• 07.06.2011, 20:01:00
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"Kleine Zeitung" Kommentar: "Die Jagd auf den Feind in unserem Essen" (Von Carina Kerschbaumer)

Ausgabe vom 8.6.2011

Graz (OTS) - Die Jagd nach dem Feind im Essen geht also weiter.
Und der Feind, dieser EHEC-Serotyp 0104:H4, der bereits viele das
Leben kostete, lauert immer noch irgendwo unerkannt. Möglicherweise
doch in Sprossen trotz der negativen Laborergebnisse? Oder in
Paradeisern, Blattsalaten?

Warnungen gab es in den letzten Wochen viele. Da erklärte zu Beginn
der Epidemie die Hamburger Gesundheitssenatorin im Brustton der
Überzeugung, dass sich die Infektionsquelle auf rohe Gurken,
Paradeiser, Blattsalate eingrenzen lasse. Mit dem Effekt, dass mit
jeder neuen Warnung und neuen Todesmeldung nicht nur in
Norddeutschland, sondern europaweit immer mehr Konsumenten
verunsichert vor Obstregalen stehen. Konsumenten, die nach der ersten
Warnung vor spanischen Gurken selbst spanische Pfirsiche nur mehr
zögernd in den Einkaufswagen legten.

Wenn einmal klar wird, wie trügerisch das Gefühl der Sicherheit bei
Lebensmitteln sein kann, breitet sich auch das Virus der
Verunsicherung epidemieartig aus. Da reicht dann oft schon der
Hinweis auf das Herkunftsland, um Kaufverhalten zu ändern. Der
verunsicherte Konsument schreckt dann selbst vor einheimischen Gurken
oder Paradeisern zurück.

Die Appelle des Präsidenten der Landwirtschaftskammer, es gebe in
Österreich keinen Grund zum Kaufboykott von Gemüse, muten da nur mehr
an wie der Versuch, einen Großbrand mit einer Spritzpistole zu
löschen. Ein Großbrand, der die Frage aufwirft, wie
verantwortungsvoll vorschnelle Warnungen sind. Warnungen, die
europaweit Zehntausende Bauern die Existenz kosten können. Wie groß
wäre aber andererseits der Aufschrei, wenn aus ökonomischen Gründen
der leiseste Verdacht nicht sofort öffentlich geäußert würde. Und
wenn sich später der Verdacht als richtig erweisen würde und in
dieser Zeit der Erreger zum Tod weiterer Menschen geführt hätte.

Da muss aus Sicherheitsgründen die sofortige Informationspflicht
selbst bei noch nicht eindeutigen Beweisen vor jeder ökonomischen
Überlegung stehen. Es müsste aber auch Konsumenten, die weit entfernt
vom Krisengebiet Norddeutschland leben, die Absurdität ihres
Kaufverhaltens vor Augen geführt werden. Wenn nämlich in der Gurke
die größere Gefahrenquelle als in Autos gesehen wird.

Die Verunsicherung wird sich legen - eine Frage der Zeit und
Gewöhnung wie bei SARS oder BSE. Wie auch nach Flugzeugabstürzen
weiter geflogen wird - trotz des Wissens, dass sie abstürzen
könnten.****

Rückfragehinweis:
Kleine Zeitung, Redaktionssekretariat, Tel.: 0316/875-4032, 4033, 4035, 4047, mailto:[email protected], http://www.kleinezeitung.at

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