UNHCR-Studie belegt: Wenig Wissen, dafür viele Vorurteile gegenüber Asylsuchenden

Persönlicher Kontakt wirkt positiv gegen negative Einstellungen

Wien (OTS) - Große Wissenslücken und viele Vorurteile hat die Mehrheit der österreichischen Bevölkerung, wenn es um das Thema Asyl geht, so das Ergebnis einer Studie, die das UN-Flüchtlingshochkommissariat UNHCR von Karmasin Motivforschung durchführen ließ, und die heute im Rahmen einer Veranstaltung mit der Volksanwaltschaft vorgestellt wurde. Ziel der repräsentativen Umfrage war es, Wissen, Einstellungen und mögliche Vorurteile in der Bevölkerung in Bezug auf Asylsuchende und Flüchtlinge zu untersuchen und festzustellen, welche Ursachen zu einer negativen Einstellung gegenüber Asylsuchenden und Flüchtlingen führen. Auffallend dabei:
Menschen, die bereits in Kontakt mit Asylsuchenden sind oder waren, sind viel aufgeschlossener gegenüber dieser Personengruppe und haben eine weitaus positivere Einstellung zum Thema Asyl.

Basiswissen über Asyl fehlt

Ein grundlegendes Wissensdefizit wird gleich bei der Frage nach dem Unterschied zwischen Asylsuchenden, Flüchtlingen und MigrantInnen sichtbar. "Rund drei Viertel der Befragten tun sich mit den Begriffen schwer. Wie ein roter Faden zieht sich durch die Umfrage, dass Migranten, Flüchtlinge und Asylsuchende mehrheitlich in einen Topf geworfen werden und von vielen Befragten als eine einzige Gruppe betrachtet werden. Dieses Unwissen führt in weiterer Folge zu Vorurteilen", so Dr. Christoph Pinter, Leiter der Rechtsabteilung des UNHCR-Büros in Österreich. Auf Basis dieses Ergebnisses ist es auch wenig verwunderlich, dass nur jeder zweite Befragte glaubt, dass Asylsuchende aufgrund von Verfolgung nach Österreich kommen.

Auch die rechtlichen Ansprüche von Asylsuchenden in Österreich werden von den Befragten großteils falsch eingeschätzt: Zu den erhobenen Wissenslücken gehört zum Beispiel, dass Asylwerber Anspruch auf Sozialhilfe haben (dies glauben 47%) oder einen freien Zugang zum Arbeitsmarkt (glauben rund 33%) -
beides entspricht nicht der Rechtslage in Österreich. Falsch und mehrheitlich zu hoch eingeschätzt wird auch der finanzielle Aufwand des Staates für Asylsuchende: Während an Hilfsorganisationen maximal 17 Euro pro Person und Tag für Unterbringung und Verpflegung ausbezahlt werden, gehen rund 55% der Befragten von einem weitaus höheren Betrag aus.

Negative Vorurteile dominieren die Einstellungen

Generell haben die ÖsterreicherInnen gegenüber Asylsuchenden eine auffallend negative Einstellung: "Bereits bei der Einstiegsfrage zur Einstellung gegenüber Asylsuchenden antwortet knapp die Hälfte der Befragten mit konkret negativen Assoziationen, im Vergleich zu anderen Umfragen mit sozialen Themen ein alarmierend hoher Wert. Bei den Antworten werden neben den Wissenslücken jene Ängste spürbar, die sich dann in Vorurteilen niederschlagen: Häufig genannt wird z.B. die Angst, dass zu viele Asylsuchende nach Österreich kommen, dass die Kriminalität steigt und die Befürchtung, dass Asylsuchende den Österreichern den Arbeitsplatz wegnehmen", erläutert Pinter.

Asylsuchende werden im Vergleich zu anderen Bevölkerungsgruppen für gewaltbereiter und krimineller gehalten (59%) sowie als Belastung für das Sozialsystem gesehen (69%). Ein Drittel der Befragten denkt, dass Österreich zu viele Flüchtlinge aufnimmt und in Folge dessen ein Sicherheitsproblem hat. Asylsuchende werden als weniger fleißig als Österreicher eingestuft, nur 19% der Befragten geben an, dass Asylsuchende einen Mehrwert für die österreichische Wirtschaft und Gesellschaft darstellen. Personen über 50 Jahre haben über alle abgefragten Dimensionen durchgehend ein negativeres Bild von Asylsuchenden als jüngere Personen. Positiver fallen die Antworten auch bei besser Gebildeten und Menschen in den westlicheren Bundesländern aus.

Kontakt mit Asylsuchenden wirkt sich sehr positiv auf Einstellung aus

Besonders positiv auf die Einstellung der Befragten wirkt sich auch jeglicher persönlicher Kontakt mit Asylsuchenden, Flüchtlingen oder Migranten aus: Hohe 70% jener, die Menschen aus diesen Gruppen kennen, beschreiben ihre Erfahrungen als positiv oder neutral. Nur 20% sprechen von negativen Erfahrungen. In der Gesamtbevölkerung liegt der Prozentsatz positiver und neutraler Erfahrungen nur bei 32%. Personen, die Asylsuchende zu kennen glauben, haben auch ganz allgemein eine positivere Haltung ihnen gegenüber. So geben 40% an, Asylsuchenden (sehr) positiv gegenüber zu stehen, während sich diese Zahl auf 27% in der Gesamtbevölkerung reduziert.
"Diese Werte sind ein Ankerpunkt in den negativen Meinungswellen. Denn sie belegen ganz deutlich, dass das negative Image hauptsächlich auf Vorurteilen beruht, die nicht durch reale Lebenserfahrungen, sondern durch externe Beeinflussung entstanden sind", analysiert Pinter.

Sachliche Diskussion und Information dringend nötig

UNHCR hat es sich daher zur Aufgabe gemacht, der österreichischen Bevölkerung mit Fakten die Realität der Asylsuchenden aufzuzeigen und somit auch Vorurteile auszuräumen. In den kommenden Monaten wird UNHCR daher erneut eine Informationsinitiative starten. Ganz wichtig sei dabei laut UNHCR auch, den Ton im öffentlichen Diskurs über Asyl und Asylsuchende zu ändern und eine sachliche und rationale Debatte über das Thema in Gang zu bringen. "Gerade in den letzten Jahren wurde oft versucht, auf dem Rücken von Asylsuchenden politisches Kapital zu schlagen. Das Thema war - obwohl alle Asylsuchenden gemeinsam gerade einmal 0,3% im Vergleich zur österreichischen Bevölkerung ausmachen - unverhältnismäßig stark negativ besetzt und wurde öffentlich wiederholt unter Sicherheitsaspekten diskutiert. Wir laden alle ein, uns bei der Versachlichung des öffentlichen Diskurses zu unterstützen", so Pinter abschließend.

Rückfragen & Kontakt:

Mag.a Ruth Schöffl, Tel. 01/26060 5307, Mobil: 0699/1459 5307, Mail: schoeffl@unhcr.org

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | UNH0001