• 21.06.2011, 09:22:40
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ÖAMTC warnt vor einröhrigen Tunnels mit Gegenverkehr

Lüftung im Karawanken Tunnel nicht mehr ausreichend

Wien (OTS) - Im rund 2.000 Kilometer langen österreichischen
Autobahnnetz gibt es nach Italien die zweitmeisten Autobahntunnels in
Europa. Von diesen 150 Tunnels müssen derzeit noch 13 im gefährlichen
Gegenverkehr befahren werden. Zwei davon sind nach Meinung des
ÖAMTC-Verkehrsexperten Willy Matzke besonders problematisch: "Beide -
Gleinalm- und Karawanken Tunnel - sind rund 8 km lang, haben aber
keinerlei Notausgänge." Daher ist im Ernstfall Flucht und Rettung nur
über die Portale möglich. Diese Portale können aber bei Großbränden -
etwa von Lkw - durch Rauchgase versperrt sein, was - wie am 29. Mai
1999 beim Tauern Tunnel - für die Menschen den Tod bedeuten kann.

Der Gleinalm Tunnel der Pyhrn Autobahn (A9) ist nach dem Umbau am
derzeitigen Stand der Technik und verfügt auf der Gesamtlänge von 8
Kilometern über eine funktionierende Luftabsaugung. Wegen der hohen
Verkehrsdichte von durchschnittlich 20.000 Fahrzeugen pro Tag wäre
schon heute eine zweite Röhre dringend erforderlich. Diese kann dann
auch durch Querverbindungen für die jeweils andere Röhre als Flucht-
und Rettungsweg fungieren. Der Bau ist auch auf Drängen des ÖAMTC
längst beschlossen, könnte aber bis 2019 dauern. Die Benutzung des
Gleinalm Tunnels sollte gut überlegt werden, da zusätzlich zur
Vignette auch noch eine Sondermaut zu bezahlen ist. Eine
Ausweichmöglichkeit gibt es über die Semmering Schnellstraße (S6) und
Brucker Schnellstraße (S35), wo alle Tunnel über zwei Röhren und
Fluchtwege verfügen.

Sicherheitseinrichtung im Karawanken Tunnel nicht am Stand der
Technik

Die Sicherheitseinrichtung im gleichfalls rund 8 Kilometer langen
Karawanken Tunnel zwischen Kärnten und Slowenien ist hingegen nicht
am aktuellen Stand der Technik, sondern vielfach schon 20 Jahre alt.
Problematisch ist vor allem, dass es im Tunnelzentrum keine
Luftabsagung gibt. Abgase und im Brandfall Rauchgas können
bestenfalls über Ventilatoren in Längsrichtung verschoben, aber nicht
abgesaugt werden. "Bei bestimmten Wetterlagen kommt es im Karawanken
Tunnel zu einer starken natürlichen Luftströmung wie in einem Kamin,
gegen die die Längslüftung nicht ankommt. Im Brandfall besteht die
Gefahr, dass man auf der Flucht zum Portal von den tödlichen Gasen
eingeholt wird", warnt Matzke.

Seit Jahren gibt es Unstimmigkeiten zwischen den Tunnelbetreibern,
der Asfinag und der slowenischen DARS, über dringend notwendige
Verbesserungen; die Sicherheit der Menschen bleibt dabei aber auf der
Strecke. Nachdem im Karawanken Tunnel die Verkehrsbelastung mit
durchschnittlich 7.000 Fahrzeugen pro Tag aber deutlich geringer als
auf anderen Strecken ist, wird man hier mit dem Bau eines Flucht- und
Rettungsstollens das Auslangen finden müssen.

Die von Österreich geforderte starke Einschränkung des
Lkw-Verkehrs, um die Gefahr von schweren Unfällen und Bränden zu
verringern, wurde von Slowenien abgelehnt. Hinzukommt, dass
Gefahrenguttransporte nicht wirklich kontrollierbar sind. Ein
Tanklaster ist erkennbar, ein Lkw mit tausenden Spraydosen aber
nicht. Aufgrund dieser kurzfristig nicht verbesserbaren Situation
empfehlen die ÖAMTC-Experten schon bei der Routenwahl ein
großräumiges Ausweichen. Auf den lokalen Ausweichrouten über Wurzen-
und Loiblpass sind nur Pkw ohne Anhänger erlaubt und eine gewisse
Routine im Bergfahren sollte gegeben sein.

Hoher Sicherheitsstandard auf der Tauernroute

Der Sicherheitscheck des ÖAMTC hat in allen elf Tunnels der
Tauernroute einen ähnlich hohen Sicherheitsstandard festgestellt.
Leider wurden aber in drei neuen Lärmschutzgalerien die bisherigen
Pannenstreifen aufgebraucht. Es gibt aber auch ein positives
Beispiel: Beim Lärmschutztunnel Trebesing ist der Pannenstreifen nach
wie vor vorhanden. Auch in den bisher oft kritisierten
Autobahntunnels in Italien zwischen Tarvis und Udine ist die
Aufrüstung schon angelaufen. Es gibt dort bereits überall Flucht- und
Rettungswege.

Im Pfänder Tunnel bei Bregenz und im Bosruck Tunnel bei Liezen
werden die lebensrettenden zweiten Röhren in den nächsten Jahren
fertig. In den übrigen einröhrigen Autobahntunnels Österreichs gibt
es schon derzeit Flucht- und Rettungsstollen sowie Notausgänge ins
Freie. Diese werden von den Feuerwehren alle 250 Meter verlangt.

Der ÖAMTC ist ständig mit der Sicherheitsüberprüfung von Straßen
und Tunnels beschäftigt und verfügt über speziell geschulte Road
Safety Auditoren, wie das eine Richtlinie über Sicherheitsmanagement
im Straßenverkehr vorschreibt.

SERVICE:
Weitere Infos Tunnelsicherheit: www.oeamtc.at/tunnel/
(Schluss)

Rückfragehinweis:
Christian Dachs
ÖAMTC-Informationszentrale
Tel.: +43 (0) 1 71199-1795
mailto:[email protected]
www.oeamtc.at

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