Übernahmeziel und Timing bestimmen M&A-Erfolg

BCG-Studie: M&A-Aktivitäten nehmen 2010 um 7,6 Prozent zu - Serienkäufer vernichten überproportional viel Wert, sind aber bei komplexen Transaktionen erfolgreicher

Wien (OTS) - Nach zwei rückläufigen Jahren hat sich der Markt für Mergers & Acquisitions (M&A) 2010 wieder erholt: Die Anzahl der durchgeführten Transaktionen stieg um 7,6 Prozent, ihr Volumen um 19 Prozent auf 1,5 Billionen US-Dollar - und erreicht damit das Niveau des Jahres 2004, zu Beginn der letzten M&A-Welle, die bis zum Einsetzen der Finanzkrise 2007 andauerte. Auch Private-Equity-Firmen verstärkten ihre M&A-Aktivitäten wieder, wenngleich noch nicht auf Vorkrisenniveau; die Anzahl der Private-Equity-Deals nahm um ein Drittel zu, ihr Volumen verdoppelte sich. Nicht zuletzt trugen Unternehmen aus dem asiatisch-pazifischen Raum, die in anderen Regionen auf Einkaufstour gehen, zum Anstieg der M&A-Aktivitäten bei - mit rund einem Fünftel aller Transaktionen im vergangenen Jahr. Zu diesen Ergebnissen kommt die Studie Riding the Next Wave: Where Are the Opportunities to Create Value? der Boston Consulting Group (BCG). Basierend auf einer umfangeichen Datenbank von rund 26.000 Transaktionen, die weltweit seit 1988 durchgeführt wurden, analysiert sie, welche Faktoren für eine wertschaffende Akquisition ausschlaggebend sind. Dabei zeigt sich: Erfolgsentscheidend sind die Auswahl der Übernahmeziele, der Zeitpunkt des Angebots sowie das Management des gesamten Transaktionsprozesses.

Wenngleich von Wert und Volumen her noch nicht auf Vorkrisenniveau, war 2010 gemessen an der Kapitalmarktreaktion auf angekündigte Transaktionen ein besonders gutes Jahr für Übernahmen:
Die durchschnittliche Reaktion des Kapitalmarktes - der sogenannte Ankündigungseffekt - nach einer Übernahme war zum ersten Mal in den BCG-M&A-Studien im Schnitt positiv für börsennotierte Käufer - und auch übernommene Unternehmen profitierten überproportional. Erstmals seit 1996 erzielten Käufer 2010 im Schnitt eine positive Rendite, wenn auch nur eine geringe (+0,7 Prozent vs. -1,0). Die durchschnittliche Rendite für Übernahmeziele lag ebenfalls auf einem Rekordhoch.

Die Transaktionskosten stiegen 2010 deutlich an: von durchschnittlich 0,27 Prozent des Transaktionswertes im Vorjahr auf 0,60 Prozent. Damit liegen sie rund 50 Prozent über den Kosten in der Hochphase zwischen 2004 und 2008. Die Erholung der Kapitalmärkte hat die Finanzierungsmöglichkeiten insbesondere für Private-Equity-Unternehmen und damit deren Rückkehr auf den M&A-Markt zwar deutlich erleichtert, dennoch liegt der benötigte Eigenkapitalanteil immer noch bei rund 45 Prozent - verglichen mit 36 Prozent vor der Finanzkrise 2007. Leverage als Werthebel für Private Equity ist also weiterhin eingeschränkt. Überraschend für die Autoren sind die inzwischen wieder im Markt geforderten Kaufpreise: Im Durchschnitt lagen Multiples mit dem 8,8-Fachen des EBITDA fast schon wieder auf dem Spitzenniveau des letzten M&A-Zyklus (9,7 x EBITDA).

Übernahmeziele, Zeitpunkt und Management des gesamten Prozesses für wertschaffende Transaktionen erfolgsentscheidend

Während M&A-Transaktionen in der Regel Wert für den Käufer vernichten, gibt es Faktoren, die es bei einigen Transaktionen ermöglichen, positive Renditen zu erzielen. "Erfolgreiche Käufer nutzen M&A nur dann, wenn sie damit eine strategische Zielsetzung schneller und ressourcenschonender erreichen können als durch organisches Wachstum. Und sie wählen einen Zeitpunkt, zu dem die Transaktion optimale Ergebnisse erbringt", sagt Dr. Jens Kengelbach, Mitglied des globalen M&A-Teams bei BCG und Mitautor der Studie. "Sie standardisieren ihren M&A-Prozess mit klaren Verantwortlichkeiten und einer stabilen Erfolgsmessung. Nicht zuletzt macht sie die Praxis erfolgreich."

Die BCG-Studie zeigt, dass die langfristige Rendite durchschnittlich höher ausfällt, wenn Käufer Unternehmen in ihrem Kerngeschäftsbereich übernehmen. Ein weiteres, unerwartetes Ergebnis der Studie: Käufer erzielen eher Wert, wenn sie im Ausland einkaufen - auch wenn das Risiko oftmals höher erscheint als bei einer Transaktion im Inland.

