• 16.06.2011, 13:43:38
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Griechenland-Krise: Experte will eigenen Euro für Österreich und Deutschland

Nach Meinung des Ökonomen Gerald Mann droht weiteren Staaten die Pleite

Wien (OTS) - Nicht "Griechenland raus aus dem Euro", sondern
Österreich und Deutschland - das forderte gestern in der
ATV-Diskussionssendung "Am Punkt" der deutsche
Wirtschaftswissenschaftler Gerald Mann. Die Währungsunion sei wie
eine Wohngemeinschaft: "Die einen spülen jeden Tag das Geschirr ab
und die anderen sagen, solange noch was im Geschirrkasten ist, kann
es stehen bleiben." Da sei es am besten, man gehe getrennte Wege, so
Mann. Aus der Wohngemeinschaft ausziehen sollten aber die finanziell
stabilen Länder, denn dort würden die Menschen nicht die Banken
stürmen aus Angst vor einer neuen Währung. "Wenn es morgen heißen
würde, in Österreich wird wieder ein Schilling eingeführt oder ein
"Euro-Schilling" mit anderen Ländern zusammen, dann würden doch die
Leute hier Volksfeste veranstalten." Als Mitglieder eines neuen Euro
kann sich der Münchener Ökonom neben Österreich und Deutschland z. B.
die Niederlande und Finnland vorstellen.

Wenig Begeisterung löste Mann mit diesem Vorschlag bei den anderen
Diskussionsteilnehmern in "Am Punkt" aus. SPÖ-Finanzsprecher Kai Jan
Krainer sagte zwar, es sei "wahrscheinlich ein Fehler" gewesen,
Griechenland überhaupt in die Währungsunion aufzunehmen. Doch jetzt
müsse man eben gemeinsam die Krise meistern. Zudem sorge der Euro
grundsätzlich für stabile Verhältnisse zwischen den Handelspartnern,
das sei besonders für ein exportorientiertes Land wie Österreich
wichtig. "Wenn in den 90er-Jahren die italienische Lira abgewertet
wurde, hieß das in Österreich: 25.000 bis 40.000 Arbeitsplätze gingen
verloren."

Auch der Börsen-Guru Alexander Proschofsky forderte in "Am Punkt"
mehr Solidarität mit Griechenland: "Wir fühlen uns anscheinend in
dieser EU nicht wie eine Gemeinschaft. Wir sind nicht Brüder unter
Brüdern. Weil ein Bruder hilft dem anderen Bruder, wenn der in Not
ist."

Christian Felber von Attac Österreich verlangt diese Solidarität
vor allem von den Reichen: "Die zehn Prozent Vermögendsten in allen
Ländern der EU besitzen ungefähr zwei Drittel des gesamten Vermögens.
Die Schulden sind zwar hoch, aber die Vermögen sind ungefähr fünf Mal
so groß. Das heißt, es würde eine einprozentige Vermögenssteuer auf
zehn Jahre reichen, dass die Hälfte aller Schulden zurückbezahlt
werden könnten."

Ökonom Mann zeigte sich gestern wenig optimistisch, was die
weiteren Entwicklungen in der Euro-Zone angeht: "Ich gehe auf jeden
Fall davon aus, dass wir bei weitem nicht am Ende stehen und dass
weitere Staaten Griechenland folgen werden." Bedroht seien vor allem
Spanien und Italien. Und bei diesen großen Ländern, ergänzte Felber,
würden Rettungsschirme von rund 100 Milliarden Euro wie bei
Griechenland längst nicht ausreichen.

Rückfragehinweis:
ATV Redaktion "Am Punkt": Tel.: 01/213 64 115

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