Bildung mit Zukunft - Bildungskampagne der SP Oberösterreich

Bessere Schule für alle 6- bis 15-Jährigen!

Linz (OTS) - Das Jahr 2011 steht für die SPÖ Oberösterreich im Zeichen der "Bildung mit Zukunft". Es geht um gerechte Bildungschancen für alle. "Unser vorrangiges Ziel ist eine bessere Schule für alle 6- bis 15-Jährigen. Eine Schule ohne Stress, ohne Hausübungen und ohne Nachhilfe. Eine Schule, in der unsere Kinder die Freude am Lernen ausleben können, mit bestens ausgebildeten LehrerInnen, für die wir ebenfalls die besten Rahmenbedingungen schaffen müssen, die sie für ihre Arbeit brauchen! Wir wollen eine neue Lern- und Lehrkultur, bei der das Stärken von Fähigkeiten, Begabungen, Talenten und Interessen steht. Es geht um gleiche Bildungschancen für alle!", fasst SPÖ-Landesvorsitzender LH-Stv. Josef Ackerl in einer Pressekonferenz mit der Vorsitzenden der SPÖ-Landesbildungsorganisation und Vizepräsidentin des Oö.Landesschulrats, Dr.in Brigitte Leidlmayer, die Schwerpunkte der jetzt von der SPÖ Oberösterreich gestarteten landesweiten Kampagne "Bildung mit Zukunft" zusammen.

Die Hauptforderungen:

Erste Weichenstellung über den Bildungsweg erst mit 14 nach eingehender Beratung. Eine derart weitreichende Entscheidung mit 10 ist zu früh.

Jede zweite Schule sollte ganztägig geführt werden, wobei sich Unterricht, Lern- und Freizeit mehrmals am Tag abwechseln. Damit die Eltern die echte Entscheidungsfreiheit haben.

Gleiches Bildungsangebot in jedem Bezirk. Damit es keine regionalen Benachteiligungen gibt.

Bestens ausgebildete und motivierte LehrerInnen, für die beste Rahmenbedingungen geschaffen werden müssen.

Freundliches und kindgerechtes Lernumfeld, damit Lernen Freude macht.

Ackerl: "Uns geht es darum, unseren Kindern universelle Bildung zu vermitteln, die ihnen alle Chancen im Leben eröffnet. Bildung ist eine der wichtigsten Grundlagen unseres Zusammenlebens. Ein gutes Bildungssystem, insbesondere eine gute Schule, ist ein wesentlicher Aspekt unserer Auffassung von einer gerechten Gesellschaft".

Plädoyer für die Ganztagsschule

" Eltern müssen verstärkt Druck machen, dass ihre Kinder zu ihrem Recht kommen. LehrerInnen als AnwältInnen der SchülerInnen müssen exakt formulieren, was sie für eine derartige Schule brauchen. LehrerInnen und SchülerInnen brauchen die notwendigen Ressourcen und die entsprechenden Räume für einen zukunftsweisenden Unterricht. Wir brauchen noch mehr PädagogInnen, die Leuchttürme der Ganztagsschulen im Land errichten, an denen sich andere orientieren können, wir brauchen engagierte Eltern und PädagogInnen, die es vormachen, wie es geht. Dann entsteht die Sehnsucht nach anderen Orten des Lernens, dann kann Angst genommen und der notwendige Elan aufgebaut werden, damit Schulen und PädagogInnen, die es anders machen wollen, das auch tatsächlich tun können. Ich setze mich dafür ein", so die Vorsitzende der SPÖ-Landesbildungsorganisation, Dr.in Brigitte Leidlmayer.

Kinder benötigen Aufgaben, an denen sie wachsen können, Vorbilder, an denen sie sich orientieren können und Gemeinschaften, in denen sie sich aufgehoben fühlen. Die oberösterreichische Sozialdemokratie fordert innovative Schulen, die sich die Vielfalt als Stärke nutzbar machen, die sich nach den Bedürfnissen der Kinder und Jugendlichen statt nach ihren Schwächen orientieren und Ungerechtigkeiten aufgrund der Herkunft beseitigen. Die Schulwahlsorgen der Eltern müssen bis ans Ende der Schulpflicht hinausgeschoben werden, da sich das Begabungsprofil der Heranwachsenden viel deutlicher zu diesem Zeitpunkt abzeichnet als am Ende der Grundschule.