"Der ideale Zeitpunkt für ein Übernahmeangebot ist kurz vor einem wirtschaftlichen Aufschwung oder zu einem frühen Zeitpunkt einer M&A-Welle in der jeweiligen Branche", erklärt Alexander Roos, BCG-Partner und M&A-Experte. "Käufer, die früh im Zyklus ihre sorgfältig vorbereiteten Übernahmen tätigen, haben deutlich weniger Konkurrenz und somit eine größere Auswahl an Übernahmezielen, deren Bewertungen noch nicht nach oben getrieben wurden." Wichtig ist auch die Wahl der Akquisitionswährung: "Während bei der Übernahme notierter Unternehmen Cash die richtige Wahl ist, bringt bei privat gehaltenen Unternehmen eine Bezahlung durch eigene Aktien Vorteile für börsennotierte Käufer", erläutert Roos.

Serienkäufer vernichten im Schnitt deutlich mehr Wert, sind aber bei komplexen Transaktionen erfolgreicher

Entgegen den Erwartungen zeigt die Studie, dass Serienkäufer durch M&A-Transaktionen in der Regel geringere Renditen als gelegentliche Käufer erzielen. Dennoch sind sie gerade bei Akquisitionen mit hoher Komplexität erfolgreicher:

- Transaktionen mit notleidenden Unternehmen: Aus Investorensicht sind Serienkäufer besser vorbereitet als gelegentliche Käufer, um Distressed Assets zu übernehmen. Im Schnitt erzielen sie eine um 1,4 Prozentpunkte höhere Rendite als gelegentliche Käufer.

- Übernahme von privaten Unternehmen: Serienkäufer erreichen im Schnitt bessere Renditen, weil sie erfolgreicher darin sind, diese Firmen zu bewerten und mit ihnen zu verhandeln. Sie erzielen zudem höhere Renditen, indem sie sich auf kleinere Transaktionen konzentrieren (84 Prozent aller Transaktionen vs. 58 Prozent bei gelegentlichen Käufern).

- Akquisitionen auf anderen Kontinenten: Investoren vertrauen auf die Kompetenz von Serienkäufern, geografische Komplexität besser zu beherrschen.

Ein besonders wichtiger Erfolgsfaktor von Serienkäufern ist deren Spezialisierung auf die Übernahme von kleineren Unternehmen: Sie erzielen dadurch eine im Schnitt 1,4 Prozentpunkte höhere Rendite als bei der Akquisition eines Unternehmens, das gleich groß oder sogar größer ist als sie selbst. Schließlich sind Serienkäufer auch hinsichtlich des Timings erfolgreich: Sie werden aktiv, wenn Transaktionsprämien und Wettbewerb am niedrigsten sind. 39 Prozent der Transaktionen von Serienkäufern werden in der ersten Phase einer branchenspezifischen M&A-Welle durchgeführt, verglichen mit 28 Prozent der Transaktionen von gelegentlichen Käufern.

Zwar werden die Aussichten für M&A wieder deutlich positiver -rund zwei Drittel der Unternehmen planen eine Expansion in den Emerging Markets -, aber wirtschaftliche Unsicherheiten dämpfen weiterhin die Transaktionsabsichten der Unternehmen. Eine Rezession mit zwei Talsohlen wird zwar weithin nicht mehr befürchtet, dennoch ist das Wachstum in den Industriestaaten als wichtigster Treiber für Unternehmenstransaktionen weiterhin schwach. Die Märkte bleiben vor allem mit Blick auf die Schuldenkrise in der Eurozone und die politischen Unruhen im Nahen Osten nervös. "Das aktuelle Wachstum der Weltwirtschaft entspricht fast wieder dem langfristigen Mittel. Damit nähern wir uns dem Ende der interessanten Aufschwungphase, dem Zeitpunkt also, zu dem Unternehmen höhere Renditen erzielen können als in frühen Phasen eines Abschwungs", erklärt BCG-Experte Roos. "Diese Phase wird möglicherweise - vor dem Hintergrund der bestehenden Risiken - nicht lange anhalten. Wenn potenzielle Käufer von einer M&A-Welle profitieren wollen, müssen sie jetzt entsprechende Vorbereitungen starten."

The Boston Consulting Group (BCG) ist eine internationale Managementberatung und weltweit führend auf dem Gebiet der Unternehmensstrategie. BCG unterstützt Unternehmen aus allen Branchen und Regionen dabei, Wachstumschancen zu nutzen und ihr Geschäftsmodell an neue Gegebenheiten anzupassen. In partnerschaftlicher Zusammenarbeit mit den Kunden entwickelt BCG individuelle Lösungen. Gemeinsames Ziel ist es, nachhaltige Wettbewerbsvorteile zu schaffen, die Leistungsfähigkeit des Unternehmens zu steigern und das Geschäftsergebnis dauerhaft zu verbessern. BCG wurde 1963 von Bruce D. Henderson gegründet und ist heute an 74 Standorten in 42 Ländern vertreten. Das Unternehmen befindet sich im alleinigen Besitz seiner Geschäftsführer. In Deutschland und Österreich erwirtschaftete BCG im Jahr 2010 mit 910 Beraterinnen und Beratern einen Umsatz von 444 Millionen Euro. Für weitere Informationen: www.bcg.at

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