- 09.06.2011, 09:35:41
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Übernahmeziel und Timing bestimmen M&A-Erfolg
BCG-Studie: M&A-Aktivitäten nehmen 2010 um 7,6 Prozent zu - Serienkäufer vernichten überproportional viel Wert, sind aber bei komplexen Transaktionen erfolgreicher
Wien (OTS) - Nach zwei rückläufigen Jahren hat sich der Markt für
Mergers & Acquisitions (M&A) 2010 wieder erholt: Die Anzahl der
durchgeführten Transaktionen stieg um 7,6 Prozent, ihr Volumen um 19
Prozent auf 1,5 Billionen US-Dollar - und erreicht damit das Niveau
des Jahres 2004, zu Beginn der letzten M&A-Welle, die bis zum
Einsetzen der Finanzkrise 2007 andauerte. Auch Private-Equity-Firmen
verstärkten ihre M&A-Aktivitäten wieder, wenngleich noch nicht auf
Vorkrisenniveau; die Anzahl der Private-Equity-Deals nahm um ein
Drittel zu, ihr Volumen verdoppelte sich. Nicht zuletzt trugen
Unternehmen aus dem asiatisch-pazifischen Raum, die in anderen
Regionen auf Einkaufstour gehen, zum Anstieg der M&A-Aktivitäten bei
- mit rund einem Fünftel aller Transaktionen im vergangenen Jahr. Zu
diesen Ergebnissen kommt die Studie Riding the Next Wave: Where Are
the Opportunities to Create Value? der Boston Consulting Group (BCG).
Basierend auf einer umfangeichen Datenbank von rund 26.000
Transaktionen, die weltweit seit 1988 durchgeführt wurden, analysiert
sie, welche Faktoren für eine wertschaffende Akquisition
ausschlaggebend sind. Dabei zeigt sich: Erfolgsentscheidend sind die
Auswahl der Übernahmeziele, der Zeitpunkt des Angebots sowie das
Management des gesamten Transaktionsprozesses.
Wenngleich von Wert und Volumen her noch nicht auf
Vorkrisenniveau, war 2010 gemessen an der Kapitalmarktreaktion auf
angekündigte Transaktionen ein besonders gutes Jahr für Übernahmen:
Die durchschnittliche Reaktion des Kapitalmarktes - der sogenannte
Ankündigungseffekt - nach einer Übernahme war zum ersten Mal in den
BCG-M&A-Studien im Schnitt positiv für börsennotierte Käufer - und
auch übernommene Unternehmen profitierten überproportional. Erstmals
seit 1996 erzielten Käufer 2010 im Schnitt eine positive Rendite,
wenn auch nur eine geringe (+0,7 Prozent vs. -1,0). Die
durchschnittliche Rendite für Übernahmeziele lag ebenfalls auf einem
Rekordhoch.
Die Transaktionskosten stiegen 2010 deutlich an: von
durchschnittlich 0,27 Prozent des Transaktionswertes im Vorjahr auf
0,60 Prozent. Damit liegen sie rund 50 Prozent über den Kosten in der
Hochphase zwischen 2004 und 2008. Die Erholung der Kapitalmärkte hat
die Finanzierungsmöglichkeiten insbesondere für
Private-Equity-Unternehmen und damit deren Rückkehr auf den M&A-Markt
zwar deutlich erleichtert, dennoch liegt der benötigte
Eigenkapitalanteil immer noch bei rund 45 Prozent - verglichen mit 36
Prozent vor der Finanzkrise 2007. Leverage als Werthebel für Private
Equity ist also weiterhin eingeschränkt. Überraschend für die Autoren
sind die inzwischen wieder im Markt geforderten Kaufpreise: Im
Durchschnitt lagen Multiples mit dem 8,8-Fachen des EBITDA fast schon
wieder auf dem Spitzenniveau des letzten M&A-Zyklus (9,7 x EBITDA).
Übernahmeziele, Zeitpunkt und Management des gesamten Prozesses für
wertschaffende Transaktionen erfolgsentscheidend
Während M&A-Transaktionen in der Regel Wert für den Käufer
vernichten, gibt es Faktoren, die es bei einigen Transaktionen
ermöglichen, positive Renditen zu erzielen. "Erfolgreiche Käufer
nutzen M&A nur dann, wenn sie damit eine strategische Zielsetzung
schneller und ressourcenschonender erreichen können als durch
organisches Wachstum. Und sie wählen einen Zeitpunkt, zu dem die
Transaktion optimale Ergebnisse erbringt", sagt Dr. Jens Kengelbach,
Mitglied des globalen M&A-Teams bei BCG und Mitautor der Studie. "Sie
standardisieren ihren M&A-Prozess mit klaren Verantwortlichkeiten und
einer stabilen Erfolgsmessung. Nicht zuletzt macht sie die Praxis
erfolgreich."
Die BCG-Studie zeigt, dass die langfristige Rendite
durchschnittlich höher ausfällt, wenn Käufer Unternehmen in ihrem
Kerngeschäftsbereich übernehmen. Ein weiteres, unerwartetes Ergebnis
der Studie: Käufer erzielen eher Wert, wenn sie im Ausland einkaufen
- auch wenn das Risiko oftmals höher erscheint als bei einer
Transaktion im Inland.
