Internetsucht und Internetnutzungsverhalten bei steirischen Schülerinnen und Schülern

Eine repräsentative Untersuchung ab der 9. Schulstufe.

Wien (OTS) - Das Internet mitsamt seiner Vielfalt an unterschiedlichen Funktionen und Anwendungen ist zweifellos eine großartige Errungenschaft der Menschheit mit weitreichenden positiven Auswirkungen für Gesellschaft und Individuum. Im letzten Jahrzehnt gab es jedoch durch Fallbeobachtungen und nicht-repräsentative Studien vermehrt Hinweise, dass der Internetkonsum von manchen Zielgruppen sehr exzessiv betrieben wird, weshalb in Fachkreisen seit einiger Zeit das Suchtpotenzial exzessiven Internetkonsums diskutiert wird.
Bislang gibt es im deutschsprachigen Raum jedoch keine zuverlässigen Zahlen darüber, bei wie vielen Jugendlichen ein suchtgefährdeter oder bereits süchtiger Internetkonsum zu beobachten ist.

Um diese Lücke zu schließen plante die b.a.s. - Steirische Gesellschaft für Suchtfragen, in Kooperation mit dem Amt der Steiermärkischen Landesregierung eine Studie zu diesem Thema. Die Studie wurde vom Grazer Sozial- und Marktforschungsinstitut x-sample durchgeführt.

Mittels einer repräsentativen Klumpenstichprobe wurden in 100 Schulklassen aus 74 steirischen Schulen aller Schultypen insgesamt 2.095 SchülerInnen befragt. Die Durchführung der Online-Befragung erfolgte klassenweise in den EDV-Sälen der Schulen, jeweils unter Anwesenheit von Lehrpersonal. Die Kooperationsbereitschaft der Schulen war sehr gut.

Bei insgesamt 3,9% der befragten Schülerinnen und Schüler kann eine Internetsuchtgefährdung oder Internetsucht festgestellt werden. Eine Hochrechnung auf die Grundgesamtheit aller steirischen SchülerInnen ab der 9. Schulstufe ergibt unter Berücksichtigung der statistischen Schwankungsbreite, dass zwischen 1.100 und 1.900 SchülerInnen internetsuchtgefährdet und zusätzlich zwischen 450 und 1.050 SchülerInnen internetsüchtig sind. Eine differenzierte Betrachtung dieser Zahlen zeigt, dass ein starker Anstieg des exzessiven und süchtigen Internetkonsums bei den SchülerInnen ab 19 Jahren zu beobachten ist. In dieser Gruppe liegt der Anteil der internetsuchtgefährdeten oder internetsüchtigen SchülerInnen bei 12%. In keiner Alterstufe zeigen sich statistisch auffällige Unterschiede nach dem Geschlecht der SchülerInnen; Internetsucht scheint daher zwischen Schülerinnen und Schülern gleichermaßen ausgeprägt zu sein. Die SchülerInnen wurden auch nach ihren Nutzungsbereichen im Internet gefragt, also was sie im Internet tun: Hier zeigt sich, dass Video, Audio, Informationssuche und soziale Netzwerke zu den mit Abstand häufigsten Nutzungsbereichen zählen. Diskussionsforen, Chatrooms, Spiele mit Geldeinsatz und Erotik/Sex/Porno sind zwar vergleichsweise seltener, konnten jedoch als Nutzungsbereiche identifiziert werden, wo die Wahrscheinlichkeit stark steigt, in eine suchtgefährdete Internetnutzung zu kippen. Es zeigt sich auch, dass SchülerInnen mit Migrationshintergrund bedeutend häufiger über suchtgefährdete- oder süchtige Internetnutzung berichten als jene ohne Migrationshintergrund. Auch Einzelkinder sind signifikant häufiger von Internetsucht betroffen als SchülerInnen mit Geschwistern. Zudem zeigen SchülerInnen, deren Kommunikationsverhalten innerhalb des Freundeskreises vorwiegend computergestützt ist, viel häufiger Internetsucht-Symptome wie Kontrollverlust, Toleranzentwicklung, Entzugserscheinungen, sowie negative Konsequenzen bei Arbeit/Leistung und in sozialen Beziehungen als SchülerInnen, die in erster Linie von Angesicht zu Angesicht kommunizieren. Internetsuchtgefährdete- oder süchtige SchülerInnen verfügen zudem über bedeutend weniger Lebensqualität, erleben weniger soziale Unterstützung, fühlen sich weniger durch ihre Eltern unterstützt, sind gehemmter und haben weniger das Gefühl, aufgrund eigener Kompetenzen bestimmte Handlungen erfolgreich ausführen zu können.

Die SchülerInnen verbringen im Schnitt 17 Stunden pro Woche im Internet, wobei davon 4 Stunden für schulische/berufliche und 13 Stunden für private Zwecke aufgewendet werden. Das Ausmaß der schulischen/beruflichen Nutzung des Internets unterscheidet sich nicht zwischen Schülerinnen und Schülern, jedoch investieren Schüler signifikant mehr Wochenstunden in die private Nutzung des Internets als Schülerinnen. Hinsichtlich des Alters zeigt sich diesbezüglich kein bedeutender Unterschied.

Facebook und Youtube zählen mit Abstand zu den beiden am häufigsten genutzten sozialen Netzwerken. Für 84% der SchülerInnen zählt Facebook zu den am häufigsten genutzten sozialen Netzwerken der letzten 30 Tage vor der Befragung. Youtube liegt mit 77% knapp dahinter. Bereits weit dahinter folgt Myspace mit 28%.
Zwei Drittel der SchülerInnen haben bereits einmal etwas über das Internet gekauft: die wichtigsten Konsumquellen in den letzten 30 Tagen vor der Befragung waren Online-Versandhäuser. Erotik/Sex/Porno zählt für 10% aller SchülerInnen, die bereits einmal etwas über das Internet gekauft haben, zu jenen Top 3-Bereichen, wo sie das meiste Geld ausgeben. Für 5% sind das Spiele mit Geldeinsatz wie z.B. Wetten, Casino, Poker.

Rückfragen & Kontakt:

Manfred H. Geishofer, b.a.s. - Steirische Gesellschaft für Suchtfragen, leitung@bas.at
Mag. Thomas Lederer-Hutsteiner, x-sample, thomas.lederer-hutsteiner@x-sample.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NEF0006