Die sehr begabten SchülerInnen erleiden in heterogenen Klassen keine Leistungseinbußen. Das beweisen die hochentwickelten Länder, die ihre SchülerInnen während der gesamten Pflichtschulzeit gemeinsam unterrichten.

Mehr Chancengleichheit im österreichischen Bildungswesen!

Zahlreiche Untersuchungen bescheinigen Österreich ein hochselektives Schulsystem. Besonders interessant in diesem Zusammenhang ist die Studie des Educational Policy in Washington, in der 13 Staaten hinsichtlich der Leistbarkeit und Zugänglichkeit von Hochschulstudien verglichen wurden. Österreich ist Schlusslicht unter den 13 Staaten aufgrund der elitären Zusammensetzung seiner Studentenschaft. In keinem anderen Land wird Bildung so stark "vererbt" wie in Österreich, in keinem anderen der 13 Staaten haben Kinder aus sozial schwachen Schichten so geringe Chancen auf ein Universitätsstudium. Ein Grund dafür ist die frühe, ungerechte Entscheidung zwischen AHS und Hauptschule.

Kurzum: Die konservative Schule, in der die Trennung in gute und schlechte SchülerInnen System ist, in der Schwache stigmatisiert werden, ist rasch durch eine gemeinsame Schule bis zum Ende der Schulpflicht zu ersetzen.

Ganztägige Schulen

Österreich ist eines der letzten Länder Europas mit der Halbtagsschule als Grundform. Erst als Österreich mit der Halbtagsschule im internationalen Vergleich weit ins Hintertreffen geraten war und erst als die internationalen Vergleichsuntersuchungen (z.B. PISA) nicht zufriedenstellende Leistungen und eine völlige Schieflage, was die Chancengleichheit in Österreich anlangt, aufzeigten, wurden viele Bildungsverantwortliche einschließlich der Wirtschaft aufgerüttelt, dagegen etwas zu unternehmen. Das was fortschrittliche PädagogInnen und die SPÖ schon seit Jahrzehnten gefordert haben, nämlich, Ganztagsschulen, beginnt nun in Österreich langsam zu greifen. Eine Ganztagsschule, die Unterricht, Lernen und Freizeit über den ganzen Tag verteilt, ist pädagogisch und lernpsychologisch der Vorrang gegenüber einer reinen Nachmittagsbetreuung zu geben.

Der Bedarf an qualitativer schulischer Tagesbetreuung für Kinder ist aufgrund sozioökonomischer Entwicklungen quantitativ gestiegen. Durch die geänderten gesellschaftlichen Bedingungen (Berufstätigkeit beider Elternteile, Zunahme der AlleinerzieherInnen, Zunahme der Einkindfamilien..) ist auch ein Umdenken in der Schule notwendig. Die Vereinbarkeit von Schule, Beruf und Familie wird in unserer Gesellschaft immer mehr gefordert.

Es gibt aber auch pädagogische, lernpsychologische, leistungsbegründete und gesellschaftspolitische Gründe, die eine Veränderung der Halbtagsschulen in Ganztagsschulen notwendig machen:

Ganztägige Schulformen und Ganztagsbetreuungsangebote unterstützen die ganzheitliche Entwicklung der SchülerInnen und deshalb ist deren Ausbau konsequent voranzutreiben. SchülerInnen werden durch die inhaltliche und organisatorische Abstimmung von Unterrichts- und Betreuungsteil, durch den altersgemäßen Ablauf von Lern-, Ruhe-, Spiel-, Förder- und Essenszeiten optimal gefördert und betreut, sowie in ihrer persönlichen und leistungsbezogenen Entwicklung unterstützt.

Das pädagogische Gesamtkonzept mit Angeboten aus den Bereichen Kunst und Kultur, Naturwissenschaften und Bewegung fördert Interessen und Begabungen, sowie Kreativität und stärkt die Persönlichkeit. In der Halbtagsschule gibt es zu wenig Zeit für die Förderung von Musik, Sport, Theater, von handwerklichen und sozialen Kompetenzen. Die permanente Förderung von Kompetenzen kann daher in der Halbtagsschule nicht ausreichend erfolgen.

In Halbtagsschulen fehlt die Zeit für Wiederholen und Üben. Das erfolgt derzeit hauptsächlich zu Hause, oft unter Zuhilfenahme von teuren Nachhilfeinstitutionen für jene, die es sich leisten können. Sozial schwache Familien sind dazu nicht in der Lage, sodass die Halbtagsschule das Vorantreiben von Chancengleichheit im Bildungssystem behindert. Der Integration aller Kulturen, der Erziehung zu Demokratie und zum Miteinander, der Bekämpfung von Gewalt und Vorurteilen wird mit der Dehnung der Zeit mehr Raum gegeben. Soziales und politisches Lernen finden somit statt.

Laut Erhebung der Arbeiterkammer geben Österreichs Familien 2011 rund 127 Millionen Euro für private Nachhilfe aus!

77 % der Eltern sind in ihrer Freizeit HilfslehrerInnen für ihre Kinder. D.h., sie verrichten die Arbeit von 47.000 Vollzeitbeschäftigten! 27 % der SchülerInnen brauchen private Nachhilfe! 70.000 Kinder bekommen keine Nachhilfe, obwohl sie eine brauchen, z.B. aus finanziellen Gründen.

Um Chancengleichheit im österreichischen Bildungswesen herzustellen, fordert die SPÖ Oberösterreich konkret für die Schule:

Alle weiteren Schritte in Richtung einer gemeinsamen Schule aller Kinder bis zum 15. Lebensjahr mit innerer Leistungsdifferenzierung und individueller Begabungsförderung müssen rasch umgesetzt werden. Die Neue Mittelschule darf nur der nächste Zwischenschritt zur Gemeinsamen Schule bis zum Ende der Pflichtschulzeit sein. Es darf kein Zweifel bestehen, dass eine gemeinsame Schule mehr Chancen für alle Kinder und bessere Ergebnisse bringt.
Außerdem fordern wir einen Rechtsanspruch auf bedarfsgerechten, kostenlosen Förderunterricht in der Schule, sodass die bestmögliche Entwicklung aller Begabungen sichergestellt wird und keine Nachhilfekosten anfallen.

Neun von zehn ÖsterreicherInnen für zügige Schulreform

Eine im Auftrag des Unterrichtsministeriums durchgeführte IFES-Umfrage zu den Schulreformen zeigt, dass 90 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher eine zügige Schulreform wollen. "Das ist eine klare Bestätigung dafür, wie wichtig eine Offensive für bessere Schulen für unsere Kinder ist", so Ackerl und Leidlmayer.

Im Mai 2011 wurden 2000 Eltern, PädagogInnen, SchülerInnen und Studierende befragt. Dabei zeigte sich der enorme Reformbedarf und die große Zustimmung zu den geplanten Reformmaßnahmen von Unterrichtsministerin Claudia Schmied.

92 Prozent sprechen sich dabei für kleinere Klassen,
91 Prozent für Deutschförderkurse auch für einheimische Kinder mit Sprachdefiziten,
86 Prozent für mehr Deutschförderkurse für Zuwanderer-Kinder,
83 Prozent für Lehre mit Matura,
78 Prozent für den Ausbau der Tagesbetreuung, also für ganztägige Schulangebote,
76 Prozent für die Verbesserung des Arbeitsplatzes für Lehrkräfte, 74 Prozent für den Ausbau der politischen Bildung an den Schulen und 69 Prozent für ein Kurssystem in der Oberstufe gegen das Sitzenbleiben aus.

Rückfragen & Kontakt:

SPÖ Oberösterreich, Medienservice
Gerald Höchtler
Tel.: (0732) 772611-22
gerald.hoechtler@spoe.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | DS40001