ÖAMTC warnt vor einröhrigen Tunnels mit Gegenverkehr

Lüftung im Karawanken Tunnel nicht mehr ausreichend

Wien (OTS) - Im rund 2.000 Kilometer langen österreichischen Autobahnnetz gibt es nach Italien die zweitmeisten Autobahntunnels in Europa. Von diesen 150 Tunnels müssen derzeit noch 13 im gefährlichen Gegenverkehr befahren werden. Zwei davon sind nach Meinung des ÖAMTC-Verkehrsexperten Willy Matzke besonders problematisch: "Beide -Gleinalm- und Karawanken Tunnel - sind rund 8 km lang, haben aber keinerlei Notausgänge." Daher ist im Ernstfall Flucht und Rettung nur über die Portale möglich. Diese Portale können aber bei Großbränden -etwa von Lkw - durch Rauchgase versperrt sein, was - wie am 29. Mai 1999 beim Tauern Tunnel - für die Menschen den Tod bedeuten kann.

Der Gleinalm Tunnel der Pyhrn Autobahn (A9) ist nach dem Umbau am derzeitigen Stand der Technik und verfügt auf der Gesamtlänge von 8 Kilometern über eine funktionierende Luftabsaugung. Wegen der hohen Verkehrsdichte von durchschnittlich 20.000 Fahrzeugen pro Tag wäre schon heute eine zweite Röhre dringend erforderlich. Diese kann dann auch durch Querverbindungen für die jeweils andere Röhre als Flucht-und Rettungsweg fungieren. Der Bau ist auch auf Drängen des ÖAMTC längst beschlossen, könnte aber bis 2019 dauern. Die Benutzung des Gleinalm Tunnels sollte gut überlegt werden, da zusätzlich zur Vignette auch noch eine Sondermaut zu bezahlen ist. Eine Ausweichmöglichkeit gibt es über die Semmering Schnellstraße (S6) und Brucker Schnellstraße (S35), wo alle Tunnel über zwei Röhren und Fluchtwege verfügen.

Sicherheitseinrichtung im Karawanken Tunnel nicht am Stand der Technik

Die Sicherheitseinrichtung im gleichfalls rund 8 Kilometer langen Karawanken Tunnel zwischen Kärnten und Slowenien ist hingegen nicht am aktuellen Stand der Technik, sondern vielfach schon 20 Jahre alt. Problematisch ist vor allem, dass es im Tunnelzentrum keine Luftabsagung gibt. Abgase und im Brandfall Rauchgas können bestenfalls über Ventilatoren in Längsrichtung verschoben, aber nicht abgesaugt werden. "Bei bestimmten Wetterlagen kommt es im Karawanken Tunnel zu einer starken natürlichen Luftströmung wie in einem Kamin, gegen die die Längslüftung nicht ankommt. Im Brandfall besteht die Gefahr, dass man auf der Flucht zum Portal von den tödlichen Gasen eingeholt wird", warnt Matzke.

Seit Jahren gibt es Unstimmigkeiten zwischen den Tunnelbetreibern, der Asfinag und der slowenischen DARS, über dringend notwendige Verbesserungen; die Sicherheit der Menschen bleibt dabei aber auf der Strecke. Nachdem im Karawanken Tunnel die Verkehrsbelastung mit durchschnittlich 7.000 Fahrzeugen pro Tag aber deutlich geringer als auf anderen Strecken ist, wird man hier mit dem Bau eines Flucht- und Rettungsstollens das Auslangen finden müssen.

Die von Österreich geforderte starke Einschränkung des Lkw-Verkehrs, um die Gefahr von schweren Unfällen und Bränden zu verringern, wurde von Slowenien abgelehnt. Hinzukommt, dass Gefahrenguttransporte nicht wirklich kontrollierbar sind. Ein Tanklaster ist erkennbar, ein Lkw mit tausenden Spraydosen aber nicht. Aufgrund dieser kurzfristig nicht verbesserbaren Situation empfehlen die ÖAMTC-Experten schon bei der Routenwahl ein großräumiges Ausweichen. Auf den lokalen Ausweichrouten über Wurzen-und Loiblpass sind nur Pkw ohne Anhänger erlaubt und eine gewisse Routine im Bergfahren sollte gegeben sein.

Hoher Sicherheitsstandard auf der Tauernroute

Der Sicherheitscheck des ÖAMTC hat in allen elf Tunnels der Tauernroute einen ähnlich hohen Sicherheitsstandard festgestellt. Leider wurden aber in drei neuen Lärmschutzgalerien die bisherigen Pannenstreifen aufgebraucht. Es gibt aber auch ein positives Beispiel: Beim Lärmschutztunnel Trebesing ist der Pannenstreifen nach wie vor vorhanden. Auch in den bisher oft kritisierten Autobahntunnels in Italien zwischen Tarvis und Udine ist die Aufrüstung schon angelaufen. Es gibt dort bereits überall Flucht- und Rettungswege.

Im Pfänder Tunnel bei Bregenz und im Bosruck Tunnel bei Liezen werden die lebensrettenden zweiten Röhren in den nächsten Jahren fertig. In den übrigen einröhrigen Autobahntunnels Österreichs gibt es schon derzeit Flucht- und Rettungsstollen sowie Notausgänge ins Freie. Diese werden von den Feuerwehren alle 250 Meter verlangt.

Der ÖAMTC ist ständig mit der Sicherheitsüberprüfung von Straßen und Tunnels beschäftigt und verfügt über speziell geschulte Road Safety Auditoren, wie das eine Richtlinie über Sicherheitsmanagement im Straßenverkehr vorschreibt.

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