"Der ideale Zeitpunkt für ein Übernahmeangebot ist kurz vor einem
wirtschaftlichen Aufschwung oder zu einem frühen Zeitpunkt einer
M&A-Welle in der jeweiligen Branche", erklärt Alexander Roos,
BCG-Partner und M&A-Experte. "Käufer, die früh im Zyklus ihre
sorgfältig vorbereiteten Übernahmen tätigen, haben deutlich weniger
Konkurrenz und somit eine größere Auswahl an Übernahmezielen, deren
Bewertungen noch nicht nach oben getrieben wurden." Wichtig ist auch
die Wahl der Akquisitionswährung: "Während bei der Übernahme
notierter Unternehmen Cash die richtige Wahl ist, bringt bei privat
gehaltenen Unternehmen eine Bezahlung durch eigene Aktien Vorteile
für börsennotierte Käufer", erläutert Roos.
Serienkäufer vernichten im Schnitt deutlich mehr Wert, sind aber bei
komplexen Transaktionen erfolgreicher
Entgegen den Erwartungen zeigt die Studie, dass Serienkäufer durch
M&A-Transaktionen in der Regel geringere Renditen als gelegentliche
Käufer erzielen. Dennoch sind sie gerade bei Akquisitionen mit hoher
Komplexität erfolgreicher:
- Transaktionen mit notleidenden Unternehmen: Aus Investorensicht
sind Serienkäufer besser vorbereitet als gelegentliche Käufer, um
Distressed Assets zu übernehmen. Im Schnitt erzielen sie eine um 1,4
Prozentpunkte höhere Rendite als gelegentliche Käufer.
- Übernahme von privaten Unternehmen: Serienkäufer erreichen im
Schnitt bessere Renditen, weil sie erfolgreicher darin sind, diese
Firmen zu bewerten und mit ihnen zu verhandeln. Sie erzielen zudem
höhere Renditen, indem sie sich auf kleinere Transaktionen
konzentrieren (84 Prozent aller Transaktionen vs. 58 Prozent bei
gelegentlichen Käufern).
- Akquisitionen auf anderen Kontinenten: Investoren vertrauen auf
die Kompetenz von Serienkäufern, geografische Komplexität besser zu
beherrschen.
Ein besonders wichtiger Erfolgsfaktor von Serienkäufern ist deren
Spezialisierung auf die Übernahme von kleineren Unternehmen: Sie
erzielen dadurch eine im Schnitt 1,4 Prozentpunkte höhere Rendite als
bei der Akquisition eines Unternehmens, das gleich groß oder sogar
größer ist als sie selbst. Schließlich sind Serienkäufer auch
hinsichtlich des Timings erfolgreich: Sie werden aktiv, wenn
Transaktionsprämien und Wettbewerb am niedrigsten sind. 39 Prozent
der Transaktionen von Serienkäufern werden in der ersten Phase einer
branchenspezifischen M&A-Welle durchgeführt, verglichen mit 28
Prozent der Transaktionen von gelegentlichen Käufern.
Zwar werden die Aussichten für M&A wieder deutlich positiver -
rund zwei Drittel der Unternehmen planen eine Expansion in den
Emerging Markets -, aber wirtschaftliche Unsicherheiten dämpfen
weiterhin die Transaktionsabsichten der Unternehmen. Eine Rezession
mit zwei Talsohlen wird zwar weithin nicht mehr befürchtet, dennoch
ist das Wachstum in den Industriestaaten als wichtigster Treiber für
Unternehmenstransaktionen weiterhin schwach. Die Märkte bleiben vor
allem mit Blick auf die Schuldenkrise in der Eurozone und die
politischen Unruhen im Nahen Osten nervös. "Das aktuelle Wachstum der
Weltwirtschaft entspricht fast wieder dem langfristigen Mittel. Damit
nähern wir uns dem Ende der interessanten Aufschwungphase, dem
Zeitpunkt also, zu dem Unternehmen höhere Renditen erzielen können
als in frühen Phasen eines Abschwungs", erklärt BCG-Experte Roos.
"Diese Phase wird möglicherweise - vor dem Hintergrund der
bestehenden Risiken - nicht lange anhalten. Wenn potenzielle Käufer
von einer M&A-Welle profitieren wollen, müssen sie jetzt
entsprechende Vorbereitungen starten."
The Boston Consulting Group (BCG) ist eine internationale
Managementberatung und weltweit führend auf dem Gebiet der
Unternehmensstrategie. BCG unterstützt Unternehmen aus allen Branchen
und Regionen dabei, Wachstumschancen zu nutzen und ihr
Geschäftsmodell an neue Gegebenheiten anzupassen. In
partnerschaftlicher Zusammenarbeit mit den Kunden entwickelt BCG
individuelle Lösungen. Gemeinsames Ziel ist es, nachhaltige
Wettbewerbsvorteile zu schaffen, die Leistungsfähigkeit des
Unternehmens zu steigern und das Geschäftsergebnis dauerhaft zu
verbessern. BCG wurde 1963 von Bruce D. Henderson gegründet und ist
heute an 74 Standorten in 42 Ländern vertreten. Das Unternehmen
befindet sich im alleinigen Besitz seiner Geschäftsführer. In
Deutschland und Österreich erwirtschaftete BCG im Jahr 2010 mit 910
Beraterinnen und Beratern einen Umsatz von 444 Millionen Euro. Für
weitere Informationen: www.bcg.at
Rückfragehinweis:
The Boston Consulting Group
Katharina Sacken
Marketing Manager
Tel. +43 / 1 / 537 56 - 8163
e-mail: [email protected]
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