- 10.06.2011, 11:08:54
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Studie: Junge Arbeitnehmer verlieren Glauben an Pensionssystem
Tabuisierung der Pensionslücke verunsichert Arbeitnehmer - Mitarbeiter von Kleinbetrieben von Pensionslücke besonders betroffen
Wien (OTS/PWK425) - Die anhaltende Diskussion über die
Finanzierbarkeit der Pensionen hinterlässt ihre Spuren in der
Bevölkerung: Bereits drei Viertel der jungen Arbeitnehmer gehen davon
aus, dass sie im Alter aus dem staatlichen System keine ausreichende
Pension erhalten werden, so das Ergebnis einer repräsentativen
Umfrage des Instituts meinungsraum.at bei 1.000 Arbeitnehmern unter
30 Jahren. Nach der Studie rechnen 65 Prozent der jungen Arbeitnehmer
mit weiteren Einschnitten in das Pensionssystem. Wegen der großen
Ungewissheit sind schon zwei Drittel der Arbeitnehmer bereit, selbst
in eine ergänzende Firmenpension einzuzahlen. Im Gegenzug fordern
drei Viertel der jungen Generation von den Arbeitgebern das Angebot
einer betrieblichen Vorsorge. Für den Fachverband der Pensionskassen,
der die Studie in Auftrag gegeben hat, ist das ein deutliches Signal
an die Politik, die langfristige Planung der Pensionen auf neue Beine
zu stellen und damit das Vertrauen in das System zu stärken.
Große Einbußen bei Pensionen erwartet
Die größer werdende Pensionslücke ist bei den Menschen schon
angekommen, zumindest was ihre Meinung über den späteren Ruhestand
betrifft. Die Einschnitte der beschlossenen Pensionsreformen werden
zwar erst in einigen Jahren spürbar, die Mehrheit der Bevölkerung ist
sich der Folgen aber schon heute bewusst. Über 80 Prozent der jungen
Arbeitnehmer unter 30 Jahren haben sich über ihre Pensionsansprüche
bereits Gedanken gemacht und sind zu beunruhigenden Schlüssen
gekommen: Jeder Vierte rechnet damit, dass er in der Pension sogar
mit weniger als der Hälfte des Letzteinkommens auskommen muss, ein
Drittel rechnet mit 40-50 Prozent Einbuße.
"Die Tabuisierung der Pensionslücke im politischen Alltag bringt
nur Unsicherheit bei der Bevölkerung. Es wird Zeit, sich diesem Thema
offen zu stellen. Wenn wir nicht heute ergänzende Altersvorsorge
fördern, dann steuert Österreich auf ein massives Problem zu", so
Andreas Zakostelsky, Obmann des Fachverbandes der Pensionskassen.
Wahl des Arbeitgebers legt Pensionslücke fest
Weniger bewusst sind sich die jungen Arbeitnehmer, dass sie mit
der Wahl ihres Arbeitgebers gleichzeitig eine Entscheidung über die
Höhe ihrer künftigen Pension treffen. Bei den Zusatzpensionen aus der
betrieblichen Vorsorge gibt es bereits einen tiefen Spalt zwischen
kleinen und großen Betrieben: In Betrieben mit mehr als 50
Mitarbeitern kann schon fast jeder zweite Arbeitnehmer mit einer
Zusatzpension rechnen. Nur fünf Prozent der Kleinbetriebe mit weniger
als 20 Mitarbeitern bieten eine Firmenpension an, um die zukünftige
Pensionslücke zu schließen.
"Wer heute bei einem Großunternehmen oder einer Institution zu
arbeiten beginnt, hat eine acht mal höhere Chance, im Alter sein
Leben ausreichend finanzieren zu können als ein Berufseinsteiger in
einem Kleinbetrieb. Diese Kluft muss geschlossen werden", folgert
Zakostelsky. Er fordert den Gesetzgeber auf, Arbeitnehmern den Aufbau
von Firmenpensionen zu erleichtern. "Junge Arbeitnehmer sind
mehrheitlich dazu bereit, selbst in eine Firmenpension einzuzahlen.
Für kleinere Betriebe fehlt oft nur der letzte Anreiz, diesen Schritt
zu setzen, wie etwa das international übliche System der
aufgeschobenen Besteuerung. Dabei werden die Beiträge erst bei der
Auszahlung in der Pension versteuert."
Hoher Stellenwert der Privatvorsorge
Der Politik stellen die Jungen in punkto Pensionen kein gutes
Zeugnis aus: Über 70 Prozent meinen, dass zu wenig zur Sicherung der
Pensionen unternommen wird. Demnach wird privater Vorsorge auch ein
hoher Stellenwert eingeräumt: Schon zu Beginn des Erwerbslebens muss
privat vorgesorgt werden, um die Pensionslücke später schließen zu
können, sind zwei Drittel der unter 30-Jährigen überzeugt.
Die Gesetzesnovellen seit Beginn der 90er Jahre haben zu einer
starken Reduktion der staatlichen Pensionsleistungen geführt. Die
heutige staatliche Pension macht durchschnittlich nur noch 70 Prozent
der 1989 noch vorgesehenen Pension aus. Das zeigt, dass die
staatlichen Pensionen zukünftig nicht mehr ausreichen werden, um den
Wohlstand aus der Zeit der Erwerbstätigkeit im Ruhestand sichern zu
können. Zakostelsky: "Die jungen Arbeitnehmer wissen das und erwarten
von der Politik entsprechende Handlungen."
Junge wollen selbst zur Pensionsvorsorge beitragen
Dabei ist die Bereitschaft für mehr Vorsorge bereits gegeben: 66
Prozent der jungen Erwerbstätigen sind dazu bereit, einen Teil ihres
Gehalts der eigenen Pensionsvorsorge zu widmen. Drei Viertel der
Erwerbstätigen ohne Anspruch auf Firmenpension wünschen sich eine
betriebliche Vorsorge. Daher ist die Firmenpension auch jedem dritten
Arbeitnehmer ein wichtiges Argument bei der Auswahl des zukünftigen
Arbeitgebers. Wegen des Angebots der Firmenpension gar den
Arbeitgeber zu wechseln, ist allerdings nur für jeden Fünften
vorstellbar.
"Aus der Studie geht hervor, dass die junge Generation die
Firmenpension als Option für bessere Vorsorge sieht. 69 Prozent der
Befragten meinen, dass der Staat - zusätzlich zur gesetzlichen
Pension - auch die Firmenpensionen fördern sollte", so Herbert Kling,
Geschäftsführer und Studienleiter von meinungsraum.at.
Pensionskassen empfehlen Entlastung des staatlichen
Pensionssystems
Aus Sicht der Pensionskassen kann nur ein grundlegender Umbau des
gesamten Systems eine echte Zukunftssicherung bringen. "Die
EU-Kommission hat Österreich und andere Länder bereits darauf
hingewiesen, dass der Anteil des Umlagesystems an den
Pensionsleistungen zu hoch ist. Langfristig ist das nicht
finanzierbar. Um den Druck auf die Staatsfinanzen zu reduzieren,
sollen die kollektive Firmenpension und die individuelle Vorsorge
ausgebaut werden", so Zakostelsky. Er spricht sich für ein Modell
aus, in dem 60 Prozent der Pensionen aus dem staatlichen System
kommen, 25 Prozent aus Firmenpensionen und 15 Prozent von
individueller Vorsorge.
Als konkrete Maßnahmen fordern die Pensionskassen den Ausbau der
Firmenpensionen, wie es im EU-Grünbuch über die Pensionssysteme in
Europa nahe gelegt wurde. "Ein guter Ansatz dafür wäre die stärkere
Verankerung von Firmenpensionen in Kollektivverträgen oder in
Betriebsvereinbarungen. Zudem würden steuerliche Anreize die
Verbreitung von betrieblicher Altersvorsorge fördern", empfiehlt
Zakostelsky.
Bei Firmenpensionen zahlen Arbeitgeber und Arbeitnehmer monatlich
Beiträge in Pensionskassen ein, die später in der Pension verzinst
ausbezahlt werden. Rund 770.000 Österreicherinnen und Österreicher
haben Anspruch auf eine Firmenpension. Der langjährige
Veranlagungserfolg der Pensionskassen beträgt 5,95 Prozent. Die
durchschnittliche Zusatzpension beträgt rund 7.100 Euro pro Jahr.
Insgesamt veranlagen die 17 Pensionskassen ein Vermögen von 14,79
Mrd. Euro. Sie sind der größte private Pensionszahler Österreichs.
(Stand: Dezember 2010)
Fotodownloads: http://www.apa-fotoservice.at/galerie/1946
Link zur Presseseite des Fachverbandes:
http://portal.wko.at/wk/format_liste.wk?angid=1&sbid=0&Ttid=3&dstid=2
93 (AC)
Rückfragehinweis:
Fachverband der Pensionskassen Kontakt Mag. Andreas Zakostelsky: Monika Schmied, MBA Tel.: +43-(0)664-62 75 209 Pressestelle: The Skills Group Christiane Fuchs-Robetin Tel.: +43-(0)1- 505 26 25-66 E-Mail: fuchs-robetin@skills.at Web: http://www.skills.at
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