• 14.06.2011, 11:30:32
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UNHCR-Studie belegt: Wenig Wissen, dafür viele Vorurteile gegenüber Asylsuchenden

Persönlicher Kontakt wirkt positiv gegen negative Einstellungen

Wien (OTS) - Große Wissenslücken und viele Vorurteile hat die
Mehrheit der österreichischen Bevölkerung, wenn es um das Thema Asyl
geht, so das Ergebnis einer Studie, die das
UN-Flüchtlingshochkommissariat UNHCR von Karmasin Motivforschung
durchführen ließ, und die heute im Rahmen einer Veranstaltung mit der
Volksanwaltschaft vorgestellt wurde. Ziel der repräsentativen Umfrage
war es, Wissen, Einstellungen und mögliche Vorurteile in der
Bevölkerung in Bezug auf Asylsuchende und Flüchtlinge zu untersuchen
und festzustellen, welche Ursachen zu einer negativen Einstellung
gegenüber Asylsuchenden und Flüchtlingen führen. Auffallend dabei:
Menschen, die bereits in Kontakt mit Asylsuchenden sind oder waren,
sind viel aufgeschlossener gegenüber dieser Personengruppe und haben
eine weitaus positivere Einstellung zum Thema Asyl.

Basiswissen über Asyl fehlt

Ein grundlegendes Wissensdefizit wird gleich bei der Frage nach
dem Unterschied zwischen Asylsuchenden, Flüchtlingen und MigrantInnen
sichtbar. "Rund drei Viertel der Befragten tun sich mit den Begriffen
schwer. Wie ein roter Faden zieht sich durch die Umfrage, dass
Migranten, Flüchtlinge und Asylsuchende mehrheitlich in einen Topf
geworfen werden und von vielen Befragten als eine einzige Gruppe
betrachtet werden. Dieses Unwissen führt in weiterer Folge zu
Vorurteilen", so Dr. Christoph Pinter, Leiter der Rechtsabteilung des
UNHCR-Büros in Österreich. Auf Basis dieses Ergebnisses ist es auch
wenig verwunderlich, dass nur jeder zweite Befragte glaubt, dass
Asylsuchende aufgrund von Verfolgung nach Österreich kommen.

Auch die rechtlichen Ansprüche von Asylsuchenden in Österreich
werden von den Befragten großteils falsch eingeschätzt: Zu den
erhobenen Wissenslücken gehört zum Beispiel, dass Asylwerber Anspruch
auf Sozialhilfe haben (dies glauben 47%) oder einen freien Zugang zum
Arbeitsmarkt (glauben rund 33%) -
beides entspricht nicht der Rechtslage in Österreich. Falsch und
mehrheitlich zu hoch eingeschätzt wird auch der finanzielle Aufwand
des Staates für Asylsuchende: Während an Hilfsorganisationen maximal
17 Euro pro Person und Tag für Unterbringung und Verpflegung
ausbezahlt werden, gehen rund 55% der Befragten von einem weitaus
höheren Betrag aus.

Negative Vorurteile dominieren die Einstellungen

Generell haben die ÖsterreicherInnen gegenüber Asylsuchenden eine
auffallend negative Einstellung: "Bereits bei der Einstiegsfrage zur
Einstellung gegenüber Asylsuchenden antwortet knapp die Hälfte der
Befragten mit konkret negativen Assoziationen, im Vergleich zu
anderen Umfragen mit sozialen Themen ein alarmierend hoher Wert. Bei
den Antworten werden neben den Wissenslücken jene Ängste spürbar, die
sich dann in Vorurteilen niederschlagen: Häufig genannt wird z.B. die
Angst, dass zu viele Asylsuchende nach Österreich kommen, dass die
Kriminalität steigt und die Befürchtung, dass Asylsuchende den
Österreichern den Arbeitsplatz wegnehmen", erläutert Pinter.

Asylsuchende werden im Vergleich zu anderen Bevölkerungsgruppen
für gewaltbereiter und krimineller gehalten (59%) sowie als Belastung
für das Sozialsystem gesehen (69%). Ein Drittel der Befragten denkt,
dass Österreich zu viele Flüchtlinge aufnimmt und in Folge dessen ein
Sicherheitsproblem hat. Asylsuchende werden als weniger fleißig als
Österreicher eingestuft, nur 19% der Befragten geben an, dass
Asylsuchende einen Mehrwert für die österreichische Wirtschaft und
Gesellschaft darstellen. Personen über 50 Jahre haben über alle
abgefragten Dimensionen durchgehend ein negativeres Bild von
Asylsuchenden als jüngere Personen. Positiver fallen die Antworten
auch bei besser Gebildeten und Menschen in den westlicheren
Bundesländern aus.

Kontakt mit Asylsuchenden wirkt sich sehr positiv auf Einstellung aus

Besonders positiv auf die Einstellung der Befragten wirkt sich
auch jeglicher persönlicher Kontakt mit Asylsuchenden, Flüchtlingen
oder Migranten aus: Hohe 70% jener, die Menschen aus diesen Gruppen
kennen, beschreiben ihre Erfahrungen als positiv oder neutral. Nur
20% sprechen von negativen Erfahrungen. In der Gesamtbevölkerung
liegt der Prozentsatz positiver und neutraler Erfahrungen nur bei
32%. Personen, die Asylsuchende zu kennen glauben, haben auch ganz
allgemein eine positivere Haltung ihnen gegenüber. So geben 40% an,
Asylsuchenden (sehr) positiv gegenüber zu stehen, während sich diese
Zahl auf 27% in der Gesamtbevölkerung reduziert.
"Diese Werte sind ein Ankerpunkt in den negativen Meinungswellen.
Denn sie belegen ganz deutlich, dass das negative Image hauptsächlich
auf Vorurteilen beruht, die nicht durch reale Lebenserfahrungen,
sondern durch externe Beeinflussung entstanden sind", analysiert
Pinter.

Sachliche Diskussion und Information dringend nötig

UNHCR hat es sich daher zur Aufgabe gemacht, der österreichischen
Bevölkerung mit Fakten die Realität der Asylsuchenden aufzuzeigen und
somit auch Vorurteile auszuräumen. In den kommenden Monaten wird
UNHCR daher erneut eine Informationsinitiative starten. Ganz wichtig
sei dabei laut UNHCR auch, den Ton im öffentlichen Diskurs über Asyl
und Asylsuchende zu ändern und eine sachliche und rationale Debatte
über das Thema in Gang zu bringen. "Gerade in den letzten Jahren
wurde oft versucht, auf dem Rücken von Asylsuchenden politisches
Kapital zu schlagen. Das Thema war - obwohl alle Asylsuchenden
gemeinsam gerade einmal 0,3% im Vergleich zur österreichischen
Bevölkerung ausmachen - unverhältnismäßig stark negativ besetzt und
wurde öffentlich wiederholt unter Sicherheitsaspekten diskutiert. Wir
laden alle ein, uns bei der Versachlichung des öffentlichen Diskurses
zu unterstützen", so Pinter abschließend.

Rückfragehinweis:
Mag.a Ruth Schöffl, Tel. 01/26060 5307, Mobil: 0699/1459 5307, Mail: [email protected]

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