen Kompetenzen. Die
permanente Förderung von Kompetenzen kann daher in der Halbtagsschule
nicht ausreichend erfolgen.

In Halbtagsschulen fehlt die Zeit für Wiederholen und Üben. Das
erfolgt derzeit hauptsächlich zu Hause, oft unter Zuhilfenahme von
teuren Nachhilfeinstitutionen für jene, die es sich leisten können.
Sozial schwache Familien sind dazu nicht in der Lage, sodass die
Halbtagsschule das Vorantreiben von Chancengleichheit im
Bildungssystem behindert. Der Integration aller Kulturen, der
Erziehung zu Demokratie und zum Miteinander, der Bekämpfung von
Gewalt und Vorurteilen wird mit der Dehnung der Zeit mehr Raum
gegeben. Soziales und politisches Lernen finden somit statt.

Laut Erhebung der Arbeiterkammer geben Österreichs Familien 2011 rund
127 Millionen Euro für private Nachhilfe aus!

77 % der Eltern sind in ihrer Freizeit HilfslehrerInnen für ihre
Kinder. D.h., sie verrichten die Arbeit von 47.000
Vollzeitbeschäftigten! 27 % der SchülerInnen brauchen private
Nachhilfe! 70.000 Kinder bekommen keine Nachhilfe, obwohl sie eine
brauchen, z.B. aus finanziellen Gründen.

Um Chancengleichheit im österreichischen Bildungswesen herzustellen,
fordert die SPÖ Oberösterreich konkret für die Schule:

Alle weiteren Schritte in Richtung einer gemeinsamen Schule aller
Kinder bis zum 15. Lebensjahr mit innerer Leistungsdifferenzierung
und individueller Begabungsförderung müssen rasch umgesetzt werden.
Die Neue Mittelschule darf nur der nächste Zwischenschritt zur
Gemeinsamen Schule bis zum Ende der Pflichtschulzeit sein. Es darf
kein Zweifel bestehen, dass eine gemeinsame Schule mehr Chancen für
alle Kinder und bessere Ergebnisse bringt.
Außerdem fordern wir einen Rechtsanspruch auf bedarfsgerechten,
kostenlosen Förderunterricht in der Schule, sodass die bestmögliche
Entwicklung aller Begabungen sichergestellt wird und keine
Nachhilfekosten anfallen.

Neun von zehn ÖsterreicherInnen für zügige Schulreform

Eine im Auftrag des Unterrichtsministeriums durchgeführte
IFES-Umfrage zu den Schulreformen zeigt, dass 90 Prozent der
Österreicherinnen und Österreicher eine zügige Schulreform wollen.
"Das ist eine klare Bestätigung dafür, wie wichtig eine Offensive für
bessere Schulen für unsere Kinder ist", so Ackerl und Leidlmayer.

Im Mai 2011 wurden 2000 Eltern, PädagogInnen, SchülerInnen und
Studierende befragt. Dabei zeigte sich der enorme Reformbedarf und
die große Zustimmung zu den geplanten Reformmaßnahmen von
Unterrichtsministerin Claudia Schmied.

92 Prozent sprechen sich dabei für kleinere Klassen,
91 Prozent für Deutschförderkurse auch für einheimische Kinder mit
Sprachdefiziten,
86 Prozent für mehr Deutschförderkurse für Zuwanderer-Kinder,
83 Prozent für Lehre mit Matura,
78 Prozent für den Ausbau der Tagesbetreuung, also für ganztägige
Schulangebote,
76 Prozent für die Verbesserung des Arbeitsplatzes für Lehrkräfte,
74 Prozent für den Ausbau der politischen Bildung an den Schulen und
69 Prozent für ein Kurssystem in der Oberstufe gegen das
Sitzenbleiben aus.

Rückfragehinweis:
SPÖ Oberösterreich, Medienservice
Gerald Höchtler
Tel.: (0732) 772611-22
mailto:[email protected]

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