Kunstrückgabebeirat empfiehlt Rückgabe von Pflanzenbildern aus NHM. Keine Rückgabe für Büste aus Technischem Museum

Ministerin Schmied beauftragt Beirat mit weiterer Prüfung zu Blättern von Egon Schiele aus der Albertina

Wien (OTS) - Der Kunstrückgabebeirat hat in seiner Sitzung am 10. Juni 2011 beschlossen, Kulturministerin Dr. Claudia Schmied die Rückgabe von 176 Pflanzenbildern aus dem Naturhistorischen Museum sowie von fünf Blättern von Egon Schiele aus der Albertina zu empfehlen. Keine Rückgabe empfiehlt der Beirat für eine Büste von Dr. Anton Freiherr von Banhans aus dem Technischen Museum.

Die Ministerin wird im Fall der Pflanzenbilder aus der Sammlung von Dr. Ernst Moriz Kronfeld und der Büste von Dr. Anton Freiherr von Banhans aus dem Technischen Museum den Empfehlungen des Beirats folgen. Im Fall Karl Mayländer fünf Blätter von Egon Schiele betreffend, wurde Kulturministerin Claudia Schmied von Dr. Klaus Albrecht Schröder, Direktor der Albertina, auf angeblich neue Quellenhinwiese aufmerksam gemacht. Insofern hat die Ministerin heute vor einer endgütigen Entscheidung im Fall Karl Mayländer den Kunstrückgabebeirat beauftragt, diese eingebrachten Quellen zu prüfen bzw. dazu Stellung zu beziehen.

3 Beschlüsse des Kunstrückgabebeirats
Der Beirat empfiehlt eine bedeutende Sammlung von Pflanzenbildern, die aus der Sammlung von Dr. Ernst Moriz Kronfeld (1865-1942) stammen, aus dem Naturhistorischen Museum an dessen Erben zu übereignen. Dr. Ernst Moriz Kronfeld, der als Jude von den NS-Machthabern verfolgt war, hatte eine bedeutende gartenhistorische Sammlung mit einem Schwerpunkt zum Schlosspark von Schönbrunn. Ohne Erfolg versuchte er diese Sammlung 1941 zu veräußern; nach seinem Tod und der Deportation seiner Witwe tauchte die Sammlung 1942 wieder im Kunsthandel auf und wurde der Nationalbibliothek angeboten. Die damals erworbenen Stücke wurden bereits mit Beschluss des Beirates vom 23. Jänner 2009 zur Rückgabe empfohlen. Die nun behandelten Pflanzenbilder wurden 1988 aus dem Kunsthandel vom Naturhistorischen Museum erworben.

Der Beirat empfiehlt, eine Büste auf Sockel von Dr. Anton Freiherr von Banhans, Inv. Nr. 40030, aus dem Technischen Museum Wien nicht an die Rechtsnachfolger von Todes wegen nach Eugenie Banhans zu übereignen. Karl Banhans (1861 - 1942), der letzte k.k. Minister für das Eisenbahnwesen, setzte in seinem Testament aus 1931 mehrere Legate fest und bestimmte seine Ehefrau Eugenie Banhans zur Alleinerbin des restlichen Nachlasses. Die Büste, die seinen Vater Anton Freiherr von Banhans, der ebenfalls in der Monarchie Minister und ab 1890 Präsident der Donau-Dampfschiffahrts-Gesellschaft war, zeigt, vermachte Karl Banhans dem Technischen Museum. Eugenie Banhans, die als Jüdin verfolgt und unmittelbar nach dem Tod ihres Ehemanns deportiert wurde, wurde im Verlassenschaftsverfahren als "erbunwürdig" qualifiziert. Da der Erwerb der Büste aus dem Nachlass jedoch auf dem Vermächtnis beruhte, sah der Beirat die Voraussetzungen einer Rückgabe nicht gegeben.

Der Beirat empfiehlt fünf Blätter von Egon Schiele, nämlich

  • Egon Schiele, Mädchen mit Sonnenbrille,1910, Inv. Nr. 30783, Halbfigur, Schwarze Kreide, Aquarell, Deckfarben, auf braunem Packpapier, 44,8 x 31,2 cm
  • Egon Schiele, Bildnis Olga Gallus Prag, 1910, Inv. Nr. 30784 (Kallir D. 462), Schwarze Kreide, Aquarell, auf braunem Packpapier, 44,2 x 31,8 cm
  • Egon Schiele, Proletarierknabe, 1910, Inv. Nr. 30799 (Kallir D. 460), Schwarze Kreide, Aquarell, Deckfarben, auf braunem Packpapier, 45 x 31 cm
  • Egon Schiele, Knabenakt, 1910, Inv. Nr. 30813 (Kallir D. 449), Bleistift, Aquarell, Deckfarben, Deckweiß, auf braunem Packpapier, 45 x 31,5 cm
  • Egon Schiele, Bildnis Heinrich Benesch, 1917, Inv. Nr. 31261 (Kallir D. 2099), Schwarze Kreide, Deckfarben, auf Japanpapier, 45,7 x 28,5 cm

aus der Albertina an die Rechtsnachfolger von Todes wegen nach Karl Mayländer zu übereignen. Der Kaufmann Karl Mayländer (1872 - 1941) war in der Zwischenkriegszeit im Umfeld des Wiener Volksbildungswesens aktiv. Er blieb unverheiratet und kinderlos, jedoch ist eine nahe Beziehung zu Etelka Hofmann belegt. Seit dem "Anschluss" als Jude verfolgt, versuchte er seine Kunstsammlung zu veräußern. 1941 wurde er gemeinsam mit seiner Schwester deportiert. Nach 1945 befand sich die Sammlung bei Etelka Hofmann, die angab, sie von Karl Mayländer geschenkt erhalten zu haben; vier der Blätter kaufte die Albertina 1949 direkt von Etelka Hofmann, das fünfte Blatt erwarb sie 1952 im Tauschweg von Prof. Dr. Rudolf Leopold.
Das zur Beurteilung der Provenienzen von Sammlungsgegenständen des Leopold Museums eingesetzte Gremium kam bereits am 18. November 2010 zum Ergebnis, dass der Eigentumsübergang an Etelka Hofmann als Entziehung zu werten ist; der Kunstrückgabebeirat nahm nun für den im Wesentlichen gleich gelagerten Fall dieselbe Beurteilung vor.

Der Kunstrückgabebeirat wird die aktuell von Albertina-Direktor Klaus Albrecht Schröder eingebrachten Quellenhinweise zu diesem Fall prüfen bzw. dazu Stellung beziehen.

Die Beschlüsse des Beirates sind online auf der Homepage der Kommission für Provenienzforschung www.provenienzforschung.gv.at abrufbar.

Rückfragen & Kontakt:

Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur,
Mag. Sigrid Wilhelm
Pressesprecherin
Tel.: +43-1-53120-5030
sigrid.wilhelm@bmukk.gv.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | MUK